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Tippspiel
Eimerweise Selbstbewusstsein
Osnabrück. „Tschakka, du schaffst es!“ war gestern, „Sei ein Eimer-Befüller!“ ist heute. Der Mann, der Selbstbewusstsein mit einer Suppenkelle einschenkt, heißt Christian Bischoff. Gestern sprach der Motivations-coach vor den Jugendlichen der Bertha-von-Suttner-Realschule.
Und plötzlich steht die ganze Kirche auf, Jugendliche und Erwachsene fallen sich in die Arme, sagen einander, was sie am anderen mögen, und aus den Boxen dröhnt „Forever Young“ von Rod Stewart. Wer mit Emotionen auf Kommando nicht viel anfangen kann, fühlt sich leicht klamm, aber hey: Den Kids gefällt’s!
Die Bertha-von-Suttner- Realschule hat den Mentaltrainer, Coach, Ex-Basketballprofi und Lebenserklärer Christian Bischoff engagiert und auf eine Bühne in der Melanchthonkirche gestellt. Um den Schülern zu sagen, was wirklich wichtig ist. In der Kirche ist Bischoff gut aufgehoben, denn wie jeder Mentalcoach will auch er eine frohe Botschaft verkünden. In der Bibel nach Bischoff heißt es: „Mach den positiven Unterschied!“ „Du lebst nur einmal!“ „Talent wird gnadenlos überschätzt!“ Aussehen wird übrigens auch überschätzt, und deshalb trägt Bischoff auf der Bühne wie selbstverständlich seinen Wohlfühldress: Jogginghose und rotes Stirnband, auf dem auch noch sein Name prangt.
Vor dem „Schülerflüsterer“ („Focus“-Zitat) sitzen mehrere Hundert Jugendliche der Klassen acht bis zehn. Einige von ihnen sind bald mit der Schule fertig, dann beginnt für die meisten die Lehrstellensuche. Wie man den Personalchef von sich überzeugt, verrät ihnen der Mann in der Jogginghose: „Schau den Leuten in die Augen! Das zeigt, dass du Selbstvertrauen hast!“ Bischoff spricht fast immer den Einzelnen an, sagt „Ich habe noch einen Film für dich“, nicht „für euch“.
Du sollst aber natürlich nicht nur Blickkontakt halten – du sollst dem Erwachsenen auch mit einem festen Händedruck begegnen, und du sollst deinen Namen laut und deutlich sagen.
„Wie stellt sich James Bond immer vor? Er sagt ‚Hi, mein Name ist Bond. James Bond.‘ Und genauso stellt ihr euch jetzt eurem Sitznachbarn vor.“ Dass James Bond jemals „Hi“ gesagt hat, ist zwar ein Gerücht, doch das stört hier niemanden. Die Schüler stellen sich einander munter als James Bond vor, und Schulleiter Martin Sandkämper sagt nach der Veranstaltung, diese Übung habe ihm besonders gefallen.
Auch wenn viele von Bischoffs Botschaften banal klingen mögen – sie zeigen Wirkung. Und außer der ständigen Wiederholung von phrasenhaften Wendungen wie „Von nichts kommt nichts“ hat Bischoff auch wichtige Erkenntnisse mitzuteilen. „Viele Frauen haben aus fehlendem Selbstbewusstsein ein völlig unauthentisches Lächeln im Gesicht.“ Oder: „Die meisten Deutschen können kein Lob annehmen.“ Und dabei geht es doch darum: anderen Menschen ihren (im übertragenen Sinn) Selbstbewusstseins-Eimer zu füllen, am besten mit der Suppenkelle! Drei Eimer pro Tag sollte laut Christian Bischoff das Ziel sein.
„Mir hat es sehr gut gefallen, vor allem die Botschaft, dass man mehr Selbstbewusstsein haben soll“, sagt Schülerin Gina Böhmer nach dem Vortrag. „Ich habe vorher nicht gedacht, dass es so gut sein würde.“ Ihr Mitschüler Frederic Wehrmeyer sieht es genauso. Ihm haben vor allem Sätze wie „Suche Erfolg!“ gefallen, die Bischoff den Schülern in einem Film mit auf den Weg gegeben hat.
Und die begeisterte Stimmung der anderen Schüler, die hinter ihnen aus der Kirche strömen, lässt vermuten: In der Bertha-von-Suttner-Schule werden in den nächsten Tagen ganz viele Eimer gefüllt.
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