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TV-Moderator Ludger Abeln spricht über seine emsländischen Wurzeln
Papenburg/Leer. Der NDR-Moderator LudgerAbeln wird vom Papenburger Carnevals-Verein (PCV) mit dem Gerd-Bliede-Orden ausgezeichnet. Bei der Verleihung muss der gebürtige Meppener dafür in die Bütt, wo er seine Zuhörer auf Platt unterhalten will. Im Interview spricht Abeln über Heimatgefühle und warum es wichtig ist, im Alltag wieder Plattdeutsch zu sprechen.
Herr Abeln, mit dem Gerd-Bliede-Orden erhalten Sie nun schon Ihren dritten Karnevalsorden. Sind Sie selbst ein begeisterter Karnevalist?
Als Karnevalisten würde ich mich jetzt nicht gerade bezeichnen. Dann wäre ich sicher auch in einem Verein aktiv. Aber ich mag Karneval. Nicht zwingend wegen der Verkleidungen, die gehören auch dazu. Vor allem aber deshalb, weil man dann andere Menschen mal ein wenig auf die Schippe nehmen darf, ihnen die Meinung sagen darf, ohne dafür gleich angeraunzt zu werden.
Haben Sie sich für die Preisverleihung schon eine Verkleidung ausgedacht?
Ich habe bei Antenne Niedersachsen in den frühen 90ern eine Comedyfigur entwickelt. Die hieß „Fiete de Buhr“. Fiete durfte eben auch viel zu alltäglichen Themen sagen, natürlich aus der Sicht eines Bauern. Da waren Bauernschläue und Kritik an der Tagesordnung. Dafür gab es auch ein Kostüm, das ich aus den Hinterlassenschaften meiner großen Familie zusammengesucht hatte. Vielleicht finde ich die Klamotten ja wieder.
Sie sind in Meppen geboren und in Bokeloh aufgewachsen. Was verbindet Sie besonders mit Ihrer emsländischen Heimat?
Heimat bleibt Heimat. Auch wenn man sich später woanders wohlfühlt, bleibt das in den Klamotten und im Hirn stecken. Ich war als Kind viel unterwegs, habe in der Hase schwimmen gelernt, habe beim SV Bokeloh Fußball gespielt, war Messdiener und habe meine Tischlerlehre im Heimatdorf absolviert. Da ist noch jede Menge Emsland in mir drin. Und ich besuche das Emsland auch noch regelmäßig.
Seit vielen Jahren wohnen Sie mit ihrer Familie in Leer und bezeichnen sich als „Wahl-Ostfriese“. Was unterscheidet die Ostfriesen von den Emsländern?
Nicht viel, vor allem aber die Religion. Die Emsländer sind katholisch, die Ostfriesen evangelisch! Die Ostfriesen habe ich vor 25 Jahren erst mal als viel lockerer empfunden. Eben nicht so „katholisch“. Aber da haben die Emsländer stark aufgeholt. Wer sie „knackt“, kann viel Spaß und gute Gespräche mit beiden haben.
Im NDR moderieren Sie auch plattdeutsche Sendungen wie den „Plattdeutschen Frühschoppen“. Sie haben auch Bücher auf Platt geschrieben. Was fasziniert Sie so an dieser Sprache?
Plattdeutsch ist cool. Ich habe das in meiner Kindheit nie so gemerkt. Klar, es war eben eine andere Sprache, die noch viele gesprochen haben. Die hat man so mit aufgesogen. Erst später ist mir bewusst geworden, dass immer weniger Lust auf Platt haben und es auch nicht weitergegeben wurde. Und da habe ich mich zurückerinnert an Geschichten, die auf Platt viel urtümlicher wirken, an Worte, die blumiger sind als hochdeutsche. In meinem „Plattdeutschen Frühschoppen“ im NDR sprechen wir auch über Politik, Wissenschaft oder die Dinge des alltäglichen Lebens auf Platt – geht genauso gut, nur viel wärmer und intensiver.
Junge Emsländer lernen heute kaum noch plattdeutsch, bestenfalls das Hörverstehen. Machen Sie sich Sorgen, Platt könnte aussterben?
Ich bin von Grund auf ein Optimist. Ich kenne mittlerweile einige Familien, die ihre Kinder ganz bewusst mit Platt erziehen. Wenn die in den Kindergarten oder die Schule kommen, dann lernen sie Hochdeutsch nebenbei. Kinder sind da ganz schnell und offen. Man sollte den Mut haben, es wieder ganz offen zu sprechen, auch auf der Straße. Nur eine Sprache, die im Alltag gesprochen wird, bleibt eine lebendige Sprache. Sonst erleidet sie ein Schicksal wie Latein oder Altgriechisch. Was ich dafür machen kann, das mache ich – eben mit dem „Plattdeutschen Frühschoppen“ im NDR-Fernsehen, meinen plattdeutschen Büchern oder bei Lesungen.
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