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Melle: Klausing-Orgel trifft auf türkische Saz-Spieler
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Autor: Michael Woll 16. Januar 2012 19:11 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Musikalisches Zwiegespräch

Melle: Klausing-Orgel trifft auf türkische Saz-Spieler

Melle. In der Reihe „Orgel trifft...“ gab es am Sonntagnachmittag ein Treffen der Kulturen. Unter der Überschrift „Orient trifft Okzident“ musizierte Stephan Lutermann an der Klausing-Orgel in St. Matthäus im Wechsel mit dem Trio des türkischen Saz-Spielers Ismail Türker.

 
Eine Begegnung von Orient und Okzident boten das Trio von Ismail Türker und Stephan Lutermann an der Klausing-Orgel am Sonntag bei „Orgel trifft... “.Foto: Michael Woll  Vergrößern

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Der Name des Auftaktstücks an der Orgel, Louis Marchands (1669–1732) „Dialogues“, war Programm: In einem Dialog der Gegensätze erklangen abwechselnd traditionell geprägte türkische Lieder und Orgelmusik des europäischen Barocks. Dass Ismail Türker seine Lieder vom östlich gelegenen Altarraum aus vortrug und die Orgel von Westen her antwortete, passte ideal zum Titel „Orient trifft Okzident“.

Neben den erwähnten „Dialogues“ waren an der Orgel zwei weitere Stücke mit ganz unterschiedlichem Charakter zu hören. Beim „Concerto del Signore Meck“ von Johann Gottfried Walther (1684–1748) schälten sich aus tanzenden Akkordläufen langsam einfache Melodien heraus; Bachs Präludium in G war auf die typische Art des Komponisten strahlend und prächtig und zugleich ganz leicht.

Der „Dialog“ als Thema kehrte in den Liedern Ismail Türkers, der von Eva Gotthold (Violine) und Martina Binnig (Kontrabass) begleitet wurde, vor allem im Gedanken des kulturellen Austauschs wieder. Das galt zum einen für den musikalischen Stil, der traditionelle türkische Elemente – verbunden mit weltlichen Themen ebenso wie mit islamisch-mystischen Inhalten aus der alevitischen Tradition – und westliche Einflüsse zusammenbrachte.

Der Austausch der Kulturen betraf zum anderen auch das Instrument: Ismail Türker erzählte, wie die Saz ihren Weg aus Tibet durch viele asiatische Länder nahm, bis sie über Armenien in die Türkei kam, wo sie zur „türki-schen Laute“ wurde. Die Dialog-Idee setzte sich fort mit einem Lied über die Metropole Istanbul, die Türker als „Weltstadt für alle“ bezeichnete.

Bei manchen Themen schließlich ist vielleicht gar kein Dialog nötig, weil sie überall auf der Welt verstanden werden – so etwa Bertolt Brechts pazifistisches Gedicht „Die Grabschrift“, das in deutscher und türkischer Sprache vorgetragen wurde: „Vater, du ließest mich zu den Soldaten / Mutter, du hast mich nicht versteckt [...]“

Mit seinen warmen, kraft-vollen Liedern, die oft voller Sehnsucht und Melancholie waren, erreichte Ismail Türker das Publikum, das ihn nicht ohne Zugabe gehen ließ. Im Wechsel mit den Orgelstücken, bei denen Stephan Lutermann einmal mehr gekonnt die verschiedenen Facetten seines Instruments in Szene setzte, entwickelte sich binnen nur einer Stunde eigentlich ein doppeltes Konzert. Der Kontrast der Stilrichtungen wirkte dabei anregend – und der lang anhaltende Applaus am Ende zeigte, dass die Unterhaltung von Orient und Okzident in der Sprache der Musik gelungen war.

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