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„Ein Mensch, der sich den Stürmen gestellt hat“
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Autor: Rainer Westendorf 16. Januar 2012 11:59 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Festhochamt in der St.-Lambertus-Kirche

„Ein Mensch, der sich den Stürmen gestellt hat“

Ostercappeln. „Dank an Gott für diesen Menschen“, sagte Bischof Franz-Josef Bode. Er gestaltete das Festhochamt in der Ostercappelner St.-Lambertus-Kirche zu Ehren von Ludwig Windthorst.

 
Bischof Franz-Josef Bode und Pastor Bernhard Stecker in der St.-Lambertus-Kirche. Foto: Rainer Westendorf  Vergrößern

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Bode und zuvor auch Pastor Bernhard Stecker beschäftigten sich mit dem Wirken des Politikers und Christen und seiner Bedeutung für die heutige Zeit. „Es ist wichtig, auf diese Gestalt zu schauen“, betonte Bode. Und zwar gerade in einer Zeit, in der Glaubwürdigkeit und Vertrauen zur Mangelware würden. Windthorst sei ein Vorbild. Und davon gebe es ja derzeit so viele nun auch wieder nicht...

„Er wusste um die Kraft des Glaubens und hat sich nicht zurückgezogen – obwohl der Lebensweg des Politikers von Schicksalsschlägen und auch politischen Niederlagen gezeichnet war. So haben Windthorst und seine Ehefrau drei ihrer vier Kinder in jungen verloren; nur eine Tochter hat die Eltern überlebt.

Windthorst hatte dennoch Vertrauen in die Macht Gottes, und das habe auch sein politisches und gesellschaftliches Handeln bestimmt. So habe die Auseinandersetzung mit dem Reichskanzler Otto von Bismarck dem Kampf zwischen David und Goliath geglichen. Was allerdings die „kleine Exzellenz“ aus Ostercappeln nicht gehindert habe, für ihre Überzeugungen einzutreten.

„Gebt Gott, was Gottes ist, und des Kaisers, was des Kaisers ist“, dieser Satz bedeute nämlich nicht, sich herauszuhalten und Entscheidungen kritiklos hinzunehmen. Im Gegenteil.: „Ludwig Windthorst hat seine Stimme mit Macht gegen die allmächtig sein Wollenden erhoben“, sagte der Osnabrücker Bischof. Rechte und Freiheiten des Einzelnen sowie der Schutz von Minderheiten zählten und müssten gegen die Staatsallmacht verteidigt werden, das war Windthorsts feste Überzeugung. Daher trat der Politiker Windthorst nicht nur für die Rechte „seiner“ Katholiken ein, sondern mit ebenso großem Eifer für Elsässer, Polen und andere Minderheiten im preußisch-protestantisch dominierten Deutschen Kaiserreich.

Er war also ein Mensch, der sich den Stürmen gestellt habe. Windthorst stehe für das freie Wort, aber auch die Freiheit der Kirche. Und so eine Gestalt wäre in der Gegenwart wohl auch dringend vonnöten. Jemand, der glaubwürdig und bescheiden auf der Basis christlicher Überzeugungen handelt.

Bischof Bode merkte an, dass er ohne das Wirken Ludwig Windthorst wohl nicht in dieser Funktion in Ostercappeln vor Ort sein könnte. Dem Engagement Windthorsts ist es überhaupt zu verdanken, dass das Bistum Osnabrück existiert. 1858 konnte es nach längerem politischem Kampf eingerichtet werden.

Um so zu handeln, wie es Ludwig Windthorst getan habe, brauche es eine freie und selbstbewusste Persönlichkeit, hatte zuvor Pastor Stecker gesagt. Die Basis dafür sei in Windthorsts Familie und in seinem Umfeld, in seiner Kirchengemeinde in Ostercappeln gelegt worden. „Ludwig Windthorst war ein schmächtiges Kind. Aber er hatte einen großen Kopf voller Verstand und auch Humor“, merkte Bischof Bode an.

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