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Zu Besuch bei Leinenmacher Ernst Kaase in Barkhausen
Barkhausen. Es riecht nach Leder. Die Werkstatt ist klein, aber gemütlich. Der Ofen in der Ecke sorgt für wohlige Wärme, draußen treibt der Wind den Regen vor sich her. „Der ideale Platz für meine Handarbeiten“, sagt Ernst Kaase und lacht.
Ernst Kaase aus Bad Essen-Barkhausen fertigt Hundeleinen in Handarbeit. Nicht vom Band, sondern mit Herz und Verstand.
Der leidenschaftliche Jäger und Naturfreund erkannte aus seinem täglichen Umgang mit Hunden, dass die handelsüblichen Leinen und Halsbänder weder für das Tier noch für den dazugehörigen Menschen ideal waren.
„Hundeleinen müssen individuell, auf das jeweilige Team von Mensch und Tier zugeschnitten sein“, findet Kaase, dessen Leinen aus einem Stück reinen Leders gefertigt sind und das Miteinander von Herrchen und Hund vereinfachen.
Statt flach und kantig, wie bei einem Zügel, sind seine Lederbänder rund, wie ein Kabel. „Die Leine verkantet nicht und bleibt nicht so schnell irgendwo hängen“, erzählt der Leinenmacher.
Seit mittlerweile zwölf Jahren lässt Kaase Leinen entstehen. In seiner Werkstatt hängen Hunderte von Lederschnüren. Sie sind Ausgangspunkt für sein Handwerk.
An einer kleinen Werkbank bearbeitet er die Schnüre. Er nimmt ein langes Lederband von einem Haken und klemmt es zwischen eine Kerbe. Mit einem spitzen Stechbeitel sticht er drei bis vier längliche Schnitte in die Leine. Das eine Ende der Schnur zieht er gekonnt durch die Löcher, die durch die Schnitte entstanden sind. Messen, Anspitzen, Stechen, Flechten, Knoten, Knicken, und Stopper setzen, so lautet die Reihenfolge.
„Das ist eine bestimmte Flechttechnik aus der Landwirtschaft“, erklärt der Lederwerker, der gleichzeitig verdeutlicht, dass die Leinen nicht nur bei Jagdhunden beliebt sind, sondern: „Diese biologisch gegerbten Leinen sind für Jederhund, ganz gleich ob Pudel, Terrier, Münsterländer oder Dobermann.“
Die Länge der Umhängeleine ist von der Person abhängig, die den Hund führt. Durch eine einfache Schlaufe mit einem speziellen Knoten ist ein Halsband nicht mehr erforderlich, die Würgegefahr gebannt.
Die Lederstärke (Rundleder vom Rind) hängt von der Größe und Rasse des Hundes ab. Jede Leine ist dabei Maßarbeit, ein Unikat aus Kernleder, das besonders widerstandsfähig ist. Die Leinen, die in Barkhausen entstehen, können durch wenige Handgriffe mit einem zurechtgeschnitzten Riegel aus Rehbockhorn in der Länge verstellt werden.
Bleibt die Frage: Wie wird man überhaupt Leinenmacher? Ernst Kaase, der jahrelang in der Versicherungsbranche gearbeitet hat, muss erneut lachen: „Ich fand das einfach richtig spannend und wollte etwas Neues machen.“ Der Erfolg gibt ihm recht. Handgemachte Leinen aus dem Wittlager Land erobern langsam, aber sicher die Hundewelt.
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