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Zwei Umzugskartons und eine Erfolgsgeschichte: Bramscher Volkshochschule eine der größten im Landkreis
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Autor: Johannes Kapitza 14. Januar 2012 09:34 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

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Zwei Umzugskartons und eine Erfolgsgeschichte: Bramscher Volkshochschule eine der größten im Landkreis

Bramsche. Ein voller Parkplatz kann Autofahrer verzweifeln lassen – und beim Leiter der Bramscher Volkshochschule (VHS) Hochgefühle auslösen. Wenn beim Blick aus dem Fenster die ersten Wagen schon auf der Straße parken müssen, empfindet Franz Langelage „ein Stück weit Befriedigung, weil wir offensichtlich ein gutes Programm zusammengestellt haben“.

 
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Ein Leben für die Erwachsenenbildung lebt Franz Langelage, der Leiter der VHS-Außenstelle Bramsche. Fotos: Johannes Kapitza An der Georgstraße war die Volkshochschule jahrelang beheimatet. Archivfoto: Julia Kuhlmann Seit Februar 2010 schlägt das Herz der VHS im ehemaligen Hauptschulgebäude an der Jägerstraße.

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Die Idee der Volkshochschulen entsteht zu einer Zeit, in der Autos noch keine Massenware sind. Wann genau, lässt sich schwerlich beziffern. Die Gründung der ersten VHS in Deutschland wird in mehreren Quellen auf den 13. Januar 1902 in Berlin datiert.

Keine 110 Jahre alt ist die Bramscher VHS: In den 1970er-Jahren wird sie gegründet. Heute ist sie eine von 938 Einrichtungen, die beim Deutschen Volkshochschul-Verband DVV registriert sind. Langelage lehnt sich in seinem Stuhl zurück und schaut auf den Schulhof an der Jägerstraße. Auch wenn dort vor dem Semesterbeginn am 30. Januar nur vereinzelt Wagen parken, ist Langelage zufrieden, wenn er sieht, „wie sehr die Einrichtung gewachsen ist und wie gut sie funktioniert“. Der 61-Jährige ist mit der VHS eng verbunden – schon länger als sein halbes Leben.

Eines Tages sei der Vorsitzende des Volksbildungsvereins „mit zwei Umzugskartons ins Rathaus gekommen“, erinnert sich Langelage. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Vereinigung gegründet. Zum Angebot gehörten „Diavorträge über ,Bella Italia‘ und ein paar Gesundheitskurse“, sagt der langjährige VHS-Mitarbeiter – das habe dem Zeitgeist entsprochen.

1972 steht die Existenz des Vereins auf der Kippe und von einem Tag auf den anderen die beiden Umzugskartons im Rathaus. Ein einfacher Satz läutet eine Erfolgsgeschichte der Erwachsenenbildung in der Hasestadt ein: „Gründen Sie bitte eine Volkshochschule“, habe der Auftrag des Stadtdirektors Edwin Sors an ihn gelautet, blickt Langelage zurück, der gerade wieder von einem Lehrgang für den gehobenen Dienst in Hannover ins Bramscher Rathaus zurückgekehrt ist. Durch den Kontakt zu bereits bestehenden Volkshochschulen seien organisatorische und rechtliche Herausforderungen wie Satzungsentwürfe zu bewältigen gewesen.

Die Bramscher Gründungsbemühungen sprechen sich herum: In den Gemeinden Fürstenau, Bersenbrück und Quakenbrück richtet die Bramscher VHS Außenstellen ein. Die wechseln in den Jahren darauf unter das Dach der neu geschaffenen Volkshochschule Osnabrücker Land in der Trägerschaft des Landkreises – die Außenstelle Bramsche bleibt hingegen ein kleines gallisches Dorf.

Es geht ums Geld: Als eine der größten Einrichtungen will die Bramscher VHS ihre Eigenständigkeit behalten. 2004 ist es damit vorbei: Weil sich das Land Niedersachsen immer mehr aus der Förderung zurückgezogen hat, sei der Stadt das finanzielle Risiko zu groß gewesen, berichtet Langelage. Bramsche schließt sich zum 1. August 2004 dem Osnabrücker Dachverbund an. Langelage übernimmt die Leitung der örtlichen Außenstelle.

Beendet ist die enge Beziehung zur Stadt dadurch noch lange nicht: Noch in diesen Tagen schießt die Kommune Geld hinzu. Ein Defizit von 135000 Euro musste die Stadt im vergangenen Jahr ausgleichen. Langelage: „Ich sage gerne, dass die Stadt die VHS immer gut bedient hat und die Notwendigkeit der Erwachsenenbildung erkannt hat.“

Neben Georgsmarienhütte und Melle sei Bramsche „mit die größte“ Außenstelle im Landkreis. Mehr als 1500 Teilnehmer pro Semester seien ein „sehr beachtlicher Stand – so viele Schüler hat keine andere Bramscher Schule“, sagt Langelage. Die Zahlen seien ein Beleg für die große Akzeptanz und die geringen Hürden, sich in der VHS fortzubilden.

273 Kurse mit insgesamt 6087 Unterrichtsstunden wurden im vergangenen Jahr durchgeführt. Ein Niveau, das die VHS seit Jahren hält. Einigen Teilnehmern sind die Kurse noch zu kurz. Wenn sich genügend Interessenten finden, können noch einige Stunden angehängt werden, damit die Pause bis zum Beginn des Herbstsemesters nicht zu lang wird – das klappe meistens „völlig unkompliziert“, sagt Langelage.

Nicht ganz so reibungslos verlaufen die Anmeldungen. Erst seit wenigen Tagen ist das Programm für das erste Halbjahr 2012 im Umlauf, aber beim Außenstellenleiter melden sich schon die ersten unzufriedenen Kunden: Sie haben keinen Platz mehr bekommen, zu groß ist der Ansturm auf einige Angebote. „Etliche Kurse sind schon ausgebucht“, sagt Langelage. In mehreren der 17 Yoga-Angebote gebe es keinen freien Platz mehr.

Yoga – das hatte die VHS schon in den 1980er-Jahren im Programm, wie sich beim Blättern durch die alten Programme zeigt. „Autogenes Training, Tanzen für Senioren, Wassergymnastik, Rhetorik – damals waren wir schon genauso aktuell wie heute“, verweist er auf die Dauerbrenner.

Heute steige das Interesse an Kursen vor allem, wenn es um die Gesundheit geht. Von den insgesamt rund 200 Lehrgängen, die ab Ende Januar angeboten werden, seien „mehr als 70 aus dem Gesundheitsbereich. Und diese Kurse kommen nahezu alle zustande.“

Sprachen haben sich auf der Beliebtheitsskala ebenfalls oben gehalten. 14 Englischkurse vom Anfängerniveau ohne Vorkenntnisse bis hin zum Cambridge-Zertifikat seien im Wintersemester 2011 durchgeführt worden. Bildung ist gefragt: Der „Realschulabschluss für Erwachsene“ und Integrationskurse für Migranten, die Deutsch lernen müssen, seien „inzwischen zum Herzstück“ des VHS-Betriebs geworden.

Zu den „Schülern“ sei aufgrund der täglichen Unterrichtseinheiten eine besonders enge Verbundenheit entstanden, berichtet der VHS-Leiter. „Hier sehe ich jeden Tag Menschen, die eine Perspektive bekommen. Wir reden nicht nur von Integration – wir leben sie.“

Was Langelage nicht verschweigt: Es gibt auch Kurse, die nicht so gut angenommen werden. Angebote, die sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen befassen. Von den 30 Kursen im vergangenen Semester fanden nur zehn statt.

„Es ist enttäuschend, dass das so schlecht angenommen wird“, sagt Langelage und ahnt die Beweggründe: „Wenn ich nach einem Arbeitstag in die VHS gehe und dort bis 22 Uhr sitze, will ich persönlich etwas für mich mitnehmen. Ich will sagen: Davon habe ich etwas gehabt.“ Und da seien Sprach- und Gesundheitsthemen eben nachhaltiger als die Geschichte der Weimarer Republik. In jener Zeit habe es übrigens schon Arbeiterbildungsvereine in Bramsche gegeben, sagt Langelage, nur ist kaum etwas über diese Ursprünge dokumentiert.

Trotz geringer Resonanz gilt bei der VHS: Auch Kurse über Politik und Gesellschaft „bieten wir immer wieder an“. Denn auch mit jahrzehntelanger Erfahrung kann ein Fachmann wie Langelage „nicht hundertprozentig sagen, was läuft, und was nicht“. Das musste er mit Ernüchterung feststellen, als sich für einen Kurs über Trauer und Tod – „der Stolz meiner Semestervorbereitung“ – nur zwei Teilnehmer anmeldeten. Und das erlebt er immer aufs Neue, wenn sich für einen Kurs über spanische Tapas mehr als 30 Interessenten für zwölf Plätze melden.

Spanisch und Kochen – eine Kombination, die auch dem Leiter der Bramscher VHS schmeckt. Jeden der rund 130 Dozenten („unser Kapital“) kenne er persönlich, sagt er. Eben nicht nur wegen organisatorischer Gespräche und repräsentativer Verpflichtungen, sondern weil sich der 61-Jährige auch gerne nach Feierabend selbst in Kurse setzt.

Asiatisch, Arabisch, Italienisch – vielfältig habe er sich bei Kochkursen fortbilden können. „Wenn ich ein Rezept lese, weiß ich, ob es schmeckt oder ob ich es gar nicht erst nachkochen brauche“, sagt Langelage. Auch bei EDV-Schulungen und Sprachkursen wird aus dem VHS-Leiter von Zeit zu Zeit ein Mitschüler.

Vor allem die spanische Sprache hat es ihm angetan – so sehr, dass beim letzten Urlaub in Andalusien die Ausflüge abgesagt wurden, um in einer Sprachschule die Fertigkeiten aufzupolieren. Franz Langelage und die Erwachsenenbildung: Da haben sich einfach zwei gefunden.

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