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Tippspiel
„Wollen Sie Wii spielen?“
cru Wellingholzhausen. Die Frage klingt exotisch, zumindest wenn sie in einem Seniorenheim gestellt wird: „Wollen Sie Wii spielen?“ fragt die Gesmolder Schülerin Melek Güler eine alte Dame im St.-Konrad-Pflegeheim in Wellingholzhausen.
„Kann ich das denn?“ antwortet Anna-Thekla Kavermann. Und dann steht sie tatsächlich vor dem großen Fernsehbildschirm an der Wand, untergeärmelt von dem jungen Mädel, und wirft ihren Arm mit dem fernbedienungsähnlichen Controller in die Luft. Eingebaute Bewegungssensoren in dem modernen Spielgerät sorgen dafür, dass sich die virtuelle Bowlingkugel wie im richtigen Spiel in Bewegung setzt.
„Wir sammeln hier im St.-Konrad-Heim unsere Praxistage“, erklärt Miles Beckmann. Die vier jungen Leute, die sich am Mittwochnachmittag nach Wellingholzhausen haben bringen lassen, gehen in die 7. Klasse der Hauptschule Gesmold und brauchen die Praxistage für ihren späteren Schulabschluss. 80 Tage müssen die Schüler zusammenbringen. Und sie konnten auswählen, wo sie ihre sechs Stunden pro Praxistag ableisten wollen. Jan Wiesehahn, Marcel Hübner, Miles Beckmann und Melek Güler haben sich für die Arbeit mit den alten Menschen entschieden.
Und warum basteln sie nicht in der Fahrradwerkstatt? Auch da kann man schließlich fürs Leben lernen. Melek erklärt: „Der Sozialarbeiter der Schule Uli Ludwig und unsere Klassenlehrerin Ruth Dresing haben uns das St.-Konrad-Heim vorgestellt, und Heimleiter Johannes Wolters kam dann in die Schule und berichtete über das Heim.“ Den Schülern hat das gefallen, und nun kommen die jungen Leute 14-tägig für jeweils zwei Stunden und beschäftigen sich mit den Senioren.
„Wir basteln mit ihnen oder malen, wir spielen Brettspiele, auch Schach“, erzählt Marcel Hübner ,und Jan Wiesehahn fügt hinzu: „Wenn das Wetter gut ist, gehen wir mit den Heimbewohnern spazieren oder machen mit ihnen Bewegungsspiele.“
Die vier Schüler haben ganz offensichtlich Spaß am Umgang mit den alten Menschen. Und die Senioren freuen sich ebenso, dass da sozusagen junger Schwung in ihren Alltag kommt.
Während Maria Guss mit Jan an einem überdimensionalen „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Spiel sitzt und sich tatsächlich lächelnd ein bisschen ärgert, weil ihre grüne Spielfigur vom Feld geschmissen wurde, haben sich Jan und Marcel mit der großen Klappmaulpuppe Felix zu Gerhard-Wilhelm Bonn gesetzt und nehmen spielerisch mit ihm Kontakt auf. Und langsam taut der alte Herr auf und lächelt, als Felix sein Maul weit aufreißt. Langsam wird auch die Spielegruppe um den Fernseher größer, das virtuelle Bowlen fasziniert die Senioren.
Marcel bringt es schließlich auf den Punkt: „Es macht wirklich Spaß, mit den alten Leuten zu spielen, und sie freuen sich so darüber.“
Und es entsteht noch etwas: „Die Kleine da ist doch meine Freundin“, sagt Anna-Thekla Kavermann in Richtung Melek Güler. Und dass das auf Gegenseitigkeit beruht, bezeugt der Gerberatopf, den die Schülerin der Seniorin mitgebracht hat.
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