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Miss Osnabrück träumt vom Bundestitel
Osnabrück. Katja Kliewer ist 20 Jahre alt und aus Dissen. Seit Neuestem trägt die Dissenerin gelegentlich ein Krönchen zur Schärpe: Sie ist Miss Norddeutschland und vertritt die Region am 11. Februar bei der Wahl zu Miss Germany.
Nur einmal blitzt es dunkel auf in den Augen, die gelernt haben zu strahlen, sobald die Kamera klickt. „Ich bin kein Model“, sagt Katja Kliewer, und ihre Stimme klingt, als hätte jemand bei der Stimmbänderwäsche den Weichspüler vergessen. Für ein Model sei sie mit 1,68 Metern zu klein. Definitiv. Und überhaupt: Miss und Model – das sei ein großer Unterschied, sagt sie, und ihr Zeigefinger schießt nach oben und teilt ihr Gesicht in zwei nahezu identische Hälften. Models repräsentierten ein Produkt. Persönlichkeit sei nicht entscheidend. Bei den Misses sei die Ausstrahlung wichtig, dieses Strahlen in den Augen, erklärt Kliewer. Es müssten diese Menschen sein, die in einen Raum kommen und ihn ein Stück heller machten. Der Wow-Effekt
Wenn das so ist, besitzt Kliewer eine ganze Menge davon. Als sie 16 Jahre alt war, wurde sie Miss Lingen. 2009 zum ersten Mal Miss Osnabrück. 2011 Miss Beach Life, wieder Miss Osnabrück und nun auch Miss Norddeutschland. Am 11. Februar stellt sie sich zur Wahl der Miss Germany.
Vor sechs Jahren war sie noch Miss-ich-träum-von-der-großen-Model-Karriere. Kliewer lacht, als sie davon erzählt, wie sie damals per Internet nach einer Model-Agentur suchte, die sie groß rausbringen würde. Der Traum einer 14-Jährigen. Sie fand, was sie suchte. Wunderschöne Frauen auf wunderschönen Fotos, dazu wunderschöne Texte. Das alles auf der Internetseite einer Agentur. Nur 60 Euro und sie wäre dabei. Ihre Mutter gab ihr das Geld, das Mädchen machte ein paar Fotos. Daheim, mit der Familienkamera. Sie schickte Bilder, Daten und Geld an die Agentur. Ein Angebot bekam sie nie. „Da bin ich auf die Klappe gefallen“, sagt Kliewer, „und Mama sagte: Ich habe dir das Geld gegeben, damit du es lernst und dich auf die Schule konzentrierst.“
Derzeit arbeitet die Dissenerin an ihrem Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium Halle. Medienwissenschaften habe sie studieren wollen, sagt sie. Aber jetzt, wo es so gut läuft mit dem Miss-Sein, da wolle sie doch erst einmal schauen, sagt sie. Fernsehen, Misswahlen, vielleicht ein bisschen modeln hier und da. Studieren könne sie ja danach immer noch.
Fernsehen also. Etwas von der Welt sehen, interessante Menschen kennenlernen und Veranstaltungen erleben, zu denen sie sonst nie gekommen wäre – das ist ihr Antrieb. Ein wenig davon hat sie schon erlebt, als sie für Pro Sieben zur Wasserrutschen-WM fuhr, oder für Sat.1 das Opfer eines Spanners im Freibad spielte. Oder als sie für RTL am Rande des Formel-1-Rennens in Monaco vorgab, sich einen Millionär angeln zu wollen.
Aber in Wahrheit ist das nicht ihre Sache. Sie will nicht nur schmückendes Beiwerk sein, nicht nur „die Freundin von“. Wie das ist, hat sie erlebt. Sie war eine Zeit lang mit einem Fußballprofi zusammen: „Da war ich immer die kleine hübsche Blonde im Hintergrund, die Doofe.“
Irgendwann war dieser Abschnitt vorbei, und mit dem Fußballer ging das Blond. „Ich brauchte einen Neuanfang“, sagt Kliewer und schaut auf eine braune Strähne, die sie durch die Finger gleiten lässt. „Blond steht immer im Mittelpunkt. Das wollte ich nicht mehr.“ Dann fängt sie an zu kichern, weil ihr aufgeht, dass Letzteres nicht so richtig gut geklappt hat. Immerhin hat das Braun dazu beigetragen, sie ihrem Ziel näher zu bringen: der Wahl zur Miss Germany. „So eine Chance kriegst du nur einmal im Leben“, sagt Kliewer, und in ihren Augen funkelt ein Traum.
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