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Hinter den Zirkuskulissen in Bramsche: Der schönste und schrecklichste Beruf zugleich
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Hinter den Zirkuskulissen in Bramsche: Der schönste und schrecklichste Beruf zugleich
Hinter den Zirkuskulissen in Bramsche: Der schönste und schrecklichste Beruf zugleich
juk/jka Bramsche. Beim Zirkus hinter die Kulissen schauen? Für Alexandra Colani kein Problem, „aber dann müsst Ihr auch in der Vorstellung auftreten“, lautet die deutliche Ansage der Zirkus-Chefin an die beiden Redakteure der Bramscher Nachrichten. Also rein in die Kostüme…
Ohne Proben ganz nach oben – im Zirkus geht das nicht, erst recht nicht für Anfänger. Zweimal vormittags wird trainiert, dann soll es in die Manege gehen. „Das schaffst Du schon. Mach Dir keine Sorgen“, lautet die Motivation von Joy Colani. Der 13-Jährige ist seit Kindesbeinen in der Manege zuhause. Mit einem Jahr stand er vor Publikum auf den Händen seines Vaters Kevin – es war die erste Zirkusnummer seines Lebens. Vier bis fünf Auftritte macht der 13-Jährige inzwischen pro Vorstellung.
Er bringt das Publikum als Clown zum Lachen, jongliert und balanciert bei der „Rola-Rola“-Nummer: Wahlweise auf einer Rolle oder einem Basketball hält er das Gleichgewicht auf einem wackeligen Brett und steigt durch Ringe – in bis zu zwei Metern Höhe. Das ist „richtig gefährlich“, sagt Joy Colani. Aber unter seinen Nummern auch „das Beste, was ich habe“.
Außerhalb der Manege ist Anpacken für den 13-Jährigen selbstverständlich. „Man muss immer was machen. Das ist klar“, sagt er. Zirkus – das ist ein Familienbetrieb. „Wo wir sind, sind unsere Arbeit und unsere Familie“, sagt Fred Schewtschenko. Das genau sei es, was die Faszination des Zirkuslebens ausmache, erklärt er. Im Zirkus zu arbeiten sei „der schönste und zugleich schrecklichste Beruf“, den man haben könne. Der schönste wegen des so wichtigen Familienzusammenhalts, der schrecklichste wegen des ständigen Balanceaktes um das finanzielle Überleben. Einen Lkw zur Reparatur in die Werkstatt bringen? Undenkbar. Das würde das Budget sprengen. „Wir müssen wirklich alles selber können“, sagt Kevin Colani. Auch die restriktive Einstellung, die viele Städte und Gemeinden gegenüber Zirkussen an den Tag legten, machten das Leben schwer, berichtet er. Mit der Suche nach einem Platz vergingen so schon mal drei bis vier Tage. Zu 99 Prozent seien es private Eigentümer, die dem Zirkus einen Platz überließen. In Bramsche sei das ausdrücklich anders, haben die Colanis bei ihren Gastspielen erlebt.
Am Donnerstag sitzt die ganze Zirkusfamilie im Wohnwagen zusammen. Die Vorstellung muss wegen des Sturmtiefs „Andrea“ ausfallen. Freude über den „freien Tag“ mag bei den Artisten aber nicht aufkommen. Schließlich müssen sie die Einnahmen dieses Tages in den Wind schreiben. Und das, kurz bevor es ins Winterlager geht. Früher sei die Pause im Winter länger gewesen, erzählt Fred Schewtschenko. Das kann sich der Zirkus heute nicht mehr leisten. Schon Ende Februar, Anfang März geht es wieder weiter. Immer weiter. Jahr für Jahr. Zirkus ist eine lebensfüllende Berufung. Und trotz aller Widrigkeiten eine erfüllende: „Wenn das Zelt voll ist und die Leute uns nach der Vorstellung loben“, seien das die schönsten Momente im Leben eines Zirkusartisten, sagen Fred Schewtschenko und Kevin Colani wie mit einer Stimme.
Dreimal tritt der Bramscher Weihnachtszirkus noch vor dem Winterlager auf: Am Samstag (7. Januar) um 15 und 19.30 Uhr sowie am Sonntag (8. Januar) um 15 Uhr.
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