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Feuerwehr und EZ-Mitarbeiter retten 161 Jahre Zeitungsgeschichte
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Straße Am Stadtpark gesperrt

Feuerwehr und EZ-Mitarbeiter retten 161 Jahre Zeitungsgeschichte

Papenburg. Die Arbeitstage rund um den Jahreswechsel gehören in der Redaktionsstube der Ems-Zeitung normalerweise zu den ruhigeren im Jahresverlauf. Das ist auch gestern so. Zumindest bis kurz vor 17 Uhr. Die Kollegen biegen auf die Zielgerade der Tagesproduktion für die Mittwochausgabe ein. Dann passiert es: Binnen Sekunden raut der Wind das Wasser des Stadtparksees auf. Unmittelbar darauf erhebt sich kurz, aber heftig ein lautes Getöse. Eine Windhose reißt ein tonnenschweres Teil des Daches des Verlagsgebäudes der Ems-Zeitung ab. Einfach so. Wie ein Stück Papier wirbelt die Konstruktion aus Aluminium und Holz über den Eingang zum Stadtpark bis auf die andere Straßenseite. Eine junge Baumkrone knickt ab. In unzähligen knallgelben Fetzen weht Dämmmaterial hinterdrein. In Nullkommanichts entsteht ein Bild der Verwüstung.

 
 
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Komplett abgedeckt wurde von der Windhose das Dach des Verlagsgebäudes der Ems-Zeitung über den Räumen, die das Archiv beherbergten. Fotos: Hinrichs/Tangen/Schade Zwischengelagert wurden die Bände auf den Fluren. Blick durch die Streben des Dachstuhls in die Nacht. Kette von Hand zu Hand. Stapelweise Zeitungsbände. Gegen 17 Uhr fegte der Sturm besonders heftig durch Papenburg. Mit voller Wucht traf er das Gebäude der Ems-Zeitung und deckte einen Teil des Daches ab. Das Dach krachte auf die Straße direkt vor der Redaktion. Es wurde niemand verletzt. Neben den Gebäudeteilen stürzte auch ein Baum auf die Straße "Am Stadtpark". Die herumfliegende Glaswolle aus dem Dach des Gebäudes flog quer über die Straße und stoppte den Verkehr. Eine Spezialfirma rückte an, um die Glaswolle von der Straße zu räumen. Mitarbeiter und Einsatzkräfte versuchten, das Archiv zu retten, das direkt unter dem Dach lag. Um die Dokumente zu retten, bildeten sie eine Menschenkette. Leider wurden dennoch etwa 150 bis 250 Bände beschädigt. Feuerwehr und Mitarbeiter arbeiteten Hand in Hand. Die Mitarbeiter hörten ein Knacken und sahen dann das Dach herabstürzen. "Das war eine Sache von Minuten", berichtet Michael Fuchs, Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Von dem Dach steht nur noch die Stahlkonstruktion. Das Aluminiumdach wurde an der rechten Seite komplett heruntergeweht. Der Schaden geht in die Hunderttausende. Glaswolle und Teile der Dachkonstruktion aus Holz und Aluminium liegen auf der Straße. Die Räumungsarbeiten liefen am Dienstagabend auf Hochtouren. Fast 50 Feuerwehrleute helfen mit, sperrige Trümmerteile von der Straße zu bergen.

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Einfach so. Wie ein Stück Papier wirbelt die Konstruktion aus Aluminium und Holz über den Eingang zum Stadtpark bis auf die andere Straßenseite. Eine junge Baumkrone knickt ab. In unzähligen knallgelben Fetzen weht Dämmmaterial hinterdrein. In Nullkommanichts entsteht ein Bild der Verwüstung.

Der größte Teil der völlig verzogenen Dachkonstruktion verhakt sich im Wartehäuschen der Bushaltestelle vor Meyers Mühle. Doch der Ausläufer des Sturmtiefs „Ulli“ greift noch einmal an. Ächzend windet sich das Dach in einer letzten halben Drehung. Dann bleibt es liegen. Kurze Stille nach dem Sturm. Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt. Glücklicherweise geht bei diesem Wetter niemand spazieren. Und doch hätte es leicht Tote oder Verletzte geben können. Die umherfliegende Glaswolle, Holz- und andere Trümmerteile bringen den Verkehr auf der Straße „Am Stadtpark“ sofort zum Erliegen. Ein Mercedes, der vor dem Verlagsgebäude hält und in dem ein älteres Paar aus Neulehe sitzt, wird beschädigt. Aber auch die beiden Insassen kommen mit dem Schrecken davon.

„Es sieht aus wie ein Schlachtfeld“, beschreibt Redaktionsleiter Holger Hartwig die Situation. Fassungslos blicken seine Kollegen aus dem Fenster. Im ersten Moment vermuten sie, dass die Windhose das Dach des benachbarten News-Cafés weggefegt hat. Eine Fehleinschätzung. Wenige Augenblicke später ist klar, dass es das Verlagshaus selbst getroffen hat. Und wie. Über dem Zeitungsarchiv im Dachgeschoss klafft ein riesiges Loch unter freiem Himmel. 161 Jahre Zeitungsgeschichte in dicken Bänden sind urplötzlich ungeschützt Sturm und Regen ausgesetzt. Aus dem Boden ragen nur noch die Stahlträger, die das Dach gehalten haben.

Mitarbeiter wollen sich umgehend daran machen, die einzigartigen Archivbestände zu retten. Doch zunächst ist unklar, ob der Raum aus statischen Gründen überhaupt betreten werden darf. Ein Elektrokabel baumelt aus den Überresten der Decke über dem Türrahmen. Eine Lampe schaukelt im Wind. Auf dem Fußboden bildet sich ein Film aus Regenwasser. Eine gespenstische Situation.

Nach Feuerwehr und Polizei treffen auch ein Statiker, ein Architekt und ein Bautechniker ein. Erst als die Fachleute den Archivraum zur Bergung der Bestände freigeben, darf die Rettungswelle für das papierne Langzeitgedächtnis der Ems-Zeitung anrollen. Feuerwehrleute und Mitarbeiter bilden eine Menschenkette und schleppen die Zeitungsbände Jahrgang für Jahrgang aus dem Archiv. Einige Feuerwehrmänner stapeln Bände auf Bürostühlen und rollen sie in diejenigen Räume unterm Dach, die von der Windhose verschont geblieben sind. Jede freie Stelle wird genutzt. Binnen Minuten reihen die Helfer die schweren Bände im Treppenhaus, Fluren und Büros auf.

Derweil machen sich Dachdecker, Bauunternehmer und Statiker daran, das Gebäude für die Nacht abzusichern. Die Meteorologen haben weitere Unwetter vorhergesagt. Die Fachleute kümmern sich um eine Notabstützung. Drei bis vier Meter lange Schrägstützen werden herangeschafft und gedübelt. Dann wird das klaffende Loch im Dach abgeklebt. „Wir müssen verhindern, dass noch mehr Wasser in die Hohlschichten und unter den Estrich läuft“, erklärt Bauingenieur Guido Lüppens. Den Schaden beziffert er auf mehrere Hunderttausend Euro. Lüppens glaubt, dass die Wetterkapriolen mit starken Stürmen in milden Wintern in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden. „Die Wetterverhältnisse verändern sich.“

Vor dem Gebäude ist ein Spezialkran angerückt, um schwere Bauteile von der Straße zu heben. Kettensägen kreischen. Feuerwehrleute zersägen Holz- und Aluminiumteile, um die Fahrbahn freizubekommen. Die Trümmerteile wandern in einen großen blauen Stahlcontainer. Eine Reinigungsfirma räumt die Glaswolle auf. Ihre Mitarbeiter haben viel zu tun. Die Fetzen liegen weit verstreut, hängen sogar in den Kronen einiger Stadtparkbäume.

Solange nicht sicher ist, ob weitere Dachteile herumfliegen könnten, bleibt die Umgebung abgesperrt. Das gilt auch für die Straße „Am Stadtpark“. Die Feuerwehr ist mit knapp 50 Einsatzkräften und acht Fahrzeugen angerückt. Blaulichter zucken in der Dunkelheit. Vorrangiges Ziel der Einsatzkräfte ist es, die Straße von herumliegenden Trümmerteilen zu befreien. Die wesentlichen Arbeiten dauerten bis etwa 22.30 Uhr. „Jetzt haben wir das Gröbste weg. Jeden einzelnen Fussel aus der heruntergerissenen Dachdämmung können wir aber natürlich noch nicht auflesen“, sagt Stadtbrandmeister Josef Pieper am späten Abend. Die Straße werde noch „mindestens bis Mittwochvormittag“ gesperrt bleiben, da es in der Nacht stürmisch bleiben sollte und deshalb weitere Schäden am Verlagsgebäude nicht ausgeschlossen werden könnten.

Fest steht, dass die Ems-Zeitung für Besucher am Mittwoch geschlossen bleibt. Dasselbe gilt für den Friseursalon im Erdgeschoss des Verlagsgebäudes, die Räume zweier Finanzdienstleister sowie die Filiale einer Krankenkasse. Das News-Café soll hingegen geöffnet werden. Zugänglich ist es von der rückwärtigen Seite des Stadtparks.

Im Dachgeschoss des Verlagshauses arbeiten die Baufachleute bis tief in die Nacht weiter. Das nach oben hin offene Gebäude bietet dem Sturm zusätzliche Angriffsfläche. Ob er noch einmal zuschlägt, weiß niemand. Nur eines steht fest: Hunderprozentige Sicherheit gibt es nicht.


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