Noz
Kontakt

·

Digitalabo

·

Shop

·

Tippspiel

Startseite

|

Lokales

|

Achmer

|

Bramscher Naturschützer bitten Hundebesitzer um Rücksicht in sensiblen Bereichen
Lokales

Schrift
 Drucken  Versenden Empfehlen auf:      

1848
Autor: Julia Kuhlmann 02. Januar 2012 16:24 Uhr  Mehr Artikel von dieser Autorin

Sorge um Wildtiere

Bramscher Naturschützer bitten Hundebesitzer um Rücksicht in sensiblen Bereichen

Achmer. „Verboten ist bei uns nichts, wir erwarten jedoch entsprechendes Verhalten“, heißt es im nordischen „Allmansretten“, übersetzt „Jedermannsrecht“. Heimische Naturschützer sähen diesen Grundsatz auch gerne bei uns verwirklicht: auf den Flächen der Stiftung Hof Hasemann, am Hasesee, am Alfsee und überall dort, wo es Menschen und ihre vierbeinigen Gefährten in die freie Natur zieht. Es gibt damit aber Probleme. Die ersten großen Erfolge, die sich einstellten, als die Stiftung Hof Hasemann die Flächen aus der konventionellen Landwirtschaft herausnahm, um sie ökologisch zuentwickeln, stagnieren.

 
1 bis 3 von 3
Die Vögel haben sich vom Dorfteich zurückgezogen, bedauern Rolf Hammerschmidt sowie Elisabeth und Wilhelm Hasemann. Jagdhund Spencer ist angeleint. Das Foto unten auf der Seite zeigt denselben Teich mit Wildvögeln.Foto: Julia Kuhlmann Nil- und Kanadagänse hatten sich erst am Dorfteich in unmittelbarer Nähe des Hofes Hasemann in Achmer angesiedelt. Heute sind sie nicht mehr da. Fotos: Rolf Hammerschmidt Bei Frost bleibt den Vögeln am Alfsee oft nur ein kleines Loch. Hunde sollten sich diesem Bereich nicht nähern.

– Anzeige – Ihre Anzeige hier



Meistgelesene Artikel








Der Bramscher Naturkenner Rolf Hammerschmidt lässt keinen Zweifel aufkommen: Er mag Hunde. Aber auch alle anderen Tiere. Warum er das eigens betont? Nicht bei jedem Hundebesitzer erkennt der Naturkundler dieselbe alle Arten umfassende Tierliebe. Die Appelle, Hunde in natursensiblen Bereichen an der Leine zu führen, verhallten oft ungehört.

Auf den Flächen der Stiftung Hof Hasemann, als ökologischer Ersatzflächenpool vielfach als Vorzeigeobjekt gelobt, kann Hammerschmidt die Auswirkungen des „hohen Siedlungsdrucks“, wie er es nennt, konkret belegen. Am sogenannten Dorfteich, einem hofnahen Gewässer, siedelten sich nach der Aufwertung der Flächen zum Naturschutzbereich Schwäne, Enten, Nil- und Kanadagänse an. Viele Stunden „Naturkunde zum Anfassen“ habe er mit Schulkindern an dem am Privatweg gelegenen Teich verbracht.

Hundebesitzer hätten damals, erinnert sich Hammerschmidt, das Geschehen im neuen Naturraum respektiert und ihre Vierbeiner zurückgehalten. Dann habe sich im Lauf der Jahre der Umgang gelockert, und immer öfter habe man Hunde an dem Gewässer gesehen. Die Reaktion der Vögel habe nicht lange auf sich warten lassen. Sie verschwanden nach und nach. Das bedauern ganz besonders auch Elisabeth, Wilhelm und Hermann Hasemann von der Stiftung Hof Hasemann.

Sie wollen keinesfalls über alle Hundebesitzer den Bann brechen, denn die Mehrheit sei ja vernünftig. Mit einigen hätten sie aber durchaus die Erfahrung gemacht, dass auch das Gespräch und gute Argumente nichts nützen. „Dann ziehen sie doch Zäune“, habe er von der Unteren Naturschutzbehörde schon zu hören bekommen, berichtet Wilhelm Hasemann, übrigens selbst Hundebesitzer. „Die Natur vergattern und eine Drahtlandschaft schaffen“ – das wollen die Naturschützer aber eben gerade nicht. Stattdessen setzen sie weiter auf Überzeugungsarbeit und klären darüber auf, dass frei laufende Hunde von Wildtieren als Beutegreifer wahrgenommen werden. Flucht ist die genetisch festgelegte Reaktion der Tiere. Besonders im Winter haben Wildtiere jedoch ihre Körpertemperatur und Herzfrequenz gesenkt und verbrauchen bei der Flucht zu viel Energie, erklärt Hammerschmidt. Zur rechtlichen Lage: Unter Naturschutz steht die Kernzelle der Stiftungsflächen, das sogenannte Grasmoor. Dort besteht laut amtlicher Beschilderung Leinenzwang für Hunde – generell. Für die übrigen Flächen gilt erst einmal die allgemeine Brut- und Setzzeit vom 1. April bis 15. Juli als Schutzregel, darüber hinaus befinden sich auf der gesamten Stiftungsfläche Hinweistafeln, auf denen die Bitte geäußert wird, die Hunde an der Leine zu halten. „Nicht um die Hundebesitzer zu ärgern“, wie Hammerschmidt sagt, sondern um die anderen Tiere zu schützen.

Ein Phänomen haben die Naturfreunde aus Achmer ausgemacht: Fremde Wanderer folgen in der Regel dieser Bitte, ihre Hunde anzuleinen. Das Problem seien mehr die „Hunde vor der Haustür“. Dass er seinen eigenen Hund durch die Wiesen streifen lasse, habe man ihm schon vorgeworfen, berichtet Wilhelm Hasemann und erklärt, dass das nur vor einer anstehenden Mahd erfolge, um mithilfe des Hundes das Wild aus der Grasdeckung zu treiben, um Verluste durch das Mähwerk zu vermeiden.

Einen weiteren Brennpunkt sieht Hammerschmidt am Regenrückhaltebecken Alfsee. In einem Flyer habe die Biologische Station Haseniederung bereits aus gutem Grund die Besucher aufgefordert, nicht zu nah am Wasser zu spazieren und ihre Hunde an der Leine zu führen. Die im Winter dort vorkommenden Vögel seien weniger an Menschen gewöhnt, da sie im hohen Norden in dünn besiedelten Gebieten brüten.

Durch Störungen werden sie aufgeschreckt. Der Energieverlust könne bis zum Tod der Vögel auf dem anstrengenden Rückflug führen, erklärt Hammerschmidt.Hunde, die ihren Besitzern gut gehorchen und bei ihnen bleiben, seien kein Problem, wenn Besitzer und Hund jedoch dem Wasser zu nahe kämen oder sich die Hunde gar auf dem Eis dem Wasserloch mit den Vögeln näherten, gerieten die Tiere in Panik.

Wie sich das Zusammenleben von Mensch und Tier am neuen Hasesee entwickele, bleibe noch abzuwarten, sagt Hammerschmidt. Das Flächenangebot sei noch zu frisch, sodass es die Wasservögel noch nicht gefestigt angenommen hätten. Die Maxime aus dem hohen Norden „verboten ist nichts, wir erwarten aber entsprechendes Verhalten“ hält der Skandinavien-Fan aber auch hier für einen guten Ansatz.

Lesen Sie auch ...

50 Jahre Naturschutz in Achmer

hols Achmer. Es hatte durchaus gewisse Ähnlichkeiten mit einem Klassentreffen, als sich am Samstagnachmittag rund 30 Mitglieder des Naturschutzvereins... mehr

Es bleibt spannend am Hasesee in Bramsche

Bramsche. Es herrscht reger Betrieb auf dem Poggenpatt am Hasesee. Was die wenigsten der vorbeiradelnden oder -spazierenden Passanten wissen: Die... mehr

Neuer Rundwanderweg in Bramsche-Achmer
Bramsche. „Nur was man kennt, kann man schätzen und schützen.“ Nach diesem Grundsatz wurde jetzt in Bramsche-Achmer ein neuer Rundwanderweg eröffnet. Auf... mehr


 Mehr Lokales

 
  Leserkommentare
Schreiben Sie einen Kommentar




Empfehlen auf:  Facebook  Twitter




 Zeitungstitel wählen  Schließen

Wählen Sie Ihren Zeitungstitel: