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Zeitenwende beim Unabhängigen Filmfest
Osnabrück. Nach elf Jahren als Leiter des Unabhängigen Filmfests Osnabrück verlassen Birgit Müller und Holger Tepe den Chef-Posten. Mit dem Wechsel endet eine Dekade des Umbruchs. Die scheidenden Chefs, Förderer und die Lokalpolitik blicken gelassen auf die letzten elf Jahre zurück und formulieren ihre Erwartungen an die Zukunft.
Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Müller und Tepe zum März kommenden Jahres das Festival verlassen. Der Trägerverein dankte dem Leitungsteam in einer ersten Stellungnahme dafür, das Festival aus „einer sehr schwierigen Phase“ heraus neu positioniert zu haben. Tatsächlich hat das Unabhängige Filmfest einen Umbruch hinter sich: 1986 war es als Forum der Gegenöffentlichkeit gegründet worden; studentische Kulturinitiativen arbeiteten hier gemeinsam mit Atomkraft-Gegnern und Friedensaktivisten, mit dem Aktionszentrum Dritte Welt und dem Nicaragua-Komitee.
„Viele Themen sind immer noch aktuell“, sagt Birgit Müller. „Die Länder und Konflikte, mit denen wir uns in unserem Programm beschäftigen, sind immer noch dieselben.“ Aber die Art der Debatte hat sich im digitalen Zeitalter gewandelt. Umweltschützer und Globalisierungsgegner präsentieren ihr Anliegen längst im Internet selbst – unabhängig von Festivals. Das wirkt sich auf das Programm aus: „Was heute fehlt“, sagt Müller, „sind die Demo-Filme aus der Bewegung.“
Das gesellschaftspolitische Anliegen in den Tonfall eines veränderten Zeitgeistes zu übersetzen war damit eine zentrale Aufgabe der nun scheidenden Leitung. „Das Konzept der 80er-Jahre passte nicht mehr“, sagt Tepe. Und ein Blick ins Archiv macht deutlich, wie viel sich im Selbstverständnis seit 1986 geändert hat. Das beginnt mit den Vorführungen, die damals noch unter dem gelehrten Titel der Filmsichtveranstaltung firmierten; es setzt sich fort in der launigen Polemik, mit der anfangs genauso gegen das verachtete Hollywood-Kino wie gegen die Fast-Food-Industrie gewettert wurde. Ein frühes Programmheft setzte auf provokative Illustrationen wie dem Cheeseburger mit einer Waffe als Belag. Eine Feindbild-Rhetorik, die uns heute fremd ist.
Nicht nur die Debatte, auch die Filmlandschaft selbst hat sich verändert. „Festivals übernehmen heute auch die Funktion von Programmkinos, die es so nicht mehr gibt“, sagt Holger Tepe mit Blick auf Themenschwerpunkte sowie auf kleine Produktionen, die auch aus Filmländern kommen dürfen, an denen der Mainstream träge vorbeifließt.
Sebastian Bracke (Grüne), Vorsitzender des Kulturausschusses im Osnabrücker Rat, hält das Festival dementsprechend für doppelt wertvoll. Nicht nur mit Blick auf das Friedensthema der Stadt, sondern auch als Ergänzung des kulturellen Angebots. Im Gespräch bedauert er den Abschied von Tepe und Müller: „Sie haben einen maßgeblichen Anteil daran, dass das Festival eine so wichtige Rolle spielt“, sagt Bracke. Ihre Arbeit sieht er aber als gute Voraussetzung für die Nachfolge-Lösung: „Die Bedeutung des Filmfestes erleichtert es bestimmt, jemanden zu finden, der es gern übernimmt.“
Auch aufseiten der Förderer wird der optimistische Blick in die Zukunft betont. „Ich habe die Qualität und Professionalität der beiden geschätzt“, bilanziert Harald Lesch, Vorstandsvorsitzender der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland. Gemeinsam mit der Volksbank Osnabrück trägt die VR-Stiftung den mit 5000 Euro dotierten Friedenspreis des Filmfests. Im Gespräch betont Lesch seine Offenheit für den Dialog mit einer neuen Festival-Leitung. „Personelle Wechsel gibt es immer wieder“, lautet sein unaufgeregtes Fazit.
Was muss ein Nachfolger leisten? Wird er das Festival vollkommen umkrempeln? Holger Tepe winkt ab: „Ein Festival dieser Größe lebt vom Engagement der vielen Helfer“, sagt er. „Ein neuer Leiter wird neue Akzente setzen, aber er muss immer auch die Strömungen im Verein in Festivalform gießen.“ Für die kommende Ausgabe sei die Kontinuität ohnehin gewährleistet. Das Programm wird schließlich schon jetzt in seinen Grundzügen vorbereitet. „Und außerdem“, betont er: „Als Vereinsmitglieder bleiben wir dem Festival ja schließlich erhalten – auch über den nächsten März hinaus.“
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