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Pastorin aus der Zentralafrikanischen Republik zu Gast in Engter
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Autor: Julia Kuhlmann 21. Dezember 2011 17:01 Uhr  Mehr Artikel von dieser Autorin

Die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau

Pastorin aus der Zentralafrikanischen Republik zu Gast in Engter

Engter. „Das Leben ist schön.“ Dass Antoinette Beanzoui diesen Satz lachend sagen kann, liegt daran, dass sie eine starke Frau ist – eine außergewöhnliche und außergewöhnlich starke Frau. Möglicherweise hat es auch ein bisschen damit zu tun, dass sie Afrikanerin ist. Große Probleme sind in diesem großen Kontinent immer ein ganzes Stück kleiner, als sie in unseren Augen erscheinen. Die Geschichte einer Pastorin aus der Zentralafrikanischen Republik, die zurzeit Gast bei der Familie von Pastor Hermann Heinrich in Engter ist.

 
Freundschaft über die Kontinente: Pastorin Antoinette Beanzoui und Pastor Hermann Heinrich. Die Kollegin aus der Zentralafrikanischen Republik war eine der ersten Frauen, die in ihrem Land Theologie studiert haben. Foto: Julia Kuhlmann  Vergrößern

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Als eine der beiden ersten Frauen in der Zentralafrikanischen Republik absolvierte Antoinette Beanzoui in den 90er-Jahren ein Theologiestudium – in dem streng patriarchalisch strukturierten Land kam das einer Revolution gleich, die auch familienintern erst überhaupt nicht gut ankam. In der Entscheidung, Pastorin zu werden, hatte Antoinette Beanzoui nur die Unterstützung ihrer Eltern, der Rest der Familie wandte sich ab. Eine Frau Pastorin? Undenkbar im zentralafrikanischen Staat, in dem heute noch dem männlichen Familienoberhaupt allein die Chef- und Ernährerrolle zukommt.

Der Wunsch, „für Gott zu arbeiten“, war aber so groß, dass Beanzoui trotz aller Ressentiments durchhielt. Auch ihr Mann, damals selbst in der Pastorenausbildung, unterstützte die Ambitionen seiner Frau. Heute sind beide Pastoren. Mitnichten sind damit aber in dem von Bürgerkrieg und großer Armut geprägten Land ihre Existenz und die ihrer vier Kinder gesichert. Wenn die Pastorin sonntags ihre drei bis vier Gemeinden bereist, sammeln die Menschen dort Geld für ihre Pastorin. 27000 CFA-Franc sollten monatlich zusammenkommen, umgerechnet sind das etwa 42 Euro. Diese Summe erreichen die Sammlungen allerdings nie, es gibt vielmehr auch Monate, wo es nur fünf Euro sind.

Weil das bekannt ist, bestellen die Pastoren zum Überleben auch immer ein Stück Land. In der Ausbildung der Diakone ist Landwirtschaft deshalb sogar enthalten, berichtet Pastor Hermann Heinrich, der Antoinette Beanzoui kennenlernte, als er 1996 mit seiner Frau in die Zentralafrikanische Republik ging, wo sie als Lehrerin für die Kinder der Missionare arbeitete. Seither verbindet die Familien eine enge Freundschaft, die Hilfe in der Not einschließt.

Denn die Not ist zuweilen groß im afrikanischen Pastorenhaushalt. Zurzeit schreibt Beanzoui ihre Doktorarbeit und lebt dazu in Kamerun. Über das Stipendium, das sie bekommt, wurden zudem einige Monate zu Forschungszwecken im südfranzösischen Montpellier möglich, jedoch muss das karge Geld mit der Familie zu Hause geteilt werden, die wegen besserer Bildungschancen auch drei Nichten aufgenommen hat. Es gab Phasen, da hätte Beanzoui am liebsten das Telefon ausgemacht und nur noch gebetet, weil sie nicht mehr wusste, wie sie die vielen Notrufe aus der Heimat beantworten sollte.

Die Nachricht, dass die Kinder von der Schule zurückgeschickt wurden, weil das Schulgeld noch nicht bezahlt wurde, zählte dazu, auch die, dass eine Tochter als Beschäftigte eines libanesischen Holzhändlers sieben Monate keinen Lohn bekommen hat, und die Mitteilung, dass ein Sohn sehr krank geworden ist. „Es ist Gottes Gnade, dass es überhaupt immer irgendwie funktioniert“, sagt Beanzoui. Ein Onkel, von dem sie jahrzehntelang nichts gehört hatte, meldete sich just nach der Nachricht vom kranken Sohn. Er schickte Geld, sodass zumindest eine Untersuchung und Behandlung im Krankenhaus möglich wurden.

Geändert hat sich die Haltung der Familie gegenüber der Pastorin. Aus Respekt vor diesem Beruf sprechen sie sie heute nur noch mit „Pastorin“ an. In der Folge landen alle familiären Probleme bei ihr. Das ist die engagierte Frau gewöhnt, denn wenn die Arbeit auf dem Feld getan ist und sie nach Hause kommt, kommen die Menschen zu ihr. Oft besucht sie sie auch zu Hause. In ihrem Land, wo noch der Glaube an Zauberei herrscht, das Riesen-Problem Aids vielfach totgeschwiegen wird und wo vor allem diejenigen, die Bildung genossen haben, angesichts der geringen Chancen unter Frustration leiden, ist viel Aufklärungs- und Motivationsarbeit zu leisten.

Immer wieder sagt Antoinette Beanzoui den Menschen, dass die einzige Chance in der Bildung liegt. Grund zur Freude gibt es immer wieder: wenn jemand dank eines Mini-Kredits ein kleines Unternehmen starten konnte beispielsweise, manchmal aber auch einfach nur, weil der tägliche Überlebenskampf mal wieder geschafft wurde. „La vie est belle“ („Das Leben ist schön“), sagt sie und lacht. Ein afrikanisches Lachen.

Wer Antoinette Beanzoui erleben möchte, hat dazu am zweiten Weihnachtsfeiertag die Chance: Um 9 Uhr predigt sie in Lappenstuhl, um 10 Uhr in Engter. Pastor Hermann Heinrich übersetzt. Die Pastorin aus der Zentralafrikanischen Republik spricht Französisch und Sango, Heinrich auch.

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