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Nach Bluttat in der Iburger Straße: Diskussion über Gewalt
Osnabrück. Die Merkez-Moschee an der Iburger Straße füllte sich mit rund 100 Gästen. Saffet Gündogdu, Vorsitzender der Gemeinde, hatte Mitglieder und Nachbarn eingeladen – und die Polizei. Anlass war die Bluttat vom September. Ganz in der Nähe hatte ein 17-Jähriger zum Messer gegriffen und einen jungen Mann aus Ibbenbüren erstochen. Wie können solche Taten künftig verhindert werden? So lautete eine der Fragen, mit denen sich die Teilnehmer der Veranstaltung auseinandersetzten.
Die Tat erschütterte auch die türkische Gemeinde. Sie wandte sich an Sabina Ortland, die bei der Polizei als Dialogbeauftragte für Migranten und Aussiedler arbeitet. Und so kam es zu dieser außergewöhnlichen Veranstaltung in der Moschee. Kriminalhauptkommissar Thomas Brockschmidt hatte seinen Laptop mitgebracht, warf Statistiken an eine Wand des Gotteshauses, sprach über Straftaten allgemein und deren Hintergründe, Konsequenzen für die Täter und die Arbeit der Polizei.
Um nicht selbst Opfer von Gewalttaten zu werden, rät Thomas Brockschmidt, ein Gespür für gefährliche Situationen zu entwickeln und ihnen möglichst auszuweichen. Gelinge dies nicht, sei es wichtig, einen möglichen Täter nicht zu provozieren. „Siezen Sie ihn, sprechen Sie ihn nicht mit Du an“, rät der Kriminalhauptkommissar. Und: „Gehen Sie nicht in die Opferrolle. Tun Sie lieber etwas Unerwartetes – singen Sie zum Beispiel ein Lied.“
Wenn andere Leute in der Nähe sind, sei es hilfreich, Aufmerksamkeit zu erwecken. Helfe das alles nicht, sei es besser, die Flucht zu ergreifen oder die Forderungen des Täters zu erfüllen, als den Helden zu spielen. Auf jeden Fall sollten Opfer sofort die Polizei informieren.
Wer Zeuge einer Gewalttat wird, dem rät Thomas Brockschmidt zu helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. „Halten Sie Distanz und rufen Sie die Polizei, statt direkt einzugreifen. Prägen Sie sich den Täter ein.“ Sollten weitere Personen in der Nähe sein, sollten Zeugen sie einbeziehen und sie zum Mithelfen auffordern, erläuterte der Polizist. Er legte seinen Zuhörern ans Herz, sich nach einer Tat um das Opfer zu kümmern und sich der Polizei als Zeuge zur Verfügung zu stellen.
Dieses Verhalten sei nicht weit genug verbreitet, meinte ein Besucher. „Das Wegschauen ist ein Problem: Es fehlt an Zivilcourage.“ Thomas Brockschmidt meinte dazu, die Zivilcourage sei in der Tat „steigerungsfähig“. Die Dialogbeauftragte Sabina Ortland wollte jedoch nicht zu lange auf Defizite blicken lassen: „Die Tatsache, dass wir hier zusammen sind, ist auch ein Zeichen von Zivilcourage.“
Anschließend beim Tee trafen sich rund 30 Besucher zu persönlichen Gesprächen, in denen einige von ihrer Hilflosigkeit berichteten.
Sie wollten wissen, was sie konkret tun können, um Gewalttaten vorzubeugen. Paul Meimberg wies auf das Angebot von Familienberatungsstellen zum Beispiel der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Nachbarschaft an der Johannisstraße hin, wo es Unterstützung in Erziehungsfragen gibt.
Peter Jeda, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Iburger Straße (Igis), will Selbstbehauptungskurse in der Moschee unterstützen und würde auch selbst gerne daran mitwirken: „Mir geht es darum, das Selbstwertgefühl der Menschen zu stärken.“
Peter Jeda wünscht sich außerdem weitere Veranstaltungen wie diese in der Moschee. Und er hofft, dass sich auch Deutschstämmige daran beteiligen – zugunsten der Nachbarschaft an der Iburger Straße. Paul Meimberg sagte es so: „Hier ist jetzt eine kleine Pflanze aufgegangen.“
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