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Benjamin Blümchen erobert die Herzen in Halle
Halle. Meine fünfjährige Tochter Ava kennt sich aus mit Benjamin Blümchen. Beste Voraussetzung also, sie mit ins „Gerry Weber Event Center“ zu nehmen, wo aus der Zeichentrickfigur beim Musical „Benjamin Blümchen und die goldene Katze“ ein überdimensionales Plüschtier wird. Wir beiden bilden ein Team – sind sozusagen die rasende Reporterin Karla Kolumna in einer Person.
Als der Rabe Gulliver die 1000 Zuschauer fragt, ob sie alle da seien, ertönt aus vielen Kindermündern ein lautes „Ja!“. Ava hält sich zurück. Sie ist müde, hat Durst und will Popcorn. Kurze Zeit später betritt die Hauptfigur die Bühne. „Kennt ihr meinen Namen?“, fragt Benjamin Blümchen. Ebenfalls schallt ein lautes „Ja“ durch die Halle. Ava bewahrt weiterhin journalistische Distanz. Aber sie findet es gut, dass die Figuren mit den Originalstimmen sprechen, die sie auch in den Hörspielen und Filmen haben.
Den Bürgermeister findet Ava nicht gut. „Der ist eigentlich viel kleiner und viel dicker“, meint sie. Ich kann der Karikatur eines Politikers, der immer in die Zeitung möchte, schon etwas abgewinnen. Als der Bürgermeister Karla Kolumna den gut gemeinten Rat gibt, einen guten Artikel über ihn zu schreiben, fühle ich mich an meinen Alltag erinnert.
Nach einer halben Stunde wird unsere Aufmerksamkeit von der Bühne auf eine Frau gelenkt, die im Gang neben unseren Sitzen ohnmächtig zusammenbricht. Schnell sind zwei Frauen da und helfen ihr. Nach kurzer Zeit kommt auch schon eine Sanitäterin, die die Frau versorgt. Bald geht es ihr wieder besser.
Die Handlung des Musicals ist schnell erzählt. Aus einer Ausstellung mit ägyptischen Kunstschätzen wird eine goldene Katze gestohlen, Klar, dass Meisterdetektiv Benjamin Blümchen die Diebin findet. Dazu wird zum Band gesungen. Auch wenn Ava es toll findet, dass die Figuren per Playback mit den vertrauten Stimmen sprechen, ist es doch für die Interaktion eher hinderlich. Viele Kinder rufen in das Geschehen, schließlich werden sie ja durch Fragen von Benjamin oder Gulliver animiert. Sie finden jedoch keine Möglichkeit zum Mitmachen, was schade ist. So wird es im „Gerry Weber Event Center“ im Laufe der Zeit etwas unruhig, weil einige Kinder ihrem Bewegungsdrang nachgeben wollen.
Das Cocomico-Theater ist spezialisiert auf die Umsetzung von Kinderunterhaltung. Es hat bereits „Bibi Blocksberg“ oder „Der kleine Vampir“ auf die Bühne gebracht. Am 28. Januar ist die Kölner Theatergruppe mit „Simsala Grimm“ in Ibbenbüren. Halle steht erst am 11. November 2012 auf dem Tourneeplan.
Am Schluss tanzen manche Kinder auf den Stühlen und in den Gängen wie Ägypter. „Nicht lustig, aber schön“, findet Ava die Darbietung des Cocomico-Theaters. Ihr hat es gefallen, dass es fast so ähnlich war wie in den Zeichentrickfilmen oder den Hörspielen. Auf meine Nachfrage, was sie als Karla Kolumna über das Musical in die Zeitung schreiben würde, sagt sie: „Richtig gut und richtig toll.“ Dieses Urteil fällen auch die vielen anderen Kinder. Das ist am lang anhaltenden und donnernden Applaus zu hören.
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