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Osnabrücker Schüler schlafen auf kaltem Boden
Osnabrück. Kinder liegen in Wolldecken gehüllt auf dem kalten Boden. Andere ziehen umher als Schuhputzer und verdienen sich so etwas Geld, um Essen zu kaufen. Die Aktion „Sichtwechsel – Straßenkind für einen Tag“ hat am Mittwochmittag in der Fußgängerzone Aufmerksamkeit erregt.
Seit 1998 animiert das Kinderhilfswerk terre des hommes (tdh) jährlich rund um den Jahrestag der Kinderrechte am 20. November Schulen zu diversen Aktivitäten, um auf die Situation von Straßenkindern in aller Welt aufmerksam zu machen. Nach Schätzungen gibt es weltweit 100 Millionen Kinder, die auf den Straßen um ihr Überleben kämpfen. In Osnabrück finden drei „Straßenkind für einen Tag“-Aktionen statt. Gestern sind Kinder der Bertha-von-Suttner-Realschule und der Schule an der Rolandsmauer in die Rolle von Straßenkindern geschlüpft.
Sie verkauften am Nikolaiort Artikel wie selbst gebackene Kekse aus dem Bauchladen, putzten die Schuhe der Passanten und führten als Premiere für Osnabrück gemeinsam mit Schauspielern des Jugendtheaters Oskar Szenen aus „Der Chronist der Winde“ auf. In dem Stück von Henning Mankell geht es um einen Straßenjungen aus Afrika.
Ein Realschüler trug als Vorleser die Alltagsszenen der Straßenkinder vor, die Kameraden stellten die Geschichten dar: Kinder, die von Polizisten getreten werden. Kinder, die das (angedeutete) Auto mit Schlamm beschmieren, während der Besitzer unterwegs ist. Um das Fahrzeug dann „unschuldsvoll“ zu waschen, wenn der Fahrer zurückkehrt, und so etwas Geld zu ergattern. Während eine Gruppe spielte, liefen die übrigen Teilnehmer mit Spendendosen umher und sammelten für die tdh-Aktion.
„Der Gedanke ist, dass sich die Schüler wie Straßenkinder fühlen“, sagte Juliane Ajineh, Lehrerin der 15 Suttner-Sechstklässler. Sie halten zum Beispiel zwei Stunden lang die Kälte in der Fußgängerzone aus. „Die Schüler verstehen so viel dabei. Sie sind ganz bei der Sache“, schwärmte Ajineh von dem Projekt, an dem ihre Schule seit sechs Jahren teilnimmt. Vor zwei Wochen hatten die evangelischen Religionsschüler ihre Rollen mit Johanna Bethge vom Theater einstudiert.
Direkt vor ihrem Auftritt hätten die Schüler dann kräftig „Muffensausen“ verspürt, erzählte die Religionslehrerin: „Sie wollten nicht in lumpigen Klamotten in die Öffentlichkeit.“ Aber die gute Resonanz und große Akzeptanz in der Innenstadt sorgten für zusätzliche Motivation. Immer wieder blieben Passanten stehen, schauten sich das Schauspiel an und applaudierten. „Durch die Aktion merken wir, wie gut wir es haben, dass wir nicht auf dem kalten Boden schlafen müssen“, sagte die elfjährige Alina.
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