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Tippspiel
Berliner Duo Bodecker&Neander in der Osnabrücker Anne-Frank-Schule
Osnabrück. „Musik bewegt“ heißt eines der Projekte im Rahmenprogramm des Yeah!-Festivals. Es wird von der Werner-Egerland-Stiftung gefördert und umfasst drei verschiedene Veranstaltungen des Pantomimenduos Bodecker&Neander aus Berlin. Hauptkooperationspartner ist die Anne-Frank-Schule.
Wolfram von Bodecker packt sie alle: Bei seinem Workshop in der kleinen Turnhalle der Anne-Frank-Schule fesselt der Pantomime-Künstler, der bei dem legendären Marcel Marceau gelernt hat, die Aufmerksamkeit sämtlicher Schüler. Dabei kommt er ganz ohne Hilfsmittel aus: Ihm reichen sein Körper und seine Fantasie. Die jedoch ist grenzenlos. Allein mit der Gestik seiner Hände verwandelt von Bodecker eine Schreibfeder in einen Schmetterling oder stößt an eine imaginäre Glaswand, die zuguterletzt doch noch zu einem durchlässigen Vorhang wird.
Dabei sind die Kinder und Jugendlichen abwechselnd faszinierte Zuschauer und selbst Akteure. Von Bodecker lässt keine Sekunde Leerlauf aufkommen und überrascht mit immer neuen Einfällen. Mal lässt er die Schüler auf einem fiktiven Gummiball stehen, mal einen Vogel fangen, und er hat ihnen sogar eine Leihgabe aus Berlin mitgebracht: ein großes Stück Mauer. Das soll im Kreis herumgereicht werden, ohne dass es kleiner oder leichter wird. Und kaputtgehen darf es natürlich auch nicht. Keine einfache Aufgabe, doch alle sind mit großem Ernst dabei, und von Bodecker kann sein Luft-Mauerstück wieder wohlbehalten mit nach Berlin zurücknehmen. In einer Partnerübung verwandeln sich die Schüler fließend vom stolzen König in dessen schüchternen Diener, und in seiner kurzen Solo-Performance „Der Maskenmacher“ demonstriert von Bodecker den Kontrast von lachendem und weinendem Gesicht. Tragisch wird es, als sich die lachende Maske plötzlich nicht mehr abnehmen lässt und der eigentlich weinende Maskenmacher immer noch ein lachendes Gesicht zeigt.
Ganz zu Anfang will von Bodecker wissen: „Was ist denn überhaupt ein Pantomime?“ Ohne zu zögern, antwortet ein Junge: „Da bewegt man sich, ohne was zu sagen.“ Von Bodecker bestätigt seine Antwort. Wirklich zauberhaft geht es dann abends im Lutherhaus zu: Mit seinem Duopartner Alexander Neander zeigt von Bodecker das von Musik und dem Thema Zeit inspirierte Programm „Silence“, das auch schon im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage zusammen mit dem Osnabrücker Symphonieorchester im Theater zu sehen war. Diesmal sind einige Szenen ausgetauscht, und die beiden Pantomimen begeistern mit Sequenzen voller Poesie, Lebensweisheit und schwarzem Humor – etwa, wenn Neander in einem Plastiksack seine verlorenen Hände wiederfindet, die ihn jedoch auf makabere Weise erwürgen.
Ebenfalls voller suggestiver Bilder ist das Schulkonzert „Don Quichotte“ im Emma-Theater, bei dem die Pantomimen von einem Musikerquartett mit Klarinette, Fagott, Cello und Akkordeon begleitet werden. Da wird eine Wohnzimmerlampe kurzerhand zur Ausstattung des Ritters von der traurigen Gestalt. Und auch in den unbegleiteten Sequenzen ohne Musik zeigen sich Bodecker&Neander als wahre Meister ihrer Kunst: Ihre Pantomime ist stille Musik, die ganze Klangwelten entstehen lässt.
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