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Hindernisse abbauen – am Bordstein und in den Köpfen
Bersenbrück. „Kein Mensch ist perfekt“ lautet das Motto der laufenden Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes, die sich mit dem Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung befasst. Beim Forum Caritas in der Heilpädagogischen Hilfe in Bersenbrück ging es in Referaten, Arbeitsgruppen und einer Podiumsdiskussion denn auch darum, wie Teilhabe gelingen kann.
Unabhängig vom christlich motivierten Anliegen der Caritas ist die Teilhabe behinderter Mitbürger zum gesellschaftspolitischen Auftrag geworden, spätestens seitdem Deutschland sich mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention zu deren Umsetzung verpflichtet hat. Das Wort „Inklusion“ ist in diesem Zusammenhang in aller Munde und erfordert Handeln auf allen politischen Ebenen.
Gerd Masurek, Referatsleiter im niedersächsischen Sozialministerium, stellte beim Forum Caritas Eckpunkte des Aktionsplanes vor, der in der kommenden Woche in Hannover verabschiedet werden soll und mit dem das Land Niedersachsen die eigentlich doch so selbstverständlichen, aber dennoch anspruchsvollen Ziele der Inklusion realisieren möchte.
Immerhin, so die von Masurek angeführte Statistik, sind von 7,9 Millionen Niedersachsen 1,3 Millionen behindert, und davon wiederum 690000 schwerbehindert. Zahlen, die, wenn man die Kerngedanken der UN-Konvention berücksichtigt, in sämtliche politischen Entscheidungen wirken – angefangen von der Bildungs- und Sozialpolitik über das Arbeitsrecht bis hin zum Denkmalschutz.
Ein Aktionsplan, der nicht von jetzt auf gleich umzusetzen, sondern vielmehr als dynamischer Prozess zu begreifen sei, zumal, so räumte Masurek ein, es zuweilen eine gewisse „Schnittstellenproblematik“ zwischen den verschiedenen Trägern, etwa der Jugend- und der Sozialhilfe, gebe.
„Wir sind mitten in einem entscheidenden Entwicklungsschritt“, betonte Dr. Elisabeth Kludas in ihrem Vortrag. Die Vorsitzende der Caritas-Behindertenhilfe und Psychiatrie forderte dazu auf, Hindernisse abzubauen – „sowohl an der Bordsteinkante, als auch in den Köpfen“, denn aus einer wie auch immer gearteten Beeinträchtigung erst durch einschränkende, von der Gesellschaft geschaffene Faktoren werde eine Behinderung. Ihr komme es auf eine individualisierte Unterstützung von Menschen mit Behinderung an, wobei Leistungen aus der Eingliederungshilfe weder als Privileg noch als diskriminierend, sondern als Nachteilsausgleich zu gewähren seien. Menschen mit Behinderung müssten mehr als „gut versorgt“ sein.
In der Podiumsdiskussion gab es auch kritische Töne unter den rund 80 Forumsteilnehmern. „Die Wirklichkeit sieht leider oft anders aus“, war aus dem Publikum zu vernehmen. Im krassen Gegensatz zur „Political Correctness“ müssten allzu oft die Ansprüche Behinderter auf dem Klageweg durchgesetzt werden.
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