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Ein Festival zeigt Wege zur Musik auf
Osnabrück. Diesen Sonntag startet das Festival „Yeah!“. Eine Woche lang präsentiert es auf Bühnen in der Stadt Musikvermittlungsprojekte aus ganz Europa. Wir sprachen darüber mit Ingrid Allwardt, der Leiterin des Festivals.
Frau Allwardt, was wird das Osnabrücker Publikum in der nächsten Woche beim Yeah!-Festival erleben?
Es wird unterschiedlichste Ensembles aus ganz Europa erleben – Ensembles, die sich Wege überlegt haben, wie sie Neugierde und Lust auf klassische Musik wecken können. Ein Ensemble erzählt beispielsweise durch die Musik selbst von Begegnungen der Musik des Barock und der Renaissance mit Pop und zeitgenössischer Musik. Andere Ensembles vertonen Bilderbücher, die durch Musik getragen und erzählt werden. Eine andere Gruppe erobert einen Klassenraum und bespielt diesen mit den vorhandenen Gegenständen und lockt die Schüler im Anschluss an ihre sogenannten Slag Attacks ins Konzert, in dem sie dann mit Musik von Steve Reich oder John Cage konfrontiert werden und feststellen können, dass auch diese Komponisten sich mit der alltäglichen, akustischen Umwelt kompositorisch auseinandergesetzt haben ... Dabei nutzen wir das Felix-Nussbaum-Haus, das Theater, das Lutherhaus, aber auch anders sozialisierte Orte wie das Alando. Und natürlich sind wir auch in Schulen zu Gast.
Was bezwecken das Festival und der angeschlossene Wettbewerb?
Zweierlei. Der Wettbewerb suchte in ganz Europa nach fantasievollen Möglichkeiten, ein junges und neugieriges Publikum an klassische Musik heranzuführen. Die 165 Einsendungen aus dreißig Ländern haben gezeigt, welche unterschiedlichen Wege sie zur Musik finden. Damit bringen sie zum Ausdruck, wie Musik in der Kultur eines Landes verankert ist und kulturelle Identitäten bildet. Das Festival hingegen lädt Künstler, Ensembles und Produktionen ein, um einem Publikum vor Ort verschiedenste Formate der Musikvermittlung zu zeigen. Gleichzeitig möchte es ein Fachpublikum aus den verschiedenen Ländern nach Osnabrück holen. Denn ein Festival, das sich nicht ausschließlich um Musik, sondern um Wege zur Musik kümmert, gab es vor Yeah! nicht.
Warum sind solche Projekte zur Musikvermittlung heute nötig?
Gesellschaft und Räume der Begegnung innerhalb der Gesellschaft haben sich massiv verändert. Und damit auch das Interesse an einem klassischen Kulturgut. Gerade in Deutschland haben wir eine sehr reichhaltige und lebendige Musiklandschaft, die es aber gilt, nachhaltig zu pflegen. Es darf sich nicht darin erschöpfen, immer neue Musiker auszubilden, sondern sich auch zu hinterfragen: Wen interessiert klassische Musik in welchen Formen, und wie schaffen wir es, immer wieder Lust an der Begegnung mit klassischer Musik auszulösen? Hier hat sich über den Zeitraum von etwa 25 Jahren gezeigt, dass sich ein gewisses Publikum dem Abonnementsformat anschließt, dass es aber auf der anderen Seite inzwischen vielfältige, notwendige Aufbrechungen dieses Systems gibt, die sehr innovativ denken und damit ein anderes, zukünftiges Publikum ansprechen.
War das nicht immer so?
Nein. Durch den Einzug der Möglichkeiten von Tonaufnahmen und ihrer Wiedergabe, der Schallplatte, des Walkmans, der CD, des iPods, von Youtube u.a. hat sich das Konzertwesen sehr verändert und damit auch die Aufmerksamkeit für das Live-Erlebnis klassischer Musik.
Ein Festival plus Wettbewerb gibt es nicht zum Nulltarif. Was kostet Yeah!, und wer finanziert es?
Finanziert werden Wettbewerb und Festival aus verschiedensten Töpfen. Hauptträger des Wettbewerbs ist die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte, die für drei Jahre etwa 380000,00 Euro bereitstellt und damit ein Signal für künftige Entwicklungen setzt, die sie auch über die nächsten Jahre begleiten wird. Weiterhin wird das Festival von der Egerland-Stiftung unterstützt, vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, von der DBU, von PwC, von der Töpferstiftung – fürs Festival haben wir noch mal etliche Unterstützer gefunden. Nicht zuletzt auch die Stadt Osnabrück und ihre Universität.
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