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Tippspiel
Grandioser Auftakt der Weltklassik-Reihe im Treffpunkt
Osnabrück. Sie habe drei Jahre an der h-Moll-Sonate von Frederic Chopin gearbeitet, bis sie so weit war, diese auf CD aufzunehmen, berichtet Aleksandra Mikulska in ihrer erfrischend natürlich wirkenden Moderation des Konzertprogramms: „Chopin pur!“ hieß es in der neuen Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ im „Treffpunkt für Kunst und Kultur am Gertrudenberg“. Mikulskas Chopininterpretation zeichnet sich sowohl durch einen hohen Grad an intellektueller Durchdringung als auch durch innige und vehemente Empfindungskraft aus.
Wenn man das Aushalten der Polaritäten von individueller Freiheitsliebe, revolutionärem Aufbegehren und Überschwang auf der einen sowie Aufopferung, Großherzigkeit und Schwermut auf der anderen Seite als typisch polnisch bezeichnen mag, so darf man Mikulskas Chopininterpretation als eminent polnisch bezeichnen. Damit stellt sie sich in die Tradition großer polnischer Pianisten.
Gleich zu Beginn zeigt sie mit dem b-Moll-Scherzo ihre pianistische Wandlungsfähigkeit zwischen romantischer Eruptivität eines grandiosen Forte und einer melancholischen Klarheit der Melodieführung, die auch an zarter Klanggebung nichts vermissen lässt. Genauso kompromisslos geht sie die heroisch-nationale As-Dur-Polonaise an: Hier führt sie geradezu pianistische Attacken aus der linken Hand, schleudert furiose Arpeggien und zaubert im geschwindmarschartigen B-Teil Nebenmelodien in den Mittelstimmen, die man sonst nicht zu hören gewohnt ist.
Auch beim Andante Spianato & Grande Polonaise Brilliante in Es-Dur sowie beim Fantasie-Impromptu Op. 66 frappiert Mikulska durch eine enorme Beweglichkeit in Dynamik und Agogik, scharf gestanzte Punktierungen und aberwitzig präzises Figurenwerk. Durchgehend werden hohe Tempi gewählt, die mit sicherer Virtuosität beherrscht werden. Und immer wieder findet man sich überrascht von bislang ungehörten Wendungen und individuellen Zugriffen. Eine beachtliche interpretatorische Leistung.
Bei der h-Moll-Sonate entfesselt Mikulska im Durchführungsteil des Kopfsatzes eine polyfon durchwirkte und kryptisch romantische Düsterkeit, die ihresgleichen suchen mag. Beim Trauermarsch gelingt es ihr dann, der etwas problematischen Diskantlage des ansonsten altehrwürdigen Bechstein-Flügels einen ausdrucksstark schön klingenden Trostgesang zu entlocken, bevor das Hauptthema des Schlusssatzes geradezu apotheotisch wie in Stein gemeißelt wird.
„Wie einst in schönern Tagen“
Niederlangen. Unter dem Titel „Wie einst in schönen Tagen – Musik und Worte aus der guten alten Zeit“ ist eine Veranstaltung des Heimatvereins... mehr
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