·
Digitalabo·
Shop·
Tippspiel
Workshop für Kinder von Nicht-Akademikern
Osnabrück. Bis in die 60er-Jahre war es in Deutschland selbstverständlich, dass Arbeiterkinder auch Arbeiter wurden. Das hat sich zwar geändert – doch noch immer ist es eine Ausnahme, dass etwa der Sohn eines Klempners studieren geht. Die Zentrale Studienberatung der Osnabrücker Hochschulen hat deshalb einen Workshop für Schüler veranstaltet, deren Eltern Nicht-Akademiker sind.
Melissa, Janina, Ann-Katrin und Martin sind zu dem Workshop gekommen, weil sie die Ersten in ihrer Familie sind – die Ersten, die studieren wollen. Offiziell sind sie damit Nicht-Akademikerkinder; ein hässliches Wortungetüm, „Arbeiterkinder“ klingt viel griffiger.
„Aber das trifft ja nicht auf alle zu. Die Eltern von manchen hier sind ja auch Angestellte“, sagt Bianca Schulz. Sie arbeitet für die Zentrale Studienberatung von Uni und Hochschule und leitet an diesem Tag den Workshop. Bianca Schulz und ihre Kollegen haben aber auch noch ein Benennungsproblem. Das erkennt jeder, der den Raum sucht, in dem der Workshop stattfindet. Auf den Zetteln, die durch das Gebäude leiten sollen, steht: „Orientierungsworkshop zur Studienwahl für Studieninteressierte, die als Erste in ihrer Familie studieren wollen.“ Trotz des leicht verwirrenden Wegweisers sind 16 Pioniere der Einladung gefolgt. Die Jugendlichen haben sich in Kleingruppen aufgeteilt und sollen nun am Flipchart aufschreiben, was sie vom Studium erwarten – und was sie befürchten.
„Wir haben Angst vor Überforderung. Wir haben zwar in der Schule eine Facharbeit geschrieben, aber das reicht bestimmt noch lange nicht“, sagt Melissa.
Auch Ann-Katrin betont die mögliche Überforderung und sagt, dass das Studium bestimmt kein Larifari werde. Auf der Erwartungen-Seite schreibt Ann-Katrin, dass sie und ihre Gruppe annehmen, durch das Studium bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.
Diese Hoffnung wird durch die anschließende Präsentation von Bianca Schulz sogar noch verstärkt. Die Schüler erfahren, dass Hochschulabsolventen heute und auch in Zukunft das geringste Risiko haben, arbeitslos zu werden. „Ihr müsst also nicht Taxifahrer werden“, sagt Bianca Schulz. „Außer wenn ihr das wollt.“
Nach dem Vortrag sind Melissa, Ann-Katrin und Co. ermutigt; dass die Jobchancen so gut sind, hätten sie gar nicht gedacht.
Vor der Mittagspause kommen dann noch zwei Arbeiterkinder-Studenten zum Anfassen in den Workshop: Tanja studiert Psychologie, Malte Jura, beide sind in ihrem Studium erfolgreich, obwohl sie die Ersten in ihrer Familie sind.
„Ich habe da bei mir zu Hause schon Pionierarbeit geleistet“, sagt Malte.
Die Workshop-Teilnehmer sind froh, dass sie gleich mit diesen richtigen Studenten sprechen können, die eine ähnliche Herkunft haben. „Wir waren auch schon mit der Schule hier, aber da rede ich doch noch lieber mit den beiden Studenten“, sagt Ann-Katrin. „Professoren können einem ja viel erzählen!“
Für alle Nicht-Akademiker-Kinder, die auch als Erste in ihrer Familie studieren wollen, gibt es weitere Informationen auf der Internet-Seite unter www.arbeiterkind.de
Uni Osnabrück erforscht Gründe für Erfolg von Einwandererkindern
Osnabrück. Multikulti ist gescheitert, verkündete die Kanzlerin, Migrantenkinder werden auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, heißt es in einer... mehr
Uni Osnabrück sucht Alternativen zur Zwangsexmatrikulation
Osnabrück. „Massenrauswurf an der Universität Köln“ – so ging es vergangene Woche durch die Presse. Die Uni am Rhein hatte 32 Studierende, die noch in... mehr
Warum Studiengebühren doch gut sein sollen
Osnabrück. Hessen, Hamburg und das Saarland haben sie bereits abgeschafft, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wollen sie abschaffen, und nun... mehr
Mehr Lokales










07.04.2012
