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Workshop für Kinder von Nicht-Akademikern
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Autor: Hendrik Steinkuhl 31. Oktober 2011 15:24 Uhr

Wenn Papa nicht studiert hat

Workshop für Kinder von Nicht-Akademikern

Osnabrück. Bis in die 60er-Jahre war es in Deutschland selbstverständlich, dass Arbeiterkinder auch Arbeiter wurden. Das hat sich zwar geändert – doch noch immer ist es eine Ausnahme, dass etwa der Sohn eines Klempners studieren geht. Die Zentrale Studienberatung der Osnabrücker Hochschulen hat deshalb einen Workshop für Schüler veranstaltet, deren Eltern Nicht-Akademiker sind.

 
Jura-Student Malte Hakemann und Psychologiestudentin Tanja Gleisberg haben es geschafft: Trotz Selbstzweifeln haben sie ein Studium ergriffen und damit zu Hause Pionierarbeit geleistet. Foto: Thomas Osterfeld  Vergrößern

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„Du gehst nicht studieren. Du machst die Schule zu Ende, und dann lernst du was Anständiges!“ Diesen Satz aus Eltern-Mund mussten sich deutsche Arbeiterkinder über Generationen anhören. Heute scheint er nur noch Folklore zu sein. „Meine Mutter unterstützt mich richtig bei meinen Studienplänen“, sagt Melissa. Die anderen Oberstufenschüler neben ihr schütteln auch alle den Kopf: So einen Satz haben sie zu Hause noch nie gehört.

Melissa, Janina, Ann-Katrin und Martin sind zu dem Workshop gekommen, weil sie die Ersten in ihrer Familie sind – die Ersten, die studieren wollen. Offiziell sind sie damit Nicht-Akademikerkinder; ein hässliches Wortungetüm, „Arbeiterkinder“ klingt viel griffiger.

„Aber das trifft ja nicht auf alle zu. Die Eltern von manchen hier sind ja auch Angestellte“, sagt Bianca Schulz. Sie arbeitet für die Zentrale Studienberatung von Uni und Hochschule und leitet an diesem Tag den Workshop. Bianca Schulz und ihre Kollegen haben aber auch noch ein Benennungsproblem. Das erkennt jeder, der den Raum sucht, in dem der Workshop stattfindet. Auf den Zetteln, die durch das Gebäude leiten sollen, steht: „Orientierungsworkshop zur Studienwahl für Studieninteressierte, die als Erste in ihrer Familie studieren wollen.“ Trotz des leicht verwirrenden Wegweisers sind 16 Pioniere der Einladung gefolgt. Die Jugendlichen haben sich in Kleingruppen aufgeteilt und sollen nun am Flipchart aufschreiben, was sie vom Studium erwarten – und was sie befürchten.

„Wir haben Angst vor Überforderung. Wir haben zwar in der Schule eine Facharbeit geschrieben, aber das reicht bestimmt noch lange nicht“, sagt Melissa.

Auch Ann-Katrin betont die mögliche Überforderung und sagt, dass das Studium bestimmt kein Larifari werde. Auf der Erwartungen-Seite schreibt Ann-Katrin, dass sie und ihre Gruppe annehmen, durch das Studium bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

Diese Hoffnung wird durch die anschließende Präsentation von Bianca Schulz sogar noch verstärkt. Die Schüler erfahren, dass Hochschulabsolventen heute und auch in Zukunft das geringste Risiko haben, arbeitslos zu werden. „Ihr müsst also nicht Taxifahrer werden“, sagt Bianca Schulz. „Außer wenn ihr das wollt.“

Nach dem Vortrag sind Melissa, Ann-Katrin und Co. ermutigt; dass die Jobchancen so gut sind, hätten sie gar nicht gedacht.

Vor der Mittagspause kommen dann noch zwei Arbeiterkinder-Studenten zum Anfassen in den Workshop: Tanja studiert Psychologie, Malte Jura, beide sind in ihrem Studium erfolgreich, obwohl sie die Ersten in ihrer Familie sind.

„Ich habe da bei mir zu Hause schon Pionierarbeit geleistet“, sagt Malte.

Die Workshop-Teilnehmer sind froh, dass sie gleich mit diesen richtigen Studenten sprechen können, die eine ähnliche Herkunft haben. „Wir waren auch schon mit der Schule hier, aber da rede ich doch noch lieber mit den beiden Studenten“, sagt Ann-Katrin. „Professoren können einem ja viel erzählen!“

Für alle Nicht-Akademiker-Kinder, die auch als Erste in ihrer Familie studieren wollen, gibt es weitere Informationen auf der Internet-Seite unter www.arbeiterkind.de

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