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Munitionslager in Lorup: „Zivilpersonal bestimmt das Tempo“
Lorup/Leer. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis Fakten geschaffen werden, doch klar ist seit gestern, dass die Bundeswehr im Zuge ihres strategischen Umbaus das Munitionslager in Lorup schließen wird. Betroffen sind dort von der anstehenden Veränderung drei Soldaten, 23 zivile Angestellte und ein Wachdienst. In der Evenburg-Kaserne in Leer darf unterdessen gefeiert werden.
Nachdem auch die Vereinigung der beiden zusammengehörigen Standorte Leer und Schwanewede an einem neuen Standort im Gespräch gewesen war, wird es nun aber zu einer Stärkung des „Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst“ in Leer kommen. Das teilte die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann gestern während einer Pressekonferenz mit. Unberührt bleiben zunächst auch das Materiallager und die Ausbildungswerkstatt in Weener.
Mit der Schließung des zum Munitionsdepot Zetel gehörenden Lagers in Lorup zieht sich die Bundeswehr indes endgültig aus dem nördlichen Emsland zurück. Erst im Jahr 2004 hatte das Verteidigungsministerium die 70 Hektar große Einrichtung von einem Depot zu einem Lager abgestuft und zugleich einen gravierenden Personalabbau eingeleitet. Von 50 Soldaten und 70 zivilen Mitarbeitern sollten seinerzeit nur noch sieben Dienstposten für Soldaten und 30 zivile Arbeitsplätze erhalten bleiben. Der bis 2004 als Luftwaffenmunitionsdepot 62 auf dem Hümmling geführte Standort ist dort 1974 eingerichtet worden.
Einen Zeitplan für die Abwicklung in Lorup gibt es aber laut Gitta Connemann noch nicht. Der stellvertretende Kommandeur der „Schnellen Einsatzkräfte Sanitätsdienst“ in Leer, Dr. Michael Neuhoff, sagte dazu während der Pressekonferenz: „Bei Standortschließungen bestimmt erfahrungsgemäß das Zivilpersonal das Tempo, da es das Ziel ist, dessen Abbau möglichst sozialverträglich zu gestalten.“
Überraschend kam diese Entscheidung für Connemann und den in wenigen Tagen aus dem Amt scheidenden Loruper Bürgermeister Heinrich Kreutzjans indes nicht. Kreutzjans betont zwar, bis zuletzt gehofft zu haben, „doch es war abzusehen, dass es so kommen würde“. Er unterstrich, dass sich Bundeswehr und Gemeinde stets sehr verbunden gewesen seien. Besonders über die örtliche Feuerwehr gebe es enge Kontakte, da diese auch für das Munitionslager zuständig sei.
Mit Blick auf die Nachnutzung erklärte Kreutzjans, dass die Gemeinde vom Bund in jedem Fall als Erste einbezogen werde. Von Vorteil sei hier, dass eine umfassende Infrastruktur, etwa in Form von Gebäuden, Straßen und Leitungen, bereits vorhanden sei.
Laut Gitta Connemann und Neuhoff werden die Standortentscheidungen dazu führen, dass speziell in Leer, wo es zurzeit rund 940 Dienstposten gibt, eine Aufwertung stattfinden wird. Neuhoff betonte, dass das aber nicht in der Masse der Fall sein werde. „Künftig werden wir höhere Qualifizierungen haben.“ Das bedeute, dass beispielsweise mehr Rettungsassistenten, Krankenpfleger und ärztliches Hilfspersonal vorhanden sein werden. Da diese vornehmlich einen Feldwebeldienstgrad hätten, finde künftig eine Umverteilung zulasten der Mannschaftsdienstgrade statt.
Die Bundestagsabgeordnete Connemann betonte, dass die militärische Logistik, und damit auch das Materiallager in Weener, nicht „Gegenstand der Betrachtung“ gewesen sei. Das folge nun in einem zweiten Schritt. Gleiches gelte für die Ausbildungstätigkeit der Bundeswehr und damit die Ausbildungswerkstatt in Weener. In den kommenden Wochen werde der Bedarf erhoben und dann auch darüber entschieden, wo ausgebildet werde.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Michael Goldmann begrüßte, dass alle ostfriesischen Standorte erhalten werden. Er forderte für von Kürzungen betroffene Gemeinden „sinnvolle unterstützende Maßnahmen“.
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07.04.2012
