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Hauptschule? Schwamm drüber
Bissendorf. Ein deutliches Signal, zumindest auf den ersten Blick: Einstimmig hat sich der Bissendorfer Rat für die Einrichtung einer Oberschule mit gymnasialem Zweig am Standort der heutigen Haupt- und Realschule ausgesprochen. Bei aller Einmütigkeit ist in der Sitzung aber ein Sprichwort bemüht worden: Lieber einen Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach!
Fundament dieser Entscheidung war eine Befragung, die die Kommune im September unter Eltern, deren Kinder eine der drei Grundschulen besuchen, durchgeführt hatte.
Das maßgebliche Ergebnis der Studie: Eine Oberschule mit gymnasialem Zweig könnte in den kommenden zehn Jahren pro Jahrgang durchschnittlich mit etwa 37 Anmeldungen rechnen. Mindestens 27 Kinder hätten es sein müssen. Die Hürde hat Bissendorf also genommen.
Die Gemeindeverwaltung will jetzt beim Landkreis Osnabrück einen entsprechenden Antrag stellen. Denn der Kreistag muss den Bissendorfer Plänen noch zustimmen. Ein Ausschlusskriterium hat der Kreis für die gesamte Region ausgegeben: Es darf kein bestehendes Kreis-Gymnasium in seinem Bestand gefährdet werden. Bürgermeister Guido Halfter meint, dass das Vorhaben weder das Gymnasium in Bad Essen noch das in Melle bedrohe: „90 Prozent der Bissendorfer Gymnasiasten besuchen doch Osnabrücker Schulen.“ In seiner Sitzung am 19. Dezember wird sich der Kreistag mit dem Antrag der Bissendorfer beschäftigen. Das bestätigte Kreisdezernent Matthias Selle. Bei der Entscheidung sollten allerdings auch „lokale und regionale ökonomische Gesichtspunkte“ eine Rolle spielen.
„Die Integrierte Gesamtschule war die optimale, pädagogisch sinnvolle und zeitgemäße Lösung für den Schulstandort Bissendorf, die sich viele Eltern, die Schule und auch viele Ratsmitglieder im letzten Jahr gewünscht haben“, sagte SPD-Fraktionschef Helmut Ellermann in der Ratssitzung. Der „Spatz Oberschule“ könne aber ein Star werden, wenn der Antrag mit gymnasialem Zweig genehmigt werde. „Alle Beteiligten werden das Ihre tun, um die junge Brut pfleglich aufzuziehen und ihr das Fliegen beizubringen“, so Helmut Ellermann weiter.
Der Sprecher der Mehrheitsgruppe CDU/FDP, Bernhard Henkelmann, ergänzte: „Wenn wir den gymnasialen Zweig bekommen, bedeutet das eine Aufwertung für den Standort.“ Thomas Goertz (UWG) schränkte ein: „Eine Oberschule ist nicht das, was wir uns gewünscht haben, und auch nicht das, was in der Wissenschaft diskutiert wird.“ Die Fraktionschefin der Grünen, Marie-Dominique Guyard, meinte: „Wenn die Landeregierung nach der nächsten Wahl wechseln würde, würden wir eine Gesamtschule bekommen.“ Bürgermeister Halfter griff abschließend noch einmal das Sprichwort auf: „Wenn aus dem Spatz ein Adler werden soll, kommen noch einige Kosten auf uns.“
Zur Erinnerung: Den Hauptschulen laufen die Schüler weg. Die schwarz-gelbe Landesregierung hat vergangenes Jahr mit ihrer Schulreform dieser Entwicklung Rechnung getragen. Haupt- und Realschulen können zu einer Oberschule verschmelzen. Zudem besteht die Möglichkeit, an Oberschulen gymnasiale Zweige einzurichten. Diesen Weg will die Gemeinde Bissendorf jetzt beschreiten.
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