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Tippspiel
Filmische Eindrücke mit Livemusik gepaart
Osnabrück. Vom 13. bis 19. November findet das Yeah!-Festival statt, das Projekte präsentiert, die vor allem junge Menschen an klassische und zeitgenössischeMusik heranführen sollen. Im Rahmen des Festivals wird der „Young Earopean Award“ verliehen. In einer Serie stellen wir Finalisten vor, die von einer Jury aus 165 Bewerbungen für die Endrunde ausgewählt wurden.
„Hasretim“ ist türkisch und bedeutet so viel wie „meine Sehnsucht“. Diesen Titel wählte der Gitarrist Marc Sinan für ein Projekt, das die Musik Anatoliens mit zeitgenössischen westlichen Elementen verbindet. Allerdings passiert das nicht auf die Art, wie sie Festivalveranstalter sonst gern praktizieren: Sie laden Musiker aus fernen Ländern ein und stellen sie mit heimischen Kollegen gemeinsam auf die Bühne.
Nein, „Hasretim“ funktioniert anders: Vor einer großen Leinwand nehmen die Dresdner Sinfoniker Platz und treten in einen musikalischen Dialog mit den Musikern, die auf die Leinwand projiziert werden. Also eine Mischung aus Livemusik und filmischem Dokument, aus Westen und sehr authentischem Osten. Denn die Bilder wurden vor Ort aufgenommen, in der vertrauten Umgebung der Menschen, die Musik hier meistens als Hobby betreiben. Wenn sie im Teehaus zusammensitzen, sich unterhalten und Tee trinken, packt jemand eine Trommel oder eine Saz, die türkische Langhalslaute, aus und beginnt zu spielen, jemand singt dazu, nicht selten stehen Männer auf, um zu tanzen. Das sind die Bilder, die hinter dem Orchester zu sehen sind, wenn „Hasretim“ live aufgeführt wird. Aufgenommen wurden sie im Verlauf einer Reise, die Marc Sinan zusammen mit Markus Rindt, dem Intendanten der Dresdner Sinfoniker, nach Anatolien unternommen hat. Begleitet von einem Filmteam, sind sie in die Osttürkei gereist, die Gegend, aus der die Großeltern Sinans mütterlicherseits stammen. Hier stießen sie auf uralte Musiktraditionen: „Mit kindlicher Leichtigkeit spielen die Menschen 5/8-, 7/8- und 9/8-Rhythmen, die sich professionelle Musiker in unseren Breitengraden mühevoll erarbeiten müssen“, berichtet der Gitarrist. Begeistern lässt er sich auch von Flötenspielern, die die Zirkularatmung perfekt beherrschen, sodass sie ohne Unterbrechung die Flöte Kaval oder Zurna spielen können, eine Art Kegeloboe.
Bei der Performance „Hasretim – eine anatolische Reise“ verbinden die Dresdner Sinfoniker mit Gastmusikern die traditionelle Volksmusik, die während der Reise dokumentiert wurde, mit Livemusik, die westliche Züge trägt und nicht selten experimentellen oder jazzigen Charakter hat – bis hin zu ganz freien Passagen, die durch die wilde Rhythmik und Improvisationskunst der anatolischen Musiker inspiriert wurden. Als Dirigent tritt Andrea Molino in Aktion, der auch die Arrangements für die Performance geschrieben hat.
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15.04.2012
