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Das Unabhängige Filmfest Osnabrück ist in diesem Jahr „unterwegs“
Osnabrück. Zu Beginn geht es in den hohen Norden, zu den „Helden des Polarkreises“. Damit ist das Unabhängige Filmfest Osnabrück zwar räumlich weit weg von zu Hause, inhaltlich aber auf gewisse Weise nah an aktuellen Fragestellungen: Der Protagonist des finnischen Roadmovies soll eine Digitalbox besorgen, da der analoge Satellitenempfang fürs Fernsehen demnächst abgeschaltet wird. Wie bei uns.
Darauf bezieht sich auch der Ort der Pressekonferenz, den die Filmfestmacher Birgit Müller und Holger Tepe gewählt haben: Nach Back-Baggers-Hotel, türkischem Lebensmittelgeschäft und historischem Steinwerk lud das Unabhängige Filmfest Osnabrück diesmal zu Busmann, einem Fachgeschäft für Unterhaltungselektronik, ein. So folgte man inmitten von Flachbildschirmen den Ausführungen, optisch sacht untermalt vom Vormittagsprogramm von ARD und ZDF, selbstverständlich in HD-Qualität.
Thema des Filmfests ist denn auch weniger die Fernsehtechnik der Zukunft als „die Suche nach persönlichen Aufbrüchen und gesellschaftlichen Veränderungen“, wie Birgit Müller sagte. Die Filme „hinterfragen Gewohnheiten und Ideale“, erzählen davon, scheinbar Vertrautes neu zu entdecken, erzählen von „Reisen in ein anderes Leben“ und wollen nicht zuletzt helfen, „Filmsprachen jenseits von Hollywood zu entdecken“. Ansätze, die das Filmfest unter dem Dach des Oberbegriffs „Unterwegs“ versammelt.
Dem Motto ordnen sich die bewährten Programmschienen – „Sektionen“ – unter, vom Wettbewerb um den Friedensfilmpreis der Stadt Osnabrück über den Filmpreis für Kinderrechte und den Ernst-Weber-Filmpreis bis zu der Programmsektion „Europe Unlimited“ und dem jungen Erfolgsformat „Vistas Latinas“ mit Filmen aus Lateinamerika. Dabei steht neben ästhetischen Fragen nach wie vor der Anspruch im Zentrum, gesellschaftlich und politisch relevantes Kino zu präsentieren. Paradigmatisch zeigt das die deutsche Produktion „Nach der Stille“: Stephanie Bürger begleitet in dem Film eine Witwe aus Tel Aviv, deren Mann bei einem Selbstmord-Anschlag ums Leben kam. Acht Jahre später sucht die Frau die Familie des Attentäters auf.
Auch andere gesellschaftlich-politische Großthemen bearbeitet das Filmfest, etwa den Bürgerkrieg in Kolumbien aus Kindersicht oder die Spätfolgen der Kolonialisierung in Südamerika. Die sehr persönlichen Formen des Unterwegsseins hingegen zeigt etwa ein Film wie „Tyrannosaur“, eine bitter-schwarze Liebesgeschichte mit Peter Mullan. „Karen Cries on the Bus“ zeigt eine Frau, die nach zehn Jahren Ehe ihren Mann verlässt – und stattdessen ein ungewisses Leben ohne Job, Geld und Freunde wählt: ein Unterwegssein, bei dem nur der Ausgangspunkt klar ist.
Diese Themenauswahl macht das Filmfest auch für Menschen jenseits fachkundiger Cineasten-Zirkel attraktiv. Andernfalls würden sich die VR-Stiftung und die Volksbank Osnabrück kaum so dauerhaft beim Filmfest engagieren: Der Osnabrücker Volksbankchef Udo Herz und der Stiftungsvorsitzende Harald Lesch weisen darauf hin, dass Kultur einer unter vielen Förderschwerpunkten ist. Dennoch stiften die beiden Einrichtungen nun schon zum sechsten Mal den Friedensfilmpreis – weil das Filmfest Kinoästhetik und gesellschaftlichen Anspruch wirkungsvoll zusammenführt.
Unabhängiges Filmfest Osnabrück: 12.–16. Oktober. www.filmfest-os.de
Mehr zum Filmfest: www.noz.de/filmfest/
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