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Tippspiel
Überwiegend schräg
Osnabrück. Irgendwo zwischen Hasestraße, Pernickelmühle und Mühlenstraße stehen Menschen und schauen auf eine Häuserwand. „Hier war ich noch nie“, murmelt jemand und schaut sich vorsichtig um. Dann blickt er wieder auf das Haus vor ihm. „A Wall Is a Screen“ ist in der Stadt.
Zum siebten Mal bebildern die Hamburger Kurzfilm-Spezialisten ungewöhnliche Spielorte in Osnabrück. Dieses Mal haben sie sich überwiegend Stätten abseits der Einkaufsstraßen ausgesucht. Wie ebendiese Fläche bei der Hasestraße, über die sie „Ich bin’s Helmut“ von Nicolas Steiner flimmern lassen. Ohne einen einzigen Schnitt hat der Schweizer Filmemacher Helmuts 60. Geburtstag in Szene gesetzt. „Ich werde erst 57. Gertrud hat sich verrechnet“, beklagt der sich, während sich die Kulisse um ihn herum immer wieder als menschliche Requisite entpuppt.
Überwiegend Schräges ist an diesem lauen Spätsommerabend zu sehen. Die Festivalleiter Birgit Müller und Holger Tepe wärmen damit für ihr Unabhängiges Filmfest auf, das vom 12. bis 16. Oktober stattfindet. Gute 250, zwischendurch 300 Filmfreunde schlängeln sich durch die Wege und Straßen. Immer dem „A-Wall“-Team aus Hamburg nach, das noch beim Applaus in Windeseile Beamer, Lautsprecher, Generator und weitere Utensilien abräumt und am nächsten Platz wieder aufbaut. Sieben Orte sind es dieses Mal. Der Start ist dort, wo die Route 2010 endete: auf der Rückseite von L+T. Unter großem Gelächter ist hier ein Beitrag über die deutsche Meisterschaft in der Imitation von Hirschrufen zu sehen. An der Domschule wird „Balibalo“ gezeigt. Ein Beitrag, den Peter Stein mit den Worten „Gut, dass die Schule vorbei ist“ kommentiert, danach geht es weiter zum Iduna-Hochhaus. Hier gibt der Zeichentrickfilm „Flatlife“ von Jonas Geinaert eine Vorstellung vom Leben im Inneren. An der Pernickelmühle schwant einem der ganz jungen Zuschauer Schlimmes. „Ist der brutal, Mami?“, fragt der Junge, während im Film ein Mann die laszive Pose übt und vom alten „Kanu-Joe“ singt – es ist eine Parodie auf die Schlager. „Und du sagst, das sei nicht brutal“, kommentiert ein anderer Gast vergnügt. Aus dem Archiv des Internationalen Hamburger Kurzfilmfestivals schöpft das Team von „A Wall Is a Screen“ die Filme für seine ausgewählten Spielorte. „Wir bespielen keine Wand doppelt“, sagt Sabine Horn, während sie versucht zu überschlagen, wie viele Filme sie jährlich so sieht. „Viele“, sagt sie schließlich und nippt an ihrem Feierabendbier.
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