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Trauer an der Iburger Straße: Mahnwache vor der Hausnummer 56
Osnabrück. Bestürzung, Entsetzen, Trauer: Vier Tage nach der Tötung eines 22-jährigen Mannes aus Ibbenbüren brachten etwa 100 Menschen mit einer Lichterkette ihre Anteilnahme zum Ausdruck. Für kommenden Montag haben Mitschüler des Opfers zu einem Schweigemarsch durch die Innenstadt aufgerufen.
Mit einer Mahnwache demonstrierten die Osnabrücker gemeinsam gegen Gewalt. Ab der Iburger Straße 56, dem Haus, vor dem der 22-jährige Ibbenbürener am Sonntag getötet worden war, bildeten betroffene Menschen mit Kerzen in der Hand eine Lichterkette. Einige von ihnen hatten Tränen in den Augen. Trotz des Verkehrslärms herrschte eine andächtige Stimmung.
Unter den Teilnehmern waren Vertreter aus der Politik, verschiedener Religionen, Prominente wie Tanzweltmeister Michael Hull oder Bewohner des Rosenplatz-Viertels. Auch die Freundin des Getöteten kam und legte Blumen an dem Tatort nieder. „Wir wollen zeigen, dass wir nicht mit der Gewalt einverstanden sind“, sagte der Initiator der Lichterkette, Peter Jeda von der Interessengemeinschaft Iburger Straße. Er hat spontan per E-Mail für die Teilnahme an der Aktion geworben. Viele Nachbarn würden Ohnmacht und Wut empfinden, so Jeda. Er sprach sich zudem gegen den Eindruck aus, die Iburger Straße sei verroht. „Der Tatort war nur zufällig hier.“
Polizei sucht mit Hunden nach weiteren Spuren
Saffet Gündogan, Vorsitzender der Merkez-Moschee, war ebenso vor Ort wie Pastor Martin Wolter von der Lutherkirche. Bernadette Klumparendt, die in einer Parallelstraße der Iburger Straße wohnt, sorgte sich darum, dass die Gewalt immer brutaler werde. Sie sprach sich dagegen aus, dass junge Menschen Waffen tragen dürfen. „Die Erwachsenen müssen aufgerüttelt werden und Interesse an den Aktivitäten ihrer Kinder zeigen“, sagte sie.
Derweil riefen die Schüler und Studenten des Comenius-Kollegs in Mettingen, wo der Ibbenbürener das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg machen wollte, zu einer Anti-Gewalt-Kundgebung am kommenden Montag auf. Start ist um 12.30 Uhr am Ledenhof. Die für Mittwoch geplante Demonstration wurde aus organisatorischen Gründen abgesagt. Sie war in der kurzen Zeit nicht mehr zu realisieren, weil zu viele Verkehrsknotenpunkte berührt worden wären. Der Schweigemarsch wird sich vom Ledenhof über die Alte Münze, den Kamp, Nikolaiort, Domhof zum Marktplatz bewegen. Dort wollen die Demonstranten Kerzen zum Gedenken an ihren Mitschüler und zur Mahnung entzünden. „Wir wollen ein Zeichen für Toleranz und Menschlichkeit setzen“, sagt Myriam Wrobel, die mit Carla Middendorf und weiteren Studierenden des Comenius-Kollegs den Schweigemarsch initiiert hat. Als UNESCO-Schule stehe das Kolleg in einer besonderen Verantwortung, sagt Myriam Wrobel: „Hier lernen junge Leute aus ganz vielen verschiedenen Nationen jeden Tag friedlich und harmonisch miteinander, und diese Botschaft wollen wir weitertragen.“ Die Botschaft wird auf der Demo nur schweigend und auf Transparenten verkündet.
Die Schülerinnen hoffen, dass die meisten der 470 Mitschüler und viele Osnabrücker an diesem Marsch teilnehmen. Sie wollen damit auch der Politik das Signal geben, mehr Energie und Geld in die Bildung und Integration Benachteiligter zu investieren.
In der Nacht zum Sonntag hatten vier Jugendliche den 22-jährigen Ibbenbürener auf Höhe der Lutherkirche aus bislang nicht ersichtlichen Gründen angegriffen. Der mutmaßliche Haupttäter, ein 17-Jähriger, stach mit einem Kampfmesser zu und verletzte den Ibbenbürener tödlich. Das Opfer war in Begleitung von vier jungen Frauen auf dem Weg in die Innenstadt.
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