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Sichere Unterschrift auch am Computer
Pin-Nummern, wie bei Kreditkarten üblich, kann sich René Baltus einfach nicht merken. Bei einem befreundeten Ingenieur stieß er eines Tages auf eine Wägezelle wie sie auch in elektrischen Waagen verbaut werden. Und da kam ihm eine Idee.
Der passionierte Tüftler aus Bonn hatte nun die Idee, Wägezellen für eine elektronische Unterschrift einzusetzen. So kommt die Druckstärke als dritte Dimension zum grafischen Bild hinzu. Beim Experimentieren entdeckte er dann noch die vierte Dimension: das Zeitverhalten beim Schreiben. Denn bei einer auch noch so fließenden Unterschrift gibt es minimale Pausen, die mit dem Auge nicht wahrgenommen werden. Damit konnte der Computer den persönlichen Schwung einer Schrift, bestehend aus Druckverhalten und Geschwindigkeitskurve, aufzeichnen. Und diese Merkmale der Dynamik sind bei jedem Menschen unterschiedlich und einmalig. So entstand ein druck- und bewegungssensitives Tablett für eine digitale Signatur mit der Unterschrift als biometrische Komponente. Bei einer Veranstaltung des Vereins technischer Erfinder und Innovationsträger in Georgsmarienhütte stellte Baltus die Entwicklung seines Unterschriftenprüfers jetzt vor und ging dabei auch auf die Schwierigkeiten ein, mit denen Erfinder in Deutschland zu kämpfen haben.
Anwendungen für sein Unterschriften-Tablett sieht Baltus in Behörden, Banken, als Zugangskontrolle zu Gebäuden oder Computern, überall dort, wo sich jemand eindeutig identifizieren muss. Das könnte auch die Unterschrift im Personalausweis sein.
Aber auch ganz andere Anwendungen sind mit der Erfindung denkbar. Da das Tablett den Druck und durch die vier Wägezellen in den Ecken auch die Richtung misst, könnte es Ausgangsbasis für einen Windmesser sein, der sogar Auf- und Fallwinde messen kann. In größerer Ausführung als für die Unterschrift könnten über eine derartige Plattform Industrieroboter gesteuert werden oder Personen zum Beispiel auf Flughäfen, möglicherweise in Verbindung mit einem biometrischen Gesichtsvergleich über ihren individuellen Gang eindeutig identifiziert werden. René Baltus sprüht nur so über an Ideen.
Doch Gegenwind spürt Einzelkämpfer Baltus von den großen Konzernen, die ihre eigenen Systeme vermarkten wollen, aber auch von Banken, die an der Pin festhalten wollen. „Offenbar ist mein Gerät zu sicher“, mutmaßt Baltus, der sich bislang vergeblich um die Vermarktung seines Gerätes bemühte.
Vielleicht kommt seine Erfindung aber über einen ganz anderen Weg auf den Markt: als Schreiblehrer in arabischen Schulen. Wenn die entsprechenden Buchstaben vorgegeben sind, können die Schüler solange üben, bis sie das Alphabet beherrschen. Als Baltus sein Handschriften-Erkennungssystem „Hesy“, die Weiterentwicklung trägt den Namen „Classic-Sign“, jüngst bei einer Handelsmesse in den Arabischen Emiraten vorstellte, war der Kronprinz von Ras Al Khaimah, Sheik Saud Bin Saqr Al Qasimi, gleich ganz begeistert von dieser Möglichkeit. Aber auch über Amerika könnte das Baltus-System Einzug in Europa halten: Der US-Rechnungshof stellt den Unterschriftenprüfer von René Baltus als einziges biometrisches Erkennungsgerät auf seiner Homepage im Internet vor.
Zur Sache: Sicherheit durch Biometrik
Biometrische Merkmale wie Fingerabdrücke, Netzhautabtastung, Irisvergleich oder Gesichtsvergleiche spielen bei den Verfahren zur sicheren Authentikation eine immer größere Rolle. Denn nur die biologischen oder physikalischen Eigenschaften eines Menschen (Biometrik) bringen höchste Sicherheit bei einer digitalen Signatur im Gegensatz zu Passwörtern oder Codekarten, die ausgespät, gestohlen oder gefälscht werden können.
Auf dem Markt gibt es mittlerweile mehrere biometrische Verfahren zur Erfassung und zum Vergleich der fälschungssicheren Schreibdynamik. Sie dienen als Zugangskontrolle, elektronische Meldezettel oder elektronische Blaupausen sowie als Empfangsquittung oder zur Authentisierung elektronischer Signaturen. Während andere Verfahren mit drucksensitiven Spezialstiften arbeiten, reicht bei dem Signatur-Tablett von René Baltus ein normaler Bleistift, Filzstift oder Kugelschreiber.
Besonders günstig ist das für elektronische Blaupausen. Will jemand zum Beispiel bei der Stadtverwaltung seinen Hund anmelden, unterschreibt er den Antrag, wobei das Formular auf dem Signier-Tablett liegt. Damit erhält der Hundebesitzer eine greif- und sichtbare Bescheinigung und bei der Verwaltung ist der Vorgang papierlos im Computer gespeichert, einschließlich einer forensisch korrekten Unterschrift. Damit wird der Vorgang für beide Seiten fälschungssicher und gerichtsfest. Gleichzeitig ist die Handhabung denkbar einfach.
Zudem ist die Fälschungssicherheit bei der digitalen Signatur durch Unterschrift besonders groß. Denn andere biometrische Merkmale, wie Fingerabdruck, Netzhautabtastung oder Gesichtsvergleich lassen sich erzwingen, eine korrekte Unterschrift mit der individuellen Dynamik kaum.
Eine Unterschrift kann aber auch mal unmöglich werden, zum Beispiel bei einer Handverletzung. In diesem Fall könnte eine Not-Pin als Ersatz dienen. Bei dem System von René Baltus wird dann aber zusätzlich der Rhythmus bei der Eingabe als biometrisches Merkmal berücksichtigt.
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