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Staatssekretäre aus Hannover am Dümmer: Wenig Hoffnung auf schnelle Hilfe
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„Wir sitzen bis zum Hals in Gülle“

Staatssekretäre aus Hannover am Dümmer: Wenig Hoffnung auf schnelle Hilfe

Lembruch. Als Landtagsmitglied Karl-Heinz Klare (CDU) noch von einem „ersten Schritt“ spricht, der gemacht worden sei, verlassen viele Anwesende kopfschüttelnd den kleinen Raum am Ufer des Dümmers. Zwei Staatssekretäre aus Hannover waren gekommen, um mit den Anwohnern des Binnensees über die Algenplage zu diskutieren. Doch Hoffnung auf schnelle Hilfe konnten sie den Leidgeplagten nicht machen.

 
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Das grüne Übel: Was Christiane Peistrup vom Segler-Club Dümmer hier zeigt, ist Wasser aus dem Dümmer. Archivfoto: Dirk Fisser Christiane Peistrup, Vorstandsmitglied des Segler-Clubs Dümmer, wohnt seit fünf Jahren an dem Binnengewässer. Am Donnerstag präsentierte sie von Algen verseuchtes Dümmer-Wasser. Foto: Dirk Fisser Die Staatssekretäre Friedrich-Otto Ripke (CDU) und Stefan Birkner (FDP) waren auf Einladung der örtlichen Landtagsabgeordneten zum Dümmer gekommen und besahen sich zusammen mit Kommunalpolitikern die Misere. Foto: Dirk Fisser Eine Patentlösung hatten sie allerdings nicht dabei. Foto: Dirk Fisser Das Problem ist keineswegs neu: Diese Ansammlung toter Dümmer-Fische zum Beispiel wurde im Mai 2010 fotografiert. Foto: dpa Badeverbot wegen Blaualgen: So sah es am Dümmer im August 2009 aus. Foto: dpa Und das war im August 2007: Ein Bild, von dem Anwohner und Besucher im Moment nur träumen können. Foto: dpa

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Die Anwohner bangen inzwischen zum Teil um ihre Existenz. „Wir sitzen bis zum Hals in Gülle“, sagt Wilhelm Beckmann von der Wettfahrgemeinschaft Dümmer und bringt damit die Verzweiflung vieler auf den Punkt. Das Wasser verschwindet unter einer Algenschicht, tonnenweise Fische sterben, Gestank zieht über den Dümmer. Nun kommt auch noch eine Mückenplage hinzu. Die Folge: Die Touristen bleiben weg. „Wenn sich nicht schnell etwas ändert, können wir den Laden hier dichtmachen“, sagt Kommunalpolitiker Hermann Dannhus (CDU).

Doch die Staatssekretäre Friedrich-Otto Ripke (CDU) und Stefan Birkner (FDP), die auf Einladung der örtlichen Landtagsabgeordneten zum Dümmer gekommen sind, haben kein Patentrezept in den Aktentaschen. Sie versprechen den Zuhörern – überwiegend Bürgermeister und Landkreisvertreter aus dem Dümmer-Umfeld – kurzfristig 100000 Euro an Landesmitteln in die Erforschung des Großschilfpolders zu stecken.

In ihn setzen viele ihre Hoffnungen. Als eine Art Kläranlage soll der Polder den Eintrag von Phosphat in den Dümmer durch die Hunte abmildern und so das Algenwachstum bremsen. Ob das funktioniert, ist ungewiss. Was feststeht: Der Polder kostet bis zu 20 Millionen Euro. Etwa zehn Millionen hatte das Land als Besitzer des Dümmers bereits in die Umleitung eines Baches investiert, der ebenfalls Phosphat in den Dümmer transportiert. Hinzu kommen 6,3 Millionen Euro, die seit 1989 in Ausbaggerungen von rund einer Million Kubikmeter Schlamm gesteckt wurden. Doch all das hat bislang nicht gereicht.

Die Staatssekretäre betonen gleich mehrmals ihre Betroffenheit. „Wir sind uns bewusst, dass diese Situation eine ernsthafte Einbuße für die Lebensqualität ist“, sagt Stefan Birkner, schiebt aber gleich hinterher: „Es gibt aus unserer Sicht keine kurzfristige Lösung.“ Immerhin wolle man die Suche vonseiten des Umweltministeriums nun „mit höherem Nachdruck voranbringen“.

Ewald Spreen, Bürgermeister der Samtgemeinde Lemförde, überreichte auch im Namen der Städte Diepholz und Damme eine Resolution an die Staatssekretäre, in der er schnelleres Handeln forderte. „335 Vollzeitstellen am Dümmer sind gefährdet“, sagte der parteilose Politiker.

Der See gehört dem Land Niedersachsen, aber die Anlieger-Gemeinden kommen wohl nicht darum herum, selbst in die Rettung des Dümmers zu investieren. „Wenn Ihr Geld wollt, dann muss es Euch auch etwas wert sein“, sagt Staatssekretär Ripke. Die Anwohner haben neben dem Polder noch andere Ideen, wie sie die Algen loswerden können. Einer schlägt vor, den Dümmer für ein Jahr trockenzulegen und dann grundlegend auszubaggern. Ein Vorschlag, der zwar belächelt wird, aber die Verzweiflung vor Ort deutlich macht. Fleißig notieren die Staatssekretäre auch diese Idee und nehmen neben der Resolution gleich mehrere vollgeschriebene Zettel mit zurück nach Hannover.

In den Ministerien soll nun überlegt werden, wie es weitergeht – und dabei sollen dann auch die Dümmer-Anwohner mitreden dürfen, verspricht Staatssekretär Ripke. Denen geht das alles zu langsam. „Das wird dann vielleicht in vier, fünf Jahren etwas. Bis dahin ist hier nichts mehr los“, schimpft einer, als er den kleinen Raum am Dümmerufer verlässt.


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  Leserkommentare

 
B. S., Sonntag, September 4, 2011 um 15:31 Uhr Bin anderer Meinung Die Ursache ist eben nicht unbekannt. Die Hauptgründe für die Überernährung des Sees liegen in erster Linie in der Intensivierung der Landwirtschaft im Einzugsgebiet und Umland des Dümmer. Und zwar über Jahrzehnte hinweg. Das ist der Punkt, über den bei allen gesellschaftlichen Gruppen Einigkeit besteht und vor dem einfach viele die Augen verschlossen haben. Unklar ist, in wie weit die einzelnen Faktoren, also z.B. die Hunte, der Bornbach, das im Schlamm eingelagerte Phosphat, Wasservögel oder Einbringungen durch die Luft, letztendlich für den zu hohen Nährstoffgehalt des Sees im Einzelnen verantwortlich sind bzw. waren. Man kann festhalten, dass diese Stoffe seit Jahrzehnten auf unterschiedlichen Wegen in einer Masse in den Dümmer gelangt sind, die der See unmöglich auffangen kann. Klar sinkt der Nährstoffeintrag seit ein paar Jahren. Die 10 Millionen für die Bornbach-Umleitung wurden nicht sinnlos investiert. Die Fehler wurden aber in der Vergangenheit begangen. Leider sieht man die Auswirkungen bei Ökosystemen immer erst später. Das kann man sich vorstellen wie ein Fass, dass jahrelang geduldig alles aufnimmt, bis es eben überläuft. Ich habe mal im Netz gesucht, um was für Werte es beim Blaualgenwachstum überhaupt geht. Das optimale Wachstum der im Dümmer vorkommenden Blaualgenart liegt bei einer Phosphatkonzentration um 0,1 mg-Phosphor pro Liter. Dieser Wert wird jeden Sommer überschritten und das wird ohne weitere Maßnahmen die nächsten Jahre auch nur schwer bis unmöglich zu verhindern sein.

Hier wird zurecht betont, dass der Phosphateintrag durch die Bornbach-Umleitung bereits um 50% reduziert werden konnte. Aber ein ebenso wichtigerPunkt sind doch die Nährstoffe, die bereits in den See gelangt sind. Korrigiert mich bitte, wenn ich da falsch liege. Das von Thomas B. angesprochene Gutachten aus den 80gern beeinhaltet die Forderung einer Realisierung von Schilfpolder + Bornbachumleitung + regelmäßiges Ausbaggern. Ohne Großschilfpolder gelangen weiterhin zuviele Nährstoffe in den Dümmer und das Problem der eingelagerten Phosphate im Schlamm ist auch nicht gelöst. Die weiteren Maßnahmen kosten viel Geld und diese Mittel waren bisher lt. niedersächsischen Umweltministerium nun einmal leider nicht vorhanden.

Ich beneide die Verantwortlichen nicht um ihren Job. Das Problem ist doch. Selbst wenn jetzt für viele Millionen der Polder sowie das großflächige Ausbaggern doch noch realisiert werden. Die Auswaschung des Phosphors aus dem See würden vielleicht Jahre bis Jahrzehnte dauern. Wird aber nichts unternommen und versucht, kann man den Dümmer See für den Tourismus für die nächsten Jahre in jedem Fall vergessen. Langfristig würde ich mir einfach wünschen, dass man den Schadstoffeintrag verringert bzw vollständig unterbindet. Das kann teilweise über die Einrichtung von weitläufigen Schutzzonen angegangen werden, so dass weniger Gülle und Dünger im Bereich des Sees verwendet wird und auch eine Umstellung auf biologische Landwirtschaft würde sicherlich dazu beitragen, das Problem bei der Wurzel zu packen. Ich meine, bin mir aber nicht sicher, dass die Bundesländer in den nächsten Jahren eh eine von der EU bereits beschlossene Verordnungen zum Schutz des Grund- und Trinkwassers umsetzen müssen. Betroffenen Landwirte würden dann mit EU-Mitteln entschädigt werden.

Wie dem auch sei. Ich hoffe für die Menschen am Lago, dass sich alle Beteiligten für eine zeitnahe Lösung einsetzen und man dem Dümmer wieder auf die Beine hilft. Es geht doch wenig über einen abendlichen Segeltörn von Hüde rüber zum Olgahafen in Dümmerlohhausen, um dann bei einem frisch gezapften Bier den Tag Revue passieren zu lassen.


 
Thea W., Sonntag, September 4, 2011 um 12:32 Uhr Große Hilflosigkeit beim Seeeigentümer Die Versammlung in der Strandlust zeigte auch beim Seeeigentümer große Hilflosigkeit und bei den geladenen Lokalrepräsentanten Verzweifelung.

Mit der Bornbachumleitung wurde 50 % des Phosphateintrages über die Hunte in den Dümmer reduziert. Mit dem geplanten Schilfpolder soll eine weitere Nähr- und Schadstoffreduzierung erfolgen. Leider wird durch beide Aktionen auch die einzige Frischwasserzuflussmenge erheblich reduziert, so dass noch weniger Wasser für die Regeneration verfügbar ist (durch den Schilfpolder verdunstet eine gewaltige Wassermenge!).

Neben dem flussgebundenen Nährstoffeintrag sehe ich noch einen unquantifizierten wasservögelgebundenen Nähr-/Schadstoffeintrag. Die Anzahl von übersommernden Graugänsen und anderen Wasservögeln hat in den letzten 10 Jahren erheblich zugenommen. Diese Tiere bringen vom umliegenden Grünland ihr Pflanzenfutter in verdauter Form in den See. Da hilft auch die flussbezogene Wasserklärung nicht mehr.

Gruß - Blaureiher


 
Rolf - Dieter S., Freitag, September 2, 2011 um 14:35 Uhr öffentlicher Druck auf Kommunen und das Land Niedersachsen Es ist schon bedauerlich, dass sich erst in den letzten 14 Tagen eine öffentliche Meinung bildet und das auch nur von wenigen Menschen vorgebracht wurde.
Auch ich bin ein langjähriger ( über 40 Jahre Segler auf dem Dümmer ) Wochenend- Dümmer Fan und beobachte die Verschlechterung der Wasserqaulität, besonders in den letzten 3 Jahren.
Jedochhat sich die Wasserqualität gegenüber den letzten Jahrzehnten in den beiden letzten Jahrenexplosionsartig verschlechtert.
Hörte man im letzten Jahr von verantwortlichen Stellen, dass die Witterungsverhältnisse ( anhaltende Hitzewelle ) der Auslöser war, so ist und kann in diesem Jahr diese Aussage nicht gelten, denn wir verzeichnen einen verregneten und kalten Sommer.
Was wäre gewesen, wenn es in diesem Jahr auch eine langanhaltende Hitzeperiode gegeben hätte.
nach meiner Meinung wäre dann der Dümmer biologisch tot.
Bisher ist er vom totalen Kollaps verschont geblieben, jedoch sind die Auswirkungen auch so kolossal.
Ich habe in Einzelgesprächen bei den ansässigen Gewerbebetrieb in den letzten Monaten praktisch kein Gehör gefunden, sich dieser sachlage zu stellen und Öffenlichkeitsarbeit zu betreiben. Es wurde immer beschwichtigt" so schlimm ist es dioch nicht"
Wie schlimm soll es noch werden bis sich alle Anrainer zu sammenschließen.
In diesem Jahr müssen die Politiker von uns, den Wochendbesuchern, ob Camper oder Wochenendhausbesitzer, noch die Konseqenzen aufgezeigt werden, die nächstes Jahr auf die Kommunen und das Land zukommen.
Dem Amt Lemförde muss die Zweitwohnungssteuer verweigert werden und die Steuer von allen Anrainern auf ein Sonderkonto eingezahlt werden.
Wir Segler und auch die Bootsvermietungen müssen dem Land Niedersachsen die Befahrensgebühr 2012 verweigern.
Auch hier sollte ein Sonderkonto zur Verfügung stehen, damit wir zeigen können, dass wir bereit sind zu zahlen, wenn die verantwortlichen im Lande deutlch innerhalb kürzester Frist die versäumnisse der Vergangenheit.
Am einfachsten wäre es hier, dass die Segelvereine am Dümmer diese Maßnahmen in die Wege leiten, denn durch die Wettfahrgemeinschaft Dümmer ist man innerhalb der vereine verquickt um diese maßnahme umzusetzen und die wenigen nicht den Segelvereinen angehörigen Segler des Dümmers und die Bootsvermietungen mit ins Boot zu holen.
Wenn wir in diesem Jahr nichts mehr unternehmen, im nächsten Jahr ist es zu spät, denn der Dümmer verkraftet keine weitere Verschiebung.
Ich möchte auch im nächsten Jahr meine Erholung am Dümmer finden und wieder einmal richtig segeln, ohne Gestank und ohne Insekten in solchem Ausmaß wie in diesem jahr, oder wenigstens den Ausblick haben, dess es sich ab dem nächsten jahr es sich wieder bessert.
R.D.

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