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Theaterprobe am Gertrudenberg
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Autor: Uta Biestmann-Kotte 12. August 2011 13:31 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

„Spieltriebe“-Crew erarbeitet Mankells „Chronist der Winde“

Theaterprobe am Gertrudenberg

Osnabrück. Bühne frei im Gotteshaus: Zu den ungewöhnlichen Theaterorten des diesjährigen „Spieltriebe“-Festivals zählt neben dem Piesberg und dem Limberg auch die Gegend um den Gertrudenberg. In der Gertrudenkirche wurde schon vor der Sommerpause für „Der Chronist der Winde“ geprobt.

 
Warm-up vor dem Altar: Alexandre Pierre, Axel Brauch und Selale Gonca Cerit. Foto: Elvira Parton  Vergrößern

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Das Warm-up findet vor dem Altar statt. Die Schauspieler Axel Brauch, Selale Gonca Cerit und Alexandre Pierre liefern sich in clownesker Aufmachung mit Regisseur Alexander Frank ein munteres Ballfangspiel, bei dem jeder Wurf laut mitgezählt wird. Ebenso wie die anschließende Sprechübung dient das Aufwärmprogramm dazu, sich für die Probe im Raum der Gertrudenkirche locker zu machen. Die Kirche mit dem barocken Hochaltar und der guten Akustik gehört mit zur Theater-Route am Gertrudenberg. Ein passender Ort für das Festival, das in diesem Jahr ganz im Zeichen des Jahrestags der Anschläge auf das World Trade Center steht. In der Gertrudenkirche spielte schließlich einmal Erich Maria Remarque die Orgel – über den pazifistischen Schriftsteller lassen sich nun leicht Bezüge zum Thema von Krieg und Frieden finden. Dementsprechend ist auch das Stück für die Spielstätte ausgewählt worden. Auch in dem Drama „Der Chronist der Winde“ nach einem Roman von Henning Mankell geht es um die Auseinandersetzung mit den Folgen von Gewalt und Terror, die nicht einmal vor Kindern haltmachen.

Die Probe der 2. und 3. Szene des Stücks in der Gertrudenkirche zeigt dies auf bedrückende Weise. Mit einer braunen Lederjacke in die Rolle des Jungen Nelio geschlüpft, richtet Cerit eine altertümliche Trompete als Gewehr auf den von Brauch gespielten Peiniger. Lautes Händeklatschen von Pierre symbolisiert die Schüsse, nach denen sich Brauch zu Boden fallen ließ. Auf diese eher allegorische Art versuchen die drei „Chronisten der Winde“, die Geschichte des verwundeten Jungen Nelio ihrem Publikum zu vermitteln.

Neben seinem Faible für den Zirkus nutz Regisseur Frank solche Gauklernummern auch als dramaturgisches Mittel und teilt die Figur des erzählenden Bäckers aus der Mankell-Vorlage auf in die drei Gaukler José (Brauch), Maria (Cerit) und Antonio (Pierre). „Wir behalten den Text und ändern die Spielregeln der Erzählung“, erläutert Frank die Verlagerung vom Erzählerischen zum Dramaturgischen. Zu der von ihm und Dramaturgin Maria Schneider bearbeiteten Fassung gehört auch die Überzeichnung der erwachsenen Figuren. So lässt Brauch in der Rolle des Zwerges Albino seinen Oberkörper wie eine Handpuppe von Cerit dirigieren, hochheben und ablegen.

Bei allen zirkusartigen Einlagen legt Alexander Frank die Rolle der drei Gaukler insgesamt doch eher zwiespältig an: Zwar wollen sie als Chronisten durch die Schilderung von Nelios Leben berühren, informieren und warnen. Gleichzeitig aber machen sie daraus eine Attraktion, die ihnen als Künstler Beifall und Ruhm bringen soll. Ein Erzähltheater mit zirkushaftem und sozialkritischem Anspruch, das sich als Hommage an die Straßenkinder versteht und „alle Zuschauer ab zehn Jahren“ berühren und wachrütteln will. Nach den „Spieltrieben“ soll die Inszenierung ins Emma-Theater übernommen werden.

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