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Tippspiel
The Delta Boys überzeugen mit leidenschaftlichem Blues in Bramsche
Bramsche. Nach der Absage des „Miller Anderson Duos“ mussten die Macher des Sommerkulturprogramms schnell Ersatz finden. Dass Jan Rathjen und Brian McSheffrey dies gelang, konnte man am Donnerstagabend auf dem Kirchplatz sehen und hören. Die zweiköpfige Blues-Band „The Delta Boys“ sorgte mit Akustikgitarre und Mundharmonika für viel Betrieb.
Stilgerecht in Latzhose und Flanellhemd gekleidet, präsentierten Michael van Merwyk (Gitarre, Gesang) und Gerd Gorke (Mundharmonika, Gesang) einen kurzweiligen Trip durch die US-amerikanische Musiklandschaft der 20er-, 30er- und 40er-Jahre. Im Repertoire hatte das Duo den Sound und die Stile (Ragtime, Blues, Oldtime-Jazz und Country), die damals im Mississippi-Delta ihre Blütezeit erlebten.
Das gecoverte Liedgut prägten dabei einschlägig bekannte Namen wie Robert Johnson, Junior Parker oder Sam Phillips. Die Stärken der beiden Musiker waren im Verlauf des Konzerts gerecht verteilt. Stimmlich überzeugte vor allem Michael van Merwyk, der es verstand, sein tiefes Blues-Organ bestens in Szene zu setzen.
Und immer dann, wenn der große Mann an der Akustikgitarre auch zum singenden Protagonisten wurde, unterstützte ihn Gerd Gorke mit seinen hervorragenden Fertigkeiten an der Mundharmonika. Aus dieser „Blues-Harp“ – nicht mit runden, sondern mit eckigen Luftlöchern, wie die „Delta Boys“-Hälfte betonte – holte Gorke diverse Male das Maximum heraus und bewies, warum man ihn auch „Mr. Blues Jr.“ nennt.
Delta-Blues aus dem Westfalen-Delta mag sich auf den ersten Blick etwas komisch anhören, aber Michael van Merwyk und Gerd Gorke schafften es mit ihrer spielfreudigen Nähe zu den Originalen, auch Skeptiker zu überzeugen. Flinkes Fingerpicking an der Gitarre und leidenschaftliches Blues-Harp-Spiel gerieten zum Markenzeichen des Abends. Zu den Höhepunkten zählten der schon von Elvis Presley interpretierte Hobo-Blues „The Mystery Train“ und eine deftige Country-Blues-Version von „You Are My Sunshine“. Dass Gerd Gorke das Stück als seinen Lieblingssong von Hank Williams ankündigte, war allerdings nicht ganz treffsicher. Der Song stammt aus der Feder von Jimmie Davis und Charles Mitchell und wurde eher durch die Interpretationen von Bing Crosby oder Johnny Cash bekannt. Zwar spielten die mitunter rund 90 Jahre alten Songs die Hauptrolle, aber auch kleine Abstecher in die musikalische Neuzeit ließen sich die „Delta Boys“ nicht nehmen. „Sweet Dreams“ von den Eurythmics wurde zum walzenden Blues-Oldtimer, „Ain’t No Sunshine“ von Bill Withers zu einer schwülen Slow-Motion-Veranstaltung, und bei „Personal Jesus“ von Depeche Mode erinnerte das Duo an Johnny Cash, der den Song im Jahr 2002 in ähnlicher Form im Rahmen seiner gefeierten Reihe „American Recordings“ veröffentlichte.
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