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Invasion auf Samtpfoten in der Bramscher Innenstadt - Bald Kastrationspflicht?
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Invasion auf Samtpfoten in der Bramscher Innenstadt - Bald Kastrationspflicht?
Invasion auf Samtpfoten in der Bramscher Innenstadt - Bald Kastrationspflicht?
lori Bramsche. Sie reißen Mülltüten auf, ihre Jungen schreien nachts vor Hunger, sie hinterlassen Dreck, ihre toten und kranken Kumpanen – und Mitleid. Am Bramscher Marktplatz werden verwilderte Katzen gesichtet.
Marion Donk hat das Problem erkannt. Ihre Tochter Georgia fand nahe der Warenannahme des Supermarkts am Marktplatz ein Geschwisterpaar Jungkatzen. „Eine war schon tot, die zweite ist in der Nacht verstorben“, berichtet sie. Von Inzucht, Hunger und Krankheiten sei die Rede. Solches Tierleid wolle sie verhindern und sucht Hilfe: „Es geht ja nicht darum, dass die Katzen verschwinden sollen. Das ist Tierschutz“, erklärt sie. Doch für das Problem scheint niemand zuständig zu sein. Bei der Stadt habe man ihr gesagt „wenn das so wichtig wäre, sollte ich mich doch selbst darum kümmern“. Einen eigenen Tierschutzverein hat Bramsche seit Jahren nicht, die Vereine in Bersenbrück und Osnabrück fahren aus Geldnot kaum noch Einsätze über ihr Verbreitungsgebiet hinaus. „Es ist ja kein Problem der Katzen. Sie folgen nur ihren Trieben. Ich sehe das als gesellschaftliches Problem. Irgendwer hat die Tiere ja auch ausgesetzt. Und der ist verantwortlich.“
Eine kurze Umfrage unter den Anwohnern des Marktplatzes bestätigt die von Marion Donk vermutete Katzenplage aber zunächst nicht. Er habe noch nie auch nur eine Katze auf dem Marktplatz gesehen, sagte ein Einzelhändler.
Wilde Katzen am Markt
Indes berichtet Olga Belinger vom Pantry am Markt, im letzten Jahr seien „vier oder fünf Katzen“ regelmäßig zum Sonnenbaden in den Außenbereich der Imbissbude gekommen. Auch Jungtiere hätten sie direkt im Garten gehabt. „In letzter Zeit habe ich aber keine mehr gesehen.“ Gibt es sie nun, die wilden Katzen in der Bramscher Innenstadt?
Auch wenn tagsüber keine streunenden Katzen gesichtet würden, sei das durchaus möglich, erklärt Martina Armbrecht, Vorstandmitglied und Tierschutzbeauftragte des Katzenschutzbundes Osnabrück. Die Katzen kämen besonders nachts aus ihren Verstecken, „tagsüber werden sie ja auch nur verscheucht“. Aus der Vergangenheit sind der Tierschützerin ähnliche Fälle aus Bramsche bekannt. Noch im letzten Jahr sei sie selbst am Bramscher Friedhof angerückt, um wilde Katzen einzufangen und zu kastrieren, erinnert sie sich. Auch auf dem ehemaligen Aldi-Gelände hatte sich eine Population von zehn Tieren gebildet. Angefüttert von rührseligen Mitarbeiterinnen, hätten die Tiere sich ungehindert vermehrt. „Das ist uns immer ein Dorn im Auge. Anfüttern ist nur erlaubt, wenn man im selben Atemzug auch kastriert.“
Kastration nötig
Der operative Eingriff sei extrem wichtig, erklärt Armbrecht, um die ungehinderte Vermehrung der Katzen zu verhindern. Eine kurze Rechnung: Eine Katze kann pro Jahr drei- bis sechsmal werfen und dabei jeweils zwei bis sechs Junge gebären. Angenommen, nur zwei Welpen würden pro Wurf überleben und sich nach einem halben Jahr mit einsetzender Geschlechtsreife selbst mit gleicher Quote weitervermehren, dann entstünden aus einer Katze in zehn Jahren 80 Millionen Individuen.
Die erwachsenen Tiere setzen die Tierschützer nach der Operation wieder am Fundort aus. Nur die Jungkatzen können gezähmt und weitervermittelt werden. Bisher habe dieses System immer funktioniert. In Osnabrück habe man es geschafft, mit gezielten Kastrationsaktionen die Katzenpopulation konstant zu halten. Doch „seit etwa drei Jahren lassen sich auch Jungkatzen nur noch schlecht vermitteln. Es gibt einfach zu viele“, erklärt Armbrecht.
Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass es sich bei der Warenannahme des Supermarkts um einen Katzentreffpunkt handelt: „Manche Hauskatzen haben so einen Ort, an dem sie sich abends mit anderen treffen. Aber sie gehen immer wieder zu ihren normalen Futterstellen zurück.“
Fundtier oder Streuner?
Endsprechend schwierig sei die Unterscheidung zwischen herrenlosen Tieren und den sogenannten Fundtieren,
Dabei ist dieser Unterschied juristisch eminent wichtig. Handelt es sich bei einer Katze um ein Fundtier, also eine Hauskatze, die ihren Heimweg nicht mehr findet, ist die Kommune gesetzlich verpflichtet für die Unterbringung des Fundtiers, beispielsweise in einem Tierheim, zu sorgen, bis der rechtmäßige Eigentümer gefunden ist. Das kostet die Stadt Geld. Bei wild lebenden Streunern, den herrenlosen Katzen ohne Eigentümer entfällt diese Fürsorgepflicht. Auch Dagmar Paschen, Pressesprecherin der Stadt Bramsche, sagt, „eine streunende Katze ist noch lange kein Fundtier“. Fundtiere sollten durch Halsband, Mikrochip oder Tätowierung eindeutig einem Besitzer zuzuordnen sein. „Da sind wir, wie für jede andere Fundsache auch, über unser Fundbüro zuständig.“ Bei Streunern gelte das nicht. Erst wenn gesundheitliche Risiken zu befürchten sind oder wenn Anwohner durch die große Anzahl der Tiere beeinträchtigt werden, würde die Stadt eingreifen. „Aber bisher haben wir keine entsprechenden Beschwerden erhalten.“
Verordnung diskutiert
Weil die Kommunen den Katzen nicht helfen können, rücken Armbrecht und Gleichgesinnte immer wieder mit ihren Lebendfallen aus. Das Phänomen, dass wilde Katzenpopulationen Anwohner, Tierschützer und Ordnungsämter in Atem halten, ist nämlich weit verbreitet. „Das ist überall gleich“, berichtet Martina Armbrecht. Die vielen Hilfegesuche, auch aus entfernten Orten wie Bramsche, können die Osnabrücker Katzenfreunde finanziell nicht mehr bewältigen. „In den Gemeinden, die außerhalb unseres Einsatzgebiets liegen, können wir leider Gottes nicht mehr aus der Tasche“, erklärt Armbrecht.
In vielen Kommunen wird daher mittlerweile eine Kastrationspflicht für alle frei laufenden Katzen diskutiert. Um der drohenden Plage Herr zu werden, laufen auch in Osnabrück und Georgsmarienhütte Gespräche im Stadtrat, während in Paderborn eine entsprechende Verordnung bereits durchgesetzt ist. In Bramsche würden die Entwicklungen in den anderen Gemeinden beobachtet, so Dagmar Paschen, doch bisher habe die Stadt „eine solche Verordnung nicht für nötig befunden“.
Martina Armbrecht hält die Kastrationspflicht für ein probates Mittel, Druck auf Katzenbesitzer auszuüben. „Eine Kastration kostet um die 100 Euro“, die gebe fast niemand freiwillig aus. Haltern mit einer Geldbuße zu drohen hält die Tierschützerin für richtig. Obwohl sie weiß, „dass man die Verordnung schlecht kontrollieren kann. Da müsste ein Nachbar den anderen anzeigen.“
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"Die Natur hat nicht vorgesehen, daß der Mensch Katzen kastriert, um die Katzenpopulation zu steuern. "
Hilf Himmel - in welchem Jahrhundert lebt der Schreiber dieses Kommentars????
Die errechnete Anzahl der Katzen kommt sehr wohl auf die Welt - stirbt aber meist qualvoll in den ersten Lebensmonaten. Kastration ist das einzige Mittel, die Katzenschwemme einzudämmen, die von den Gemeinden seit Jahren auf private Tierschützer abgewälzt wird, weil auch Tierheime nicht mehr aufnehmen können und wollen. Jede Katze wird per se als herrenlos bezeichnet, und dafür will niemand zuständig sein. Kommentar der Gemeinde Bersenbrück, Herr Schuckmann: "Katzen, das ist doch Ungeziefer, schlimmer als Ratten und Mäuse - damit will ich nichts zu tun haben." Dagmar Paschen drückt es lediglich diplomatischer aus.
Nach dem Vorbild von Paderborn und ca. 25 weiteren Gemeinden, die mit der Kastrationspflicht für Freigänger sehr gute Erfahrungen gemacht haben, sollte auch der nördliche Landkreis OS endlich durchgreifen. Und die Tierfreunde, die bisher Zeit und viel Geld investiert haben, um wild lebende Katzen einzufangen, zu kastrieren, zu kennzeichnen und um deren Nachwuchs von der Straße zu holen, werden kein Problem damit haben, die von den Kommunen so gefürchtete Kontrolle mit zu übernehmen.
In Nordrhein-Westfalen wird mittlerweile die Kastration frei lebender Katzen vom Land bezuschusst, sofern sie von eingetragenen Tierschutzvereinen durchgeführt wird. In NRW war man eben immer schon ein bisschen fortschrittlicher....