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Tippspiel
Spielen auf Sand
Osnabrück. Blogs sind eigentlich eine virtuelle Bühne im Internet. Die Regisseurin Liz Rech holt sie für Spieltriebe 4 in die analoge Welt – mit „Blogosphere Iraq“.
Gespielt wird hier auf Sand. Für „Blogosphere Iraq“ haben Liz Rech und Bühnenbildnerin Kaja Bierbrauer kiloweise davon ankarren lassen, der nun den Boden im Schießkino der Limberg-Kaserne vollständig bedeckt. Mitten im Sand steht ein Tisch, hinter dem die Regisseurin Platz genommen hat. An diesem Vormittag steht eine Einzelprobe mit Schauspieler Dennis Pörtner an.
„Da ist die Bühne“, wendet sich Liz Rech in freundlichem Ton der Journalistin zu, die ihren Stuhl zwecks besserer Sicht neu positionieren will. Denn der Zuschauerraum befindet sich in diesem Fall auf einem schmalen Streifen mitten im Raum, um den die Bühne herumführt.
Schon das zeigt: Klassisches Theater ist das hier nicht. Entstanden ist „Blogosphere Iraq“ aus zwei Blogs, die beide mit dem Irak-Krieg zu tun haben und doch extrem unterschiedlich sind. Der eine stammt von einer jungen Frau mit dem Namen Riverbend, die über ihr Leben in Bagdad nach der amerikanischen Invasion erzählt. Der andere stammt von dem amerikanischen Soldaten Jonathan Trouern-Trend, der die Vogelwelt im Irak beobachtet. Dennis Pörtner robbt wie ein Soldat durch den Sand, während er die Natur des Iraks beschreibt. Ein bewusster Bruch. So werde „über die körperliche Ebene eine andere Realität“ erzählt, sagt Liz Rech. Die Kriegsrealität eben. Denn von der ist in Jonathans Einträgen keine Rede.
Blogs an sich sind erst einmal keine alltägliche Textgrundlage für die Theaterbühne. Doch Liz Rech hat schon viele ungewöhnliche Wege ausgetestet. Zwar inszeniert sie auch gern zur Abwechslung Stücke. Doch Rechs Label ist die Arbeit zwischen „Installation, Performance und Schauspiel“, wie sie es selbst beschreibt.
Ursprünglich wollte sie Dramaturgin werden und nahm deshalb einen entsprechenden Studiengang in München auf. Doch während sie Kommilitonen hatte, die „den ganzen Tag in der Bibliothek saßen“, zog es sie in die „Nähe der Bühne“.
Während ihres Studiums entstanden ihre ersten Regiearbeiten. Nach dem Abschluss zog sie nach Hamburg, wo sie Regie studierte. Unter anderen bei Falk Richter und Sandra Strunz.
In der Hansestadt beteiligte sich Liz Rech 2009 an der Besetzung des Gängeviertels. Etwa 200 Künstler forderten mehr und bezahlbaren Raum für Kreative. „Wir haben aber einen anderen Umgang mit der Besetzung gewählt“, berichtet Liz Rech. Statt sich vor der Polizei zu verbarrikadieren, wählten die Künstler die „Strategie der Öffnung“ und organisierten für ein Wochenende eine Ausstellung in den besetzten Häusern. Das funktionierte. Die Aktion zog viel Öffentlichkeit an. Die Stadt machte den geplanten Verkauf der Gebäude im Gängeviertel schließlich wieder rückgängig.
Räume sind für Liz Rech ohnehin sehr wichtig. „Sie sind der Anfang von allem“, sagt sie. Von ihnen hängt ab, wie eine Arbeit von Liz Rech aussieht. Das gilt auch für „Blogosphere Iraq“. Das Konzept hat die Regisseurin den Gegebenheiten im Schießkino auf dem Limberg angepasst.
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