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Nacktwandern erfreut sich zunehmender Beliebtheit
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Wandern in der Luftbadehose

Nacktwandern erfreut sich zunehmender Beliebtheit

Melle. „Hoho“ und „hihi“ geht es seit Tagen in der Redaktion. Der Kollege recherchiert zum Thema Nacktwandern –hoho! Hilfe bei der Bildersuche gefällig, hihi? Sobald nackte Tatsachen ins Spiel kommen, reagieren halt viele Menschen eigentümlich. Keiner weiß das besser als die Nacktwanderer, denn Begegnungen mit Textilern bleiben ja nicht aus.

 
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Nachdem Nacktwanderer das schweizerische Appenzell zum textilfreien Paradies ausgerufen hatten, wehrten sich Anwohner auf ihre Weise. Foto: René P. Moor Eine Wandergruppe eröffnete im Mai die Saison auf dem Naturistenstieg in Wippra. Fotos (2): dpa Der Harzer Naturistenstieg im Wippertal bei Wippra in Sachsen-Anhalt ist Deutschlands erster Nacktwanderweg.

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Schaut man sich einschlägige Seiten im Internet an und spricht mit passionierten Nacktwanderern, schälen sich schnell drei „Begegnungstypen“ heraus. Nummer eins schaut krampfhaft weg – egal wohin, bloß keine Blöße geben und Blößen registrieren. Typ zwei demonstriert sein Missfallen mit demonstrativem Kopfschütteln. Die dritte Spezies – in der freien Wildbahn am häufigsten anzutreffen – reagiert offen, spricht die Wanderer vielleicht sogar an und erkundigt sich nach der Motivation oder betreibt Faktencheck: „Scheuert der Rucksack nicht?“ und „Warum macht ihr das“ sind viel gestellte Fragen.

Antwort eins ist leicht: Nein, die modernen scheuern nicht. Die Frage nach dem Warum ist nicht so offensichtlich zu beantworten. Von „verschwitzten T-Shirts“ ist dann die Rede, vom senkrechten Energiefluss im Körper, der durch Kleidung abgeschnürt werde, aber hauptsächlich vom Wind, den man auf der Haut spürt, von Freiheitsgefühlen, Naturverbundenheit. Jeder, der schon mal Nacktschwimmen war, kennt das.

Von der „Luftbadehose“ spricht schon 1925 ein gewisser E. Kühn in einem Erfahrungstext über das Nacktwandern, am Strand ist sie heute längst kein Aufreger mehr. Merkwürdig, dass mancher Zeitgenosse im Wald widernatürlich findet, was an jedem Nacktbadestrand Alltag ist. „Die Kinder!“ heißt es dann immer, oder „die Leute!“ – wohl noch nie in der Geschichte der Nackten hat jemand gesagt: „Ich will das nicht sehen.“

Obwohl aktive Nacktwanderer berichten, dass negative Reaktionen, die über Kopfschütteln hinausgehen, im Ein-Prozent-Bereich anzusiedeln sind, freuen sie sich dennoch, im Harz endlich einen offiziellen Nacktwanderweg vorzufinden. Ursprünglich in Dankerode gestartet, muss es allerdings schnell Ärger gegeben haben. Der damalige Initiator, ein Campingplatzbesitzer und Gastwirt, jedenfalls ist am Telefon kurz angebunden: „Damit habe ich nischt mehr zu tun!“ Dem Vernehmen haben seine Campingstammgäste sich beschwert.

So ist der „Naturistenstieg“ ins benachbarte Wippra gezogen, was für Medienaufmerksamkeit von ARD über ZDF bis hin zur Sunday Times in London gesorgt hat, von der Ortsbürgermeisterin Monika Rauhut leider keine Ausgabe bekommen konnte. Steht aber alles im Internet. Die Wippraer nähmen die Nackten gelassen hin, sagt sie, kein Problem. Im Gegenteil: Diesen Nackten kann man sogar in die Tasche fassen: Sie sorgen für leicht gestiegene Übernachtungszahlen. Außerdem liege der Nackedei-Weg fünf Kilometer vom Dorf ab und beginne an der Talsperre, auf deren linker Seite schon zu DDR-Zeiten nackt gebadet wurde und auch heute noch: „Wir sind da nicht so prüde.“ Ob sie denn selber schon mal...? „Um Gottes willen, nee, doch nich hier!“

Nacktwandern und Nacktsein sind übrigens nicht verboten und führen in der Regel auch nicht zu Ärger mit der Polizei, solange nicht ausgerechnet die Innenstadt angesteuert wird, sondern ein eher ruhiger Wald- oder Wanderweg.


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