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Festival neben ehemaligem Lager: Verein kann damit leben
Osnabrück. Der Verein Antikriegsbaracke Atter verzichtet darauf, am Rande des Open-Air-Konzertes in der ehemaligen Kaserne in Atter/Eversburg über die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Eversheide zu informieren.
„Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das kontraproduktiv wäre“, sagte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Tilman Westphalen gestern. Auch die Idee, die Bands zu bitten, in ihrem Programm auf die besondere Geschichte dieses Ortes einzugehen, sei nicht weiter verfolgt worden. „Wir haben beachtliche Nachdenklichkeit erzeugt, das ist ein Erfolg“, ergänzte Vorstandsmitglied Helmut Schmitz. „Wir wollen aber nicht mit erhobenem Zeigefinger herumlaufen.“
Der Verein hatte zunächst bestürzt auf die Ankündigung des Open-Air-Konzertes in der Kaserne reagiert. Doch als klar wurde, dass das Festival-Gelände nicht das Gebiet des früheren Gefangenenlagers berührt, legte sich die Aufregung.
Die Kaserne war 1938 auf der grünen Wiese für die Wehrmacht zu Ausbildungszwecken gebaut worden. Die zunächst 20 Baracken wurden 1940 um weitere 40 ergänzt. Ab 1941 waren hier bis zu 5000 serbische Offiziere interniert. Unter ihnen lebten zeitweise bis zu 400 Männer jüdischen Glaubens. Durch das Tagebuch des späteren niedersächsischen Landesrabbiners Zvi Asaria ist überliefert, dass sie im Lager nahezu unbehelligt ihre religiösen Feste und Glaubensriten feiern und sogar ihre Toten auf dem jüdischen Teil des Johannisfriedhofs bestatten durften – während überall im Deutschen Reich Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden. Am 6. Dezember 1944 starben bei einem alliierten Bombenangriff 160 Menschen. Ihre Leichen wurden auf dem Eversburger Friedhof bestattet.
Wenig bekannt ist über die Geschichte der serbischen Kolonie in Osnabrück, die aus den internierten königstreuen Offizieren hervorgegangen ist. Die serbisch-orthodoxe Kirche an der Wersener Straße und ein Mahnmal auf dem Eversburger Friedhof sind die sichtbaren Dokumente dieser bislang wenig beachteten Geschehnisse.
Nach dem Krieg übernahm die britische Armee die Kaserne an der Landwehrstraße. Sie hieß fortan „Quebec Barracks“. 2008 zogen die Briten ab und hinterließen ein 38 Hektar großes Gelände mit sehr unterschiedlicher Bebauung. Einen Teil beherrschen die Baracken aus der Kriegszeit, einen anderen moderne Quartiere und Panzerhallen. Der Verein Antikriegsbaracke will mehrere Baracken als Dokumentationszentrum erhalten. Unter Denkmalschutz steht nur eine, die Baracke 35. Investoren stehen offenbar bereit, die die Kaserne zivil nutzen wollen. Die Stadtverwaltung will im Herbst ein Konzept vorlegen, wie die geschützte Baracke als Gedenkstätte und für die Friedensarbeit sinnvoll genutzt werden kann.
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28.03.2013
