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Vor 75 Jahren starb der Osnabrücker Ehrenbürger Dr. Siegfried Pelz
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Autor: Jann Weber 25. Juli 2011 19:38 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

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Geronimo V. Dienstag, 26. Juli 2011 14:24 Uhr

Schikane am Lebensabend

Vor 75 Jahren starb der Osnabrücker Ehrenbürger Dr. Siegfried Pelz

Osnabrück. Dr. Siegfried Pelz war ein Arzt, der sich um viele Menschen verdient gemacht hatte – als Chirurg im Stadtkrankenhaus und als Helfer von Patienten in finanzieller Not. 1928 verlieh ihm die Stadt Osnabrück die Ehrenbürgerschaft.

 
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Das Stadtkrankenhaus war von 1873 bis 1922 der Arbeitsplatz von Dr. Siegfried Pelz (kleines Foto). Von 1909 an war er hier Chefarzt. Heute befindet sich die Volkshochschule in dem Gebäude. Fotos: Archiv

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Doch die Nationalsozialisten missachteten sein Lebenswerk, weil er aus einer jüdischen Familie stammte – und offenbar auch wegen seiner menschenfreundlichen Haltung. Sie demütigten ihn am Ende seines Lebens und erkannten ihm die Ehrenbürgerschaft ab, die er erst nach seinem Tod wiedererlangen sollte. Heute vor 75 Jahren, am 26. Juli 1936, starb Dr. Siegfried Pelz.

Er wurde 1848 in Posen geboren, studierte Medizin, diente 1870/71 als Feldarzt und kam 1873 nach Osnabrück ins Stadtkrankenhaus, in dessen damaligem Gebäude sich heute die Volkshochschule befindet. Zunächst arbeitete Siegfried Pelz als Assistenzarzt, 1878 wurde er Leiter der neu gegründeten chirurgischen Abteilung, 1909 Chefarzt. In der Zwischenzeit war er aus der jüdischen Religionsgemeinschaft ausgetreten. Im Ersten Weltkrieg unterstanden ihm alle Lazarette der Stadt und des Osnabrücker Landes, und er erhielt das Eiserne Kreuz am Bande. Als Siegfried Pelz 1922 in Pension ging, war er 74 Jahre alt.

Siegfried Pelz galt als Menschenfreund und „Retter der Armen“. Der Osnabrücker Pädagoge und Historiker Dr. Heinrich Koch (1911–2003) würdigte ihn vor 25 Jahren so: „Er nahm die bescheidensten Honorare, strich sie aber auch häufig genug und legte noch zu, wenn es ihm aus sozialen Gründen nötig erschien. Sogar Kuraufenthalte finanzierte er, wenn sie aus offensichtlicher Notlage nicht angetreten werden konnten.“

1928, an seinem 80. Geburtstag, ernannte ihn die Stadt Osnabrück zum Ehrenbürger. Der Künstler Fritz Bürger hatte eine Bronzebüste nach ihm modelliert, die in der Eingangshalle des Krankenhauses aufgestellt wurde. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen hatten, erkannten sie Siegfried Pelz die Auszeichnung ab und vernichteten die Bronzebüste. Das war der Auftakt weiterer Schikanen. Vor seiner Wohnung an der Natruper Straße spannten Nationalsozialisten ein Spruchband mit antisemitischen Parolen. Schließlich verweigerten sie ihm den öffentlichen Mittagstisch.

Als Siegfried Pelz 1936 gestorben war, verbot die NSDAP den Zeitungen die Veröffentlichung eines Nachrufs und Vertretern der Stadt die Teilnahme an der Trauerfeier. Sie konnte aber nicht verhindern, dass sich viele Menschen dem Trauerzug zum Hasefriedhof anschlossen. Dr. Heinrich Koch sah darin „eine spontane Kundgebung für die Menschlichkeit“, für die der Verstorbene gestanden hatte, und einen „Lichtblick trotz aller dunklen Schatten über den Abschied dieses begnadeten Osnabrückers“.

Die Nationalsozialisten hatten es in ihrem Rassenwahn auch auf die beiden Töchter von Siegfried Pelz abgesehen. Sie verschleppten Anna Pelz, die ihren Vater versorgt hatte, 1941 ins Konzentrationslager nach Riga und erschossen sie wenige Monate später. Ihre Schwester Clara Witte-Pelz, die in Hannover als Malerin arbeitete, überlebte den Krieg als Ehefrau des Kunstakademieleiters Curt Witte – doch beide wurden schikaniert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Dr. Siegfried Pelz posthum seine Ehrenbürgerschaft zurück. Nach ihm wurde später auch eine Straße benannt, die von der Knollstraße abzweigt.

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  Leserkommentare

 
Geronimo V., Dienstag, Juli 26, 2011 um 14:24 Uhr Lokalgeschichte - ich finds gut... Ein sehr interessanter Artikel, besonders wenn man bedenkt, dass das Osnabrücker Klinikum in diesem Jahr sein 200 Jahre-Jubiläum feiert und nun genau vor 20 Jahren vom Wall an den Finkenhügel gezogen ist.

Von solchen lokalen Geschichten hätte ich gerne mehr!
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