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Spieltriebe im Osnabrücker Theater (3): Limberg-Routen zeigen zeitgenössisches Theater
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Spieltriebe im Osnabrücker Theater (3): Limberg-Routen zeigen zeitgenössisches Theater
Spieltriebe im Osnabrücker Theater (3): Limberg-Routen zeigen zeitgenössisches Theater
Osnabrück. Auf den fünf „Spieltriebe“-Routen in der neuen Intendanz von Ralf Waldschmidt ist längst geprobt worden. Bevor das Festival am 2. September startet, stellen wir in einer Serie die Vielfalt der Erzähl- und Spielstile an ungewöhnlichen Spielorten vor, aber auch Regisseure und Dramatiker.
Schlammbesudelt und nur in Unterwäsche stehen die Schauspieler auf der Bühne. „Eine Stunde, 58 Minuten“, ruft ihnen jemand aus dem Zuschauerraum zu, von wo Regisseur Felix Meyer-Christian und sein Team den Durchlauf von „Hundegrab“ verfolgt haben. Immerhin, eine Stunde weniger als am Vorabend. Aber das Stück dauert trotzdem immer noch eine Stunde zu lang. Schließlich wird es für die Zuschauer beim Spieltriebe-Festival vom Naafi-Supermarkt, wo „Hundegrab“ zu sehen ist, noch weiter zu anderen Vorstellungen gehen.
„Hundegrab“, ein Stück der Italienerin Letizia Russo, erzählt von Menschen, die jenseits der Front eines lange dauernden Krieges leben. Die alte Glauke hat sich aus Verzweiflung über den Tod ihrer Tochter die Augen ausgestochen und hofft, endlich zu sterben. Ihr Sohn Johnny hat sich in Mánia verliebt und mit ihr ein Kind gezeugt. Doch die will sich nicht zu ihm bekennen, weil sie darauf wartet, dass ihr Mann aus dem Krieg zurückkommt.
Hoch konzentriert schaut Felix Meyer-Christian beim Durchlauf auf die Bühne und ruft hier und da Schauspielern und Technikern Anweisungen zu. Der Regisseur setzt bei seiner Inszenierung viel auf Körpersprache. Im Bühnenhintergrund vollzieht sich eine Choreografie, bei der sich die Schauspieler mal wie im Kampf, dann wie in einem Kinderspiel bewegen. Änderungen bis zur Premiere seien allerdings durchaus möglich, betont Festivalleiter und Dramaturg Hilko Eilts, der sich den Durchlauf an diesem Abend ansieht.
Die deutschsprachige Erstaufführung von Letizia Russos Stück ist auf dem Limberg insofern eine Ausnahme, als es neben den drei Kurzopern von „Kompositionen Zwei“ in der Mannschaftsmensa das einzige mit fester Stückgrundlage ist. „Blogosphere Iraq“, „Wenn die Sonne immer noch so schön scheint...“ und „Wartopia“ werden dagegen im Wesentlichen noch während der Proben entwickelt.
„Blogosphere Iraq“ etwa beruht auf der Grundlage zweier Blogs: dem der Irakerin Riverbend und dem des amerikanischen Soldaten Jonathan. Regisseurin Liz Rech entwickelt im Schießkino mit zwei Schauspielern eine Performance zu den Texten einer jungen Frau, die aus der Innensicht des kriegsgebeutelten Bagdad erzählt, und über Jonathan, der über die Natur im Irak schreibt. 140 Seiten haben Rech und Hilko Eilts aus den Blogs für das Stück ausgewählt. Während der Proben sind die Seiten inzwischen auf 25 geschrumpft. Immer noch zu viel. Denn auch hier gilt: Viel mehr als eine Stunde darf es nicht sein.
Wie die Bühne im Mannschaftskasino aussehen wird, ist noch nicht klar. Regisseur Frank Abt und sein Team haben erst wenige Tage zuvor mit ihrer Arbeit begonnen. Der Journalist Dirk Schneider hat für „Wenn die Sonne noch so schön scheint...“ Osnabrücker interviewt und sie erzählen lassen, wie sie den 11. September 2001 erlebt haben. So entsteht nicht nur ein geschichtlicher Rückblick, sondern auch ein Einblick in das Leben der Interviewten.
Für „Wartopia“, das in der Kirche der Kaserne zu sehen sein wird, gab es anfangs nicht einmal Blogs oder Interviews. Regisseur Pedro Martins Beja schreibt die Texte auf Grundlage dessen, was er und die Schauspieler selbst entwickeln. Gibt es im Krieg etwas, was Menschen im Frieden vermissen? Und gibt es eine nationale Identität jenseits faschistoider Mythen? Das sind unter anderem Fragen, die das Stück stellt.
Hehre Gefühle sind in der Mannschaftsmensa zu erleben. Dort lauscht Regisseur Guillermo Amaya gerade konzentriert einer Soloprobe von Sängerin Elena Cruz. Drei Kurzopern an verschiedenen Stellen der Mensa inszeniert der Spanier Amaya. Eine davon ist Jürgen Stings „Flügeltraum“, in dem zwei Liebende einsam ihre Monologe singen – ohne zueinanderzukommen. „Das ist das Traurige“, so Amaya.
Auch traurig, aber wesentlich schmutziger geht es im Naafi-Supermarkt zu. Dort heißt es für die Schauspieler nach den Proben von „Hundegrab“ erst einmal: Duschen gehen.
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