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Tippspiel
Wo „Die Mondverschwörung“ anfing
Westerkappeln. Die Geschichte geisterte vor 15 Jahren durch die Weltpresse. Und jetzt ist sie sogar im Kino zu sehen. Mittendrin Martin Jürgens. Oder besser zu Beginn des Films. Denn „Die Mondverschwörung“ nimmt in Westerkappeln ihren Anfang.
Das klingt sehr skurril und ist es auch. „Eine faszinierende Recherchereise durch ein Deutschland der Mondanbeter und Verschwörungstheoretiker“, schreibt etwa die Zeitschrift epd Film. „Erhellend, komisch und erschreckend“, meint der Tagesspiegel in Berlin. Und als „herrlich absurde Dokumentation“ wird der Film von der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ gepriesen.
Martin Jürgens weiß von alldem nichts. Erst nach einigem Nachdenken fällt dem Westerkappelner Rentner ein, dass da mal Leute geklingelt hatten. Es war im Jahr 2005, und die Leute waren mit ziemlicher Sicherheit Darsteller Dennis Mascarenas und Regisseur Thomas Frickel, der auch das Drehbuch geschrieben hat und die Kamera führte. „Die kamen gerade vom Schützenfest in Westerkappeln“, sagt Jürgens. Dort hatte Mascarenas eine kleine Umfrage gemacht, die übrigens auch in dem Streifen zu sehen ist.
Dass Jürgens Begegnung an der Haustür sechs Jahre später ins Kino kommt, hätte dieser nie gedacht. Doch der vermeintliche Streit um die Besitzrechte am Mond hat den heute 74-Jährigen eingeholt – wieder einmal.
Alles hatte im Juni 1996 begonnen. Da las Martin Jürgens in der Zeitung vom US-amerikanischen Immobilienmakler Dennis Hope, der sich 1980 von den Bezirksbehörden in San Francisco als Eigentümer des Mondes und aller Planeten hatte registrieren lassen und fleißig Parzellen des Erdtrabanten veräußerte.
Jürgens ärgerte sich über diese „dumm-dreiste Überheblichkeit“ und beschloss, Hope einen Brief zu schreiben. Die Adresse des kalifornischen Geschäftsmanns erfragte er bei der Deutschen Presse Agentur (dpa). Diese half gerne weiter, bat Jürgens aber um einen Durchschlag seines Schreibens.
Um Hope den Spiegel der eigenen Unverfrorenheit vorzuhalten, berichtete Jürgens von einer Legende, die seit vielen Generationen in seiner Familie erzählt werde: Danach habe sein Urahn den Mond am 15. Juli 1756 von Friedrich dem Großen für treue Dienste geschenkt bekommen. Dieser dürfe seitdem immer an den ältesten Sohn vermacht werden, habe der preußische König angeordnet.
Als Jürgens’ nicht ernst gemeinter Brief erst einmal in der Welt war, sorgte dpa dafür, dass der Inhalt um die Welt ging. „Mein Gott, was war das damals ein Schock“, blickt der Rentner auf den 8. August 1996 zurück, als die Meldung morgens über den Nachrichtenticker lief. Reporter von Funk, Fernsehen und den Zeitungen wurden nach Westerkappeln geschickt, das Telefon stand nicht still. „RTL hat mir sogar Geld für ein Interview angeboten“, plaudert Jürgens aus dem Nähkästchen. „Ich hatte einiges auszuhalten.“
Doch der Rentner schlug alle Anfragen von Journalisten und Buchautoren sowie Einladungen zu Talkshows in den Wind. Nur den „WN“ erzählte er damals die wahre Geschichte. „Ich war nie an Klamauk interessiert und wollte auch gar nicht, dass man von mir Notiz nimmt.“
So ließe sich der von den Medien heraufbeschworene Streit um die Besitzrechte am Mond einfach in die Rubrik „Versachlichung des Schwachsinns“ einordnen. Doch das sieht der Rüsselsheimer Filmemacher Thomas Frickel anders: „Dennis Hope ist damit reich geworden.“ Zigtausende Grundstücke habe der Amerikaner verkauft. Sogar wissenschaftliche Kongresse hätten sich damit beschäftigt, wem der Mond gehöre.
Hopes Immobiliengeschäfte für lunare Grundstücksflächen sind denn auch Ausgangspunkt für die Recherchen von Dennis Mascarenas, Chefreporter des amerikanischen Fernsehsenders DDC-TV. „Jürgens ist das Bindeglied, mit dem er sich auf die Reise nach Deutschland macht“, erläutert Frickel. Mit seinem roten VW Käfer (Kennzeichen C-IA 666) steuerte der füllige Journalist vor sechs Jahren zuerst das Schützenfest in Westerkappeln und dann Martin Jürgens an.
„Das dauert immer eine Weile, bis so etwas aufbereitet ist“, begründet Frickel den zeitlichen Verzug zwischen Dreharbeit und Fertigstellung. Martin Jürgens hat nur einen Kurzauftritt: „Seine Frau hat ihm verboten, mehr dazu zu sagen.“
Vom 24. bis 29. Juni ist „Die Mondverschwörung“ übrigens in der Lagerhalle Osnabrück zu sehen. „Da gehe ich sowieso nicht rein“, versichert Jürgens. Solange er nicht lächerlich gemacht werde, sei ihm der Film auch völlig egal.
Nein, sagt Frickel, der Film sei zwar witzig, „aber nicht auf Kosten von Jürgens oder anderen Leuten, die darin vorkommen“.
Eine schräge Geschichte bleibt es aber allemal.
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