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Schülerprojekt „Hörbare Umwelten“
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Ein Stadtplan aus Geräuschen

Schülerprojekt „Hörbare Umwelten“

Osnabrück. Eigentlich gibt es diesen Kurs noch gar nicht. Erst nach den Sommerferien werden die 15 Schüler des Gymnasiums „In der Wüste“ das wissenschaftliche Arbeiten in ihrem Seminarfach Musik lernen. Doch bereits am Freitag trafen sie zusammen, denn der Komponist Volker Staub war zu Besuch.

 
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Der Zoo ist reich an akustischen Eindrücken: vier Schülerinnen der Gesamtschule Schinkel mit Aufnahmegerät. Foto: Jörn Martens Ausgangspunkt der Geräuschsuche: Am Flamingoteich nimmt die Reise ihren Ausgangspunkt. Vorher aber heißt es zunächst, sich mit der Technik vertraut zu machen. Die Leiter des Projekts: Komponist Volker Staub und Musiklehrer Rüdiger Quast. Wunder der Technik. Die Jungs wirken cool, sind aber in erster Linie fasziniert von der Technik. Ein Blick auf den Zoo-Lageplan. Gibbons sind bestimmt gute Geräuschquellen. Feinjustierung: Will der Kopfhörer nicht richtig sitzen?

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„Ich wünsche mir, dass ihr künstlerisch tätig werdet“, schickt er seine Erwartung voraus. Drei Osnabrücker Schulen arbeiten mit Volker Staub zusammen am Projekt „Hörbare Umwelten“, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit 96000 Euro fördert. Konkrete Ziele sind dabei noch nicht formuliert, doch was entsteht, soll auf dem Festival des YEAH!-Award im November präsentiert werden. Bei diesem Festival werden Projekte der Musikvermittlung ausgezeichnet (siehe Box).

Beim ersten Zusammentreffen mit den Schülern erzählt Volker Staub von seinen Erfahrungen mit neuer Musik, formuliert Inhalte des Projekts: Bewusst hören, auch auf Alltagsgeräusche. Musik bewusst selber machen. Was ist überhaupt Musik? Von den Schülern will er wissen, was sie sich von der gemeinsamen Arbeit erhoffen. Bei wenigen sind die Erwartungen so konkret wie bei Therese Heise, die schon selbst komponiert. Ganz offen gibt sie zu: „Es klingt alles gleich, was ich schreibe.“ Das möchte sie ändern. Fast alle erhoffen sich Erfahrungen und Abwechslung vom normalen Schulunterricht.

Enttäuscht werden sie sicher nicht: In einer achten Klasse der Gesamtschule Schinkel ist Volker Staub bereits das dritte Mal, und hier hat die praktische Arbeit bereits begonnen. Kurz erklärt der Komponist, wie man Aufnahmegeräte bedient, dann sollen die Schüler in Kleingruppen in die Stadt ausschwärmen und Geräusche aufnehmen. Die sollen später in einen akustischen Stadtplan eingebaut werden.

Kristina Wieziolkowski, Kristina Novikova, Lea Befeldt und Luna Brumund wollen den Zoo, den Schlossgarten und den botanischen Garten ansteuern. Mit zwei eigenen und einem geliehenen Fahrrad geht es los, Lea fährt auf dem Gepäckträger mit. Das Aufnahmegerät steckt in der Hosentasche. Der Zoo ist reich an akustischen Eindrücken, man hört sie viel bewusster, wenn man gezielt überlegt, was man aufnehmen könnte. Bei den Sonnensittichen hört man das Schwirren der Flügel und ein schrilles, kreischendes Zwitschern. Plötzlich ertönt aus einem Haus ein Gackern. Sofort sagt Luna: „Das war ein Lachender Hans.“ Das Schild vor dem nächsten Käfig gibt ihr recht. Noch erstaunlicher und tierisch laut sind die Geräusche der Schopfgibbons. „Feueralarm“, kommentiert jemand die sirenenartigen Schreie. Die Schwarzschwanz-Präriehunde machen nicht viel Lärm, aber aus zahllosen Kindermündern tönt es: „Oh, wie süß.“

Die vier Schülerinnen haben keine Zeit verbummelt, dennoch sind nach dem Zoo keine weiteren Stationen mehr zu schaffen: Nach zwei Stunden müssen alle wieder im Schinkel sein.

Die Schüler der Anne- Frank-Schule sind wesentlich jünger, Helmke Stolzenburg beteiligt sich hier mit seiner zweiten Klasse an dem Projekt. Die körperlich behinderten Schüler erhalten im Lernprozess besondere Förderung gerade durch das Fach Musik, das an der Anne- Frank-Schule als Hauptfach unterrichtet wird. Helmke Stolzenburg setzt auf die Kreativität seiner Schüler und will den Prozess nicht durch eine Zielvorgabe lenken. „Was sich letztendlich ergibt, wird sich noch zeigen.“

Volker Staub macht verschiedene Spiele mit den Kindern. Er versucht hier, gegenseitiges Zuhören zu fördern. Zu viert sollen die Kinder auf Instrumenten spielen und dabei besonders auf die anderen achten. „Die Schüler sind in ihrem Handeln noch sehr stark auf sich selbst fokussiert“, erläutert Helmke Stolzenburg. „Doch jetzt müssen sie den Ablauf koordinieren, also irgendwie kommunizieren, sich Zeichen geben, vereinbaren, wie man miteinander spielt.“ Eine andere Aufgabe bestand in der bewussten Wahrnehmung von Umweltgeräuschen im Innenhof, auf dem Parkplatz und dem Schulhof der Anne-Frank-Schule. Schwierig ist dabei für die Schüler noch, das Gehörte mit Worten zu beschreiben. Aber die Arbeit an den Projekten läuft ja noch weiter: Im November werden die Ergebnisse beim „YEAH!“-Festival vorgestellt.


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