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Ein Foto kostet einen Kuss: Ein Grafelder auf Wanderschaft
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Autor: Jürgen Ackmann 24. Mai 2011 16:30 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Drei Jahre und 240 Tage unterwegs

Ein Foto kostet einen Kuss: Ein Grafelder auf Wanderschaft

Grafeld. Er ist zurück. Drei Jahre und 240 Tage lang war Thomas Mehmann-Lücke aus Grafeld auf Wanderschaft. Drei Kontinente hat er unter die Füße genommen, in Tausende von neuen Gesichtern geschaut und viel gelernt. „Es war die bisher schönste Zeit meines Lebens“, sagt der 23-jährige Zimmermann.

 
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Empfang: Verwandte und Freunde verdrückten manche Träne bei der Rückkehr von Thomas Mehmann-Lücke. Foto: privat Zurück: Thomas Mehmann-Lücke. Foto: Jürgen Ackmann

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Es war ein ebenso rauschender wie berauschender Empfang, als Thomas Mehmann-Lücke zum ersten Mal nach all den Tagen das Ortsschild seines Heimatdorfes passierte. Während der Wanderschaft musste er mindestens einem Bogen von 50 Kilometern um Grafeld herum machen. Dieses Mal nicht. Rund 280 Freunde, Verwandte oder einfach auch Neugierige warteten bereits auf ihn. Einer, der sich ebenfalls freute, war Neffe Paul. Als Thomas Mehmann-Lücke in die Welt hinauszog, war er gerade geboren worden. Nun stand der Knirps in der nachgeahmten Kluft der „rechtschaffenen Fremden“ vor ihm – jener Vereinigung für Zimmermanns-Wandergesellen, der Thomas Mehmann-Lücke angehört. Es waren glückliche und tränenreiche Momente zugleich.

Physisch ist der 23-Jährige angekommen, nun muss er sich einleben. Dazu gehört auch, dass er wieder und wieder die Geschichte seiner Wanderschaft erzählt. Wie es im Allgäu war, in der Schweiz, in Österreich, in Liechtenstein, auf Korsika, in Thailand, in Laos, in Italien, in Dänemark, in Norwegen oder in Kuba.

Am Anfang seiner Reise, da sei noch alles ungewohnt gewesen, fängt der 23-Jährige an – zum Beispiel die ständige Suche nach einer Bleibe. Aber es gebe ja die „Krüge“, spezielle Wirtshäuser, die als Anlaufpunkte für Wandergesellen dienten. Auch in Kolpinghäusern würden die Handwerker kostenlos aufgenommen. Und zur Not tue es auch eine Scheune oder eine Wiese. Auch Arbeit zu finden sein meist kein Problem gewesen. „Im Sommer holen die Firmen die Wandergesellen manchmal direkt von der Straße weg“, sagt Thomas Mehmann-Lücke. Sie sind geschätzte Arbeitskräfte, die anpacken, wenig Ansprüche stellen und einen festen Verhaltenskodex haben. Die Wandergesellen legen Wert auf korrekte Kleidung, sie verlassen Unterkunft und Arbeitsplatz sauber, und sie betteln nicht. Und überhaupt: Auf Wanderschaft gehen darf nur der, der nicht vorbestraft ist, unter 30 Jahre alt ist, ledig und keine Kinder hat. Das sind die Regeln. Ansonsten ist das Leben eines Wandergesellen fast schon ein Gegenentwurf zur durchrationalisierten Arbeitswelt in den Werkhallen und Büros in Deutschland. Das Ungebundene, die Freiheit, das Fremde hat Thomas Mehmann-Lücke schätzen gelernt. „Irgendwann war das Fernweh größer als das Heimweh“, erzählt der Grafelder.

So kam es, dass der 23-Jährige in Laos beim Aufbau der Schule einer deutschen Stiftung mithalf, in Norwegen lernte, dass ein Zimmermann beim Dachbau besonders auf die Schneelast achten muss, und in Kuba erlebte, dass das Leben dort auch für „rechtschaffene Fremde“ besonders teuer ist.

So unterschiedlich die Arbeitsbedingungen auch waren, eines war immer gleich – das Interesse der Menschen an den Wandergesellen in ihrer auffälligen Kluft. Manch einer bat um ein Foto, manch einer stellte Frage um Frage. Das machen sich die Wandergesellen gern zunutze – auch Thomas Mehmann-Lücke. Nicht nur beim Beschaffen eines Schlafplatzes. Auch bei der Kontaktaufnahme mit dem weiblichen Geschlecht. „Ein Foto kostet einen Kuss“, habe es oft geheißen.

Auch davon wird Thomas Mehmann-Lücke wohl noch oft erzählen. Zum Beispiel, wenn er in Kürze wieder für einige Monate bei seinem Ausbildungsbetrieb Küpker&Stienke in Berge arbeitet. Vielleicht auch, wenn er ab Oktober die Meisterschule in Freiburg besucht. Ganz sicher bei den regelmäßigen Treffen mit den Wandergesellen. Unter ihnen hat er viele Freunde fürs Leben gefunden.

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