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„Wenn die Innenstadt erst mal tot ist...“
Aschendorf. Die Ergebnisse des von der Stadt Papenburg in Auftrag gegebenen Einzelhandelsgutachtens für die Fehnstadt haben im Aschendorer Ortsrat eine kontroverse Debatte ausgelöst. Am Ende führte sie zu einer Pattsituation: Fünf Ortsratsmitglieder stimmten für ein auf den Ergebnissen basierendes Zentrenkonzept „mit Richtlinienwirkung“, fünf waren dagegen, und zwei Ortsratsmitglieder enthielten sich.
Die Diskussion entbrannte insbesondere um die Bedeutung des Aschendorfer Einzelhandels im Ortskern (Große Straße) und im Zuge des Gewerbegebietes (Rheder Straße) sowie um eine „einzelhandelsrelevante Sortimentsliste“, die die CIMA GmbH aus Lübeck im Rahmen des von ihr erstellten Gutachtens erarbeitet hat. Die Liste soll Anhaltspunkte für zukünftige Ansiedlungsstrategien im Einzelhandel in Papenburg liefern.
Ortsbürgermeister Hans-Michael Goldmann (FDP) bezeichnete die Sortimentsliste im Gegensatz zum Papenburger Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) als „Humbug“ und „völlig marktfern“. Fachbereichsleiter Heinz Walker von der Stadtverwaltung betonte, dass die Ergebnisse des Gutachtens nicht in ein starres Korsett gegossen würden.
Das Zentrenkonzept sieht unter anderem eine parzellengenaue Abgrenzung vor, wo Einzelhandel betrieben werden darf beziehungsweise neu angesiedelt werden kann. Grundsätzlich gilt, dass alle bestehenden Geschäfte Bestandsschutz genießen.
Diplom-Geografin Carita Pech von der CIMA hatte das Gutachten im März in einer gemeinsamen Sitzung des städtischen Wirtschafts- und Bauausschusses erstmals öffentlich vorgestellt. Seinerzeit hatte die Präsentation für wenig Diskussionsstoff gesorgt. Über die Parteigrenzen hinweg wurde das Gutachten als eine gute Basis für die weitere Entwicklung des Einzelhandels in Papenburg bewertet. Die Präsentation ist im Internet unter www.papenburg.de abrufbar.
Verkehrsprobleme
Pech bescheinigt dem Stadtteilzentrum Aschendorf eine „vielfältige Funktionsmischung“ aus Handel, Dienstleistung und Gastronomie „in eher kleinteiliger Struktur“. Als problematisch bewertet sie die Verkehrssituation auf der Großen Straße. „Die Verkehrsberuhigung wirkt nur zum Teil, weil viele die Große Straße als Durchgangsstraße nutzen“, sagte Pech. Negativ schlagen aus Sicht der Gutachterin außerdem die lang anhaltenden Ladenleerstände in der Poststraße und der Kolpingstraße zu Buche. Kürzlich erst ausgezogen ist zudem die Schlecker-Filiale an der Großen Straße.
Und doch sah Pech die Lage der Großen Straße weit weniger dramatisch als Goldmann. Nach seiner Auffassung hat sich der Schwerpunkt des Einzelhandels längst in den Bereich um die Supermärkte (Aldi, Combi) an der Rheder Straße verlagert. „Die Große Straße ist nicht mehr marktrelevant. Wir werden diesen Prozesse nicht mehr umkehren können“, betonte Goldmann. Er sprach sich für die Umwandlung der Großen Straße in eine „Spielstraße mit ebenerdigen Wohnungen aus“. Rund um Aldi und Combi sprach sich der Ortsbürgermeister hingegen für die Ansiedlung weiterer Einzelhändler aus – von einer Apotheke bis zur Lotto-Annahmestelle. Hermann-Josef Abeln (Bürgerforum) regte in diesem Zusammenhang an, Flächen für eine Ausdehnung des Einzelhandels auf der gegenüberliegenden Seite der Rheder Straße zu erschließen.
Jan Peter Bechtluft warnte indes davor, die Große Straße und damit den historisch gewachsenen Aschendorfer Ortskern mit Blick auf den Einzelhandel aufzugeben. „Das halte ich für gefährlich. Wenn die Innenstadt erst einmal tot ist, ist das nicht mehr umkehrbar“, sagte Bechtluft. Auch Carita Pech warnte davor, die Große Straße zugunsten weiterer Einzelhandelsflächen an der Rheder Straße zu opfern. „Wenn Sie das wollen, müssen wir ans Reißbrett zurück“, sagte die Gutachterin.
Für eine weitere Ausdehnung des Schuh- und Sporthauses Klahsen sieht Pech nach den Vorgaben der Regionalen Raumordnung gegenwärtig keine Möglichkeiten. „Hier ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagte Pech. Friedhelm Führs (CDU) mahnte indes: „Wir dürfen keine Perspektiven abschneiden.“
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