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Mittelalter am „Erlebnistag Holter Burg“ greifbar machen
Bissendorf. Es gab Zeiten, da hat die Holter Burgruine Schatzgräber angezogen, die den Waldboden durchpflügten, um den legendären diamantenen Tisch zu bergen. Gefunden haben sie ihn nicht. Auch die Archäologen, die den Glücksrittern folgten, stießen nicht auf Edelsteine. Sie förderten Kulturgüter zutage, die Einblicke ins Mittelalter liefern. Und sie setzten Mauern instand, die die einstige Größe der Feste erahnen lassen. Am 14. Mai findet nun erstmals ein „Erlebnistag Holter Burg“ statt.
Zwei Wege führen zum Burgberg: Der eine steigt sanft an und führt auf einer Schleife zur Ruine, der andere ist kurz und knackig. An dessen letzten Anstiegen nehmen Betonstufen dem Gelände die Schärfe. Der Blick fällt auf die Mauern des einst mächtigen Torhauses, zu dem eine Brücke geführt hatte. Die Grundmauer der Kapelle liegt dicht bei. Dahinter ragt der Rumpf des Rundturms auf. Ein Stück weiter ist die Ruine des Palas zu erkennen, das repräsentative Wohngebäude der Edelherren von Holte. Alles ist frei zugänglich. Das ist das Konzept. „Wir wollen hier kein Museum“, sagt Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter. Zumindest wollen die Beteiligten keinen Rummel veranstalten, wie er um andere historische Stätten aufgezogen wird. Am 14. Mai machen sie eine Ausnahme. Dann werden Vertreter verschiedener Institutionen die Aufmerksamkeit auf eines der bemerkenswertesten Kulturdenkmäler in Nordwestdeutschland lenken.
Keine Eroberung
Der Chef der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück, Bodo Zehm, blickt zurück. 1997 machten sich die Archäologen erstmals am Holter Burgberg zu schaffen. Der Wahrheitsgehalt der alten Überlieferung, dass die Holter Burg vor etwa 850 Jahren nach siebenjähriger Belagerung durch die Truppen des damaligen Osnabrücker Bischofs und des Grafen von Ravensberg geschliffen wurde, wollten die Ausgräber überprüfen. Ihre Funde bestätigten die Legende nicht. Spuren einer gewaltsamen Eroberung zeigten weder Mauern noch Innenräume. „Alles deutet auf eine bauliche Entwicklung hin, die ohne umfangreiche Störungen im späten 11. Jahrhundert begann und mit dem Abtragen der Mauern im 13. bis 14. Jahrhundert endete“, erklärt ein Informationsblatt, das die Gemeinde Bissendorf aufgelegt hat. Die Redaktion hat die Kreisarchäologie übernommen.
Als die Ausgräber 1997 ihre Erforschung der Feste abgeschlossen hatten, verwischten sie quasi ihre Spuren und überließen das Areal weiter der Verwitterung. „So machen wir das eben“, sagt Zehm. 2006, als eine erneute Exploration stattfand, setzte offenbar ein Umdenken ein. Als die Archäologen ihre Arbeiten beendet hatten, sollten die freigelegten Ruinen nicht wieder zugeschüttet werden. Darauf verständigten sich die Kreisarchäologen, die Gemeinde, der Heimat- und Wanderverein Bissendorf sowie Grundbesitzer Christoph Homann. Mauern sollten freigelegt und ausgebessert, Geländer gezogen werden. „Ich hätte niemals gedacht, dass das so ein Ausmaß bekommen würde“, sagt Homann heute.
Bischof segnet Palas
Am Samstag, 14. Mai, soll nun das neue touristische Aushängeschild des Osnabrücker Landes der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Auftakt ist um 11 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst. Unter der Leitung des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode ist die Segnung des Palas, des Rundturms und der Kapelle, vorgesehen. Anschließend haben alle Besucher die Möglichkeit, bis 15 Uhr unter fachkundiger Leitung an einer der vielen Burgbesichtigungen teilzunehmen. Dazu zählen auch spezielle Kinderführungen, die einen Einblick in das mittelalterliche Leben auf einer Burg geben sollen, sowie Führungen zum mittelalterlichen Ortskern, in dem die Kirche für Besichtigungen geöffnet ist.
Helfer von Vereinen und Initiativen aus Holte, Bissendorf und dem Osnabrücker Land haben sich auf diesen Tag vorbereitet und halten Getränke und Mittagsverpflegung bereit.
Das Projekt Holter Burg unterstützen der Heimatbund Osnabrücker Land, die Stadt- und Kreisarchäologie, Stiftung der Sparkassen des Landkreises, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, der Heimatverein Bissendorf, die Baumschule Igel, Gemeinde Bissendorf und die Eigentümerfamilie Homann.
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07.04.2012
