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Gärtnern der anderen Art: „Media Art Garden“ auf dem Osnabrücker Marktplatz
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Gärtnern der anderen Art: „Media Art Garden“ auf dem Osnabrücker Marktplatz
Gärtnern der anderen Art: „Media Art Garden“ auf dem Osnabrücker Marktplatz
Osnabrück. Mitgärtnern ist erwünscht beim digitalisierten Medien-Kunstgarten auf dem Marktplatz. Aus ausrangierten Küchengeräten darf jeder Interessierte neue Gartengeräte bauen. Vorbilder liefern die humorvollen Konstruktionen von Wessel Westerveld und Karl Heinz Jeron.
Zwischen Rathaus und Stadtbibliothek bietet sich den Passanten ein ungewohntes Bild: Mit Gewächshaus, Gartenmöbeln, Blumenerde und Grünpflanzen in Blumentöpfen wird eine Schrebergarten-Idylle simuliert.
Während Schülerinnen der Musik- und Kunstschule grüne Filzstoffe zu organischen Formen schneiden, sitzt vor einem Container der 49-jährige Berliner Medienkünstler Karl Heinz Jeron an einem Tisch und verstöpselt fünf Kartoffeln mit Kabeln. Und tatsächlich: Die Kartoffel sagt was. Ganz deutlich ist durch einen kleinen Lautsprecher knirschendes Summen zu hören. Die Oxidierung der metallenen Kabelenden mit dem Innenleben der Knollen erzeugt eine Messung von immerhin 3,6 Volt. Allein auf 0,9 Volt Power bringt es eine frische Kartoffel – in Zeiten atomarer Ängste und erneuerbarer Energien gewiss ein interessantes Phänomen.
Zur Eröffnung eines „Media Art Garden“ arrangierte am Donnerstagmorgen Jerons Projektpartner Wessel Westerveld alias „Wexel“ aus dem niederländischen Enschede dazu skurrile Gerätschaften aus Ventilatorabdeckungen, Saftpressen, Toastern oder Gießkannen: Kreationen, die von ihm selbst oder von Teilnehmern des Media Art Flow Festival (MAFF) im niederländischen Almelo konstruiert wurden und bizarren Gewächsen gar nicht mal unähnlich sahen.
„This is gardening“, kommentierte der 33-jährige Westerveld denn auch die Aktion. An dieser Gartenarbeit der besonderen Art werkelte Monika Witte von der Musik- und Kunstschule Osnabrück als Projektleiterin eifrig mit und half mit drei Schülerinnen beim Aufbau.
Nach Almelo gärtnern die beiden Medienkünstler auch beim diesjährigen European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück und bilden ein interkulturelles mediales Kreativ-Team, das dem Phänomen niederländischer und deutscher schematischer Gartengestaltung humorvoll auf die Schliche kommen will. Neben der Präsentation von Westervelds Konstruktionen und Jerons elektro-mechanischen Objekten mit pflanzlicher Energie kann in offenen Workshops bis zum 30. April jeder Interessierte „von 9 bis 99 Jahren“ aus ausrangierten Küchengeräten, Obst- und Gemüseabfällen neue funktionstüchtige Geräte bauen, durch die sich Pflanzen bewässern, umgraben oder durch Töne „verstehen“ lassen.
In Kooperation mit dem MAFF Almelo und der Musik- und Kunstschule Osnabrück soll ein temporärer, digitalisierter Medien-Kunstgarten entstehen, der offen für jeden Interessierten ist. Gefördert durch Grenswerte und Euregio im Rahmen des Jahresprojekts „Overhanging Fruit“, soll der Garten als unabhängiges Festival die Grenzen zwischen Pflanze und Maschine aufbrechen und zudem eine sinnvolle und ergänzende Verwertung alter Gerätschaften und alten Obsts und Gemüses aufzeigen. Kreativität im Dienste der Pflanze – oder wie es eine interessierte Passantin auf dem Rathausplatz ausdrückte: „Sie warten also nicht auf den Regen.“
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