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Westerkappelner Pflege für gequälte Kreaturen
Westerkappeln. Diese grausamen Bilder von gequälten Kreaturen gingen Carsten Vonhöne nicht mehr aus dem Kopf. Mit Tierschutz hatte der Unternehmer aus Velpe bis vor rund drei Jahren wenig am Hut. Doch als er im WDR-Fernsehen eine mehrteilige Serie über die Tierhilfe Fuerteventura sah, stand für ihn fest, dass er etwas tun musste. Kurz danach nahm er den ersten vierbeinigen Schützling von der spanischen Sonneninsel bei sich auf. Der 48-Jährige päppelt seitdem bei sich zu Hause kranke, misshandelte, verletzte und abgemagerte Hunde auf.
Es ist 10 Uhr. Carsten Vonhöne öffnet die Terrassentür, „Kylie“, „Frieda“ „Mukkes“ und „Blümchen“ stürmen in die große Küche an die Fressnäpfe. Gleichwohl sind der Yorkshire, der kleine Mischling und die beiden Pointer wohlerzogen. „Mukkes“ legt erst mit dem Futtern los, wenn ihm Vonhöne das per Kommando gestattet. „So eine individuelle Betreuung wie eine Pflegestelle kann keine Organisation und kein Tierheim leisten“, betont er.
Im 3500 Quadratmeter großen Garten haben die Tiere viel Platz zum Toben. Vonhöne, Geschäftsführer von Gravex Industriegravuren, führt seinen Betrieb am Rand des Industriegebietes Velpe. Dort wohnt er auch mit Freundin und zwei jugendlichen Kindern: „Sonst wäre das mit der Pflegestelle gar nicht machbar.“ Mehr als fünf Tiere will er trotz des großen Grundstücks nicht aufnehmen. „Im Winter hatten wir hier 35 Zentimeter Schnee im Garten. Dann sind die Hunde ja im Haus.“
Ein Hundeleben auf Fuerteventura ist – wie in vielen Ländern Süd- und Osteuropas – nichts wert. „Die werden nicht als Haus-, sondern als Nutztiere betrachtet“, berichtet Vonhöne. „Auf Teufel komm raus“ würden in Spanien Jagdhunde wie Pointer oder Podencos gezüchtet. „Die Besten werden aussortiert, der Rest verjagt oder getötet. Im günstigsten Fall kommen die ins Tierheim“, schildert der Velper die schlimmen Verhältnisse. Für jede Gemeinde ist eine Perrera vorgeschrieben. Dabei handelt es sich um Tötungsstationen. Findet sich nach Ablauf von 21 Tagen keine andere Bleibe für die Hunde, „werden sie dort richtig gekeult“, sagt Vonhöne.
Die Tierhilfe Fuerteventura hat die Perreras in der Inselhauptstadt Puerto del Rosario und in La Oliva zusammen mit Okapi übernommen und zu Tierheimen umgebaut. Ein paar andere Tötungsstationen werden so betreut, dass zumindest das Leid der Hunde gemildert wird. Als Hauptziel verfolgt der Verein die Prävention, „damit das Elend erst gar nicht entsteht“, betont Carsten Vonhöne. Um die Tierflut einzudämmen, werden Kastrationen und Sterilisationen finanziert, Einheimische unterstützt, die sich das Futter für ihre Tiere oder eine dringend notwendige Tierarztbehandlung nicht leisten können, und Aufklärungsarbeit vor Ort geleistet.
Trotz dieser Mühen gibt es noch immer zahllose herrenlose Hunde. Zumal: Die Wirtschaftskrise hat auch Fuerteventura getroffen. Viele Residenten, vor allem Briten, hätten die Insel ver- und ihre Hunde zurückgelassen, gibt der Velper Geschäftsmann zu bedenken.
Pflegestellen wie die in Velpe sind daher umso wichtiger. Die Tierhilfe organisiert alles. Dabei achtet der Verein darauf, dass alle Voraussetzungen gegeben sind, um die Vierbeiner gesundheitlich und psychisch wiederherzustellen und ihnen ihre Würde wiederzugeben.
Die Hunde werden in Begleitung von Flugpaten nach Deutschland eingeflogen. Sie werden auf Kosten des Vereins durchgeimpft und auf alle Mittelmeerkrankheiten untersucht. „Auf Antrag werden auch die Futterkosten bezahlt“, erläutert Vonhöne, der die Tiere fit macht für eine weitere Vermittlung. Dazu gehört auch, sie stubenrein zu übergeben.
Die Vermittlung – gegen Gebühr – läuft ausschließlich über das Internetportal www.tierhilfe-fuerteventura.de. Dabei achte der Verein darauf, dass Hund und Halter zusammenpassten. „Pflegestellen haben ein Vetorecht“, sagt Vonhöne. Der Hund bleibe überdies immer Eigentum der Tierhilfe, damit er am Ende nicht vom Regen in die Traufe komme.
Sich wieder von seinen Schützlingen zu trennen falle ihm nicht schwer, meint Vonhöne: „Man stellt sich ja darauf ein.“ „Kylie“ allerdings hat sein Zuhause endgültig bei Vonhönes gefunden.
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