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Verlustgeschäft: Die Hollager Mühle schreibt rote Zahlen
Wallenhorst. So schön die Hollager Mühle auch ist – sie ist vor allem eines: teuer. In die Jugendfreizeitstätte hat die Gemeinde Wallenhorst in den vergangenen Jahren viel Geld gesteckt: Renovierung des Mühlenturms, Bau des Badehauses und zuletzt die Einrichtung eines Lernstandorts für erneuerbare Energien. Doch Bürgermeister Ulrich Belde macht sich nichts vor: „Wir werden hiermit kein Geld verdienen.“
Leise plätschert der Mühlenbach, und idyllisch spiegelt sich die Hollager Mühle im Mühlenteich. Sie ist Mittelpunkt des 2,7, Hektar großen Geländes am Rande von Hollage, auf dem Kinder und Jugendliche Freizeiten inmitten der Natur verbringen können – entweder auf dem weitläufigen Zeltplatz inmitten eines kleinen Waldes oder im Mühlenturm selbst.
Die Gemeinde Wallenhorst lässt sich dieses Angebot viel kosten. Ein dickes Minus prangt vor den betriebswirtschaftlichen Ergebnissen der vergangenen Jahre. 2007 waren es rund 101000 Euro Miese, 2010 satte 135000 Euro. Personalkosten, umfangreiche Renovierungsarbeiten und eine jährliche Pacht, die laut Gemeindeverwaltung knapp 4000 Euro beträgt – all das wird nicht annähernd durch die Benutzungsgebühren der Gäste ausgeglichen.
„Wir haben keine Kostendeckung“, sagt Bürgermeister Ulrich Belde. „Das ist aber allen bewusst. Wir wollen hier ein Angebot für die Jugendfreizeit aufrechterhalten und ständig erweitern – auch mit pädagogischen Angeboten.“
Erweitertes Angebot
Zuletzt wurde im 2008 mithilfe der Kolpingsfamilie Hollage errichteten Pavillon ein Lernstandort für erneuerbare Energien eingerichtet. Hier sollen Schüler anhand einfacher Versuche lernen, was es mit regenerativen Energien auf sich hat. Fünf Ehrenamtliche haben sich inzwischen für die Betreuung des Standortes gemeldet, die erste Schülergruppe hat sich für Mai angekündigt.
Zudem kooperiert die Hollager Mühle mit einem Reiterhof, einem Landwirt und einem Erlebnispädagogen. Belde sieht das Angebot in freier Natur als gesellschaftlichen Auftrag, „der politisch auch völlig unumstritten ist“.
Baulich hat sich einiges getan. Noch ist der Weg zum neu gebauten Badehaus nicht komplett gepflastert, und an vielen Stellen zeugen Materialhaufen von den jüngsten Renovierungsarbeiten. Das Badehaus ist für die Zeltplatzgäste des insgesamt 2,7 Hektar großen Geländes gedacht. Vor einem Jahr begannen die Bauarbeiten, nun fehlen nur noch die Kleiderhaken. Die bis zu 250 Camper mussten bislang die sanitären Anlagen im Mühlenturm mitbenutzen, die wiederum 2009 renoviert wurden. Nun stehen im Badehaus für Männer und Frauen je vier abschließbare Duschkabinen und sechs Brausen in der Gemeinschaftsdusche zur Verfügung –nicht viel, aber die Kinder, die hier Klassenfahrten oder Jugendfreizeiten verbringen, würden ohnehin nicht jeden Tag unter die Dusche springen, sagt Herbergsvater Andreas Thünker. „Die springen lieber in den Teich.“
Zweifellos ist die Hollager Mühle seit 2008 attraktiver geworden. In der Zeit von Mai bis zum Herbst ist das Gelände auch ausgelastet, doch reicht dies nicht, um schwarze Zahlen zu schreiben.
Zu den Gästen zählen überwiegend Grundschulen aus der Region und dem Münsterland, erläutert Thünker. Im Mühlenturm stehen 30 Betten zur Verfügung, doch selten sind alle belegt. „Wir können hier immer nur eine Gruppe auf einmal unterbringen – dafür kann die dann aber unter sich bleiben“, sagt der Herbergsvater. Die Zimmer sind einfach eingerichtet. In der ersten Etage stehen acht Hochbetten darin, sonst nichts. Nach oben hin werden die Zimmer kleiner, der Turm enger.
Zwar habe er Buchungen im Mühlenturm bis 2014, sagt Thünker, aber die Gruppen würden kleiner – „der demografische Faktor zeigt sich eben auch hier, die Zahl der Kinder in unserer Gesellschaft sinkt“, gibt der Herbergsvater zu bedenken. Ziel sei es, vermehrt Familien anzusprechen und die Wintermonate zu überbrücken. Doch die Familien können, falls sie nicht zelten wollen, eigentlich nur gruppenweise im Turm untergebracht werden – oder im Blockhaus, das neben 14 Betten unter dem Dach zwei Zimmer mit Dusche und WC bietet.
Übergangsphase
Wenig attraktiv sind auch die acht Sommerhäuser zwischen Badehaus und Zeltplatz. „Die nächste Baustelle“, so Thünker. Jeweils zwei Hochbetten stehen in den Häuschen, sonderlich groß und komfortabel sind sie nicht. „Es sind eigentlich etwas bessere Zelte“, so Thünker, andererseits gehe es den Besuchern ja auch in erster Linie um den Aufenthalt mitten in der Natur.
2010 waren die Belegungszahlen aufgrund der Baumaßnahmen zurückgegangen. „Wir befinden uns derzeit in einer Übergangsphase“, betont Belde. Die finanziellen Einschnitte seien notwendig. Zuletzt stimmte der Wallenhorster Gemeinderat für eine Erhöhung der Gebühren: Für Jugendliche hat sich der Preis pro Übernachtung auf dem Zeltplatz von drei auf vier Euro erhöht. Auch wenn an eine Kostendeckung auch künftig nicht zu denken ist, wird die Gemeinde an der Hollager Mühle festhalten. Der Pachtvertrag ist jüngst für weitere 30 Jahre verlängert worden.
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