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Tippspiel
Vom Ende des Lampenfiebers nach dem ersten Satz
Osnabrück. Sollen Straftäter ihre Verbrechen mit Heldentaten während einer schweren Krise sühnen können? Um diese Frage ging es im Finale der Norddeutschen Debattiermeisterschaft in Osnabrück. Der Debattierclub der Universität hatte das Wortgefecht ausgerichtet. Sieger wurden ein Student aus Münster und ein Rednerteam von der Universität Kiel. Als Gastgeber durfte der hiesige Club keine Kandidaten aufstellen – damit diese keinen Heimvorteil haben.
56 Teilnehmer aus ganz Norddeutschland stellten sich ans Rednerpult. Am Ende gewann als Einzelredner Johannes Haug, 25-jähriger Jurastudent aus Münster, knapp vor Julika Hofmann, 25-jährige angehende Politikwissenschaftlerin aus Kiel. Doch die Zweitplatzierte gehörte ebenfalls zu den Siegern, denn als Gruppe lag das Team ihrer Uni vorne.
Was die Debatte um Straftäter angeht, hatten beide gegensätzliche Positionen vertreten. Johannes Haug zeigte sich als Gegner einer schnellen Rehabilitation, denn die dürfe nicht auf den Nutzen für die Gesellschaft ausgerichtet sein. Während er die Frage eher philosophisch anging, argumentierte seine Gegnerin Julika Hofmann ganz pragmatisch. Es gebe Situationen, in denen schnell gehandelt werden müsse. Zum Beispiel, wenn dringend eine Kernschmelze verhindert werden soll – wie etwa in Fukushima.
Zwischenfragen erlaubt
Auf dem Weg zum Rednerpult erging es beiden offenbar gleich. Später berichteten sie vom Lampenfieber auf dem Weg zum Mikrofon, doch „nach dem ersten Satz ist es weg“. Während der Argumentation sei es wichtig, seine eigene Position nicht anzuzweifeln. Für Johannes Haug tritt „der schönste Moment“ dann ein, „wenn ich merke, dass sich in der Diskussion eine Lücke auftut, die ich füllen kann. Bis dahin hoffe ich, dass niemand meinen entscheidenden Punkt vorwegnimmt.“ Das Debattieren sehen beide als Sport. Um es darin zur Meisterschaft zu bringen, empfiehlt Julika Hofmann: „Üben, üben, üben.“
Vorbild für die Debattiermeisterschaft ist das britische Unterhaus, und die Zuhörer bilden das Parlament. Es sind Zwischenfragen erlaubt – nur nicht während der ersten und der letzten Redeminute. Während der Norddeutschen Meisterschaft ging es um Fragen wie: Sollte für ältere Menschen das Wahlrecht eingeschränkt werden? Sollen Eltern für die Taten ihrer Kinder bestraft werden? Soll man seinem Partner das Fremdgehen beichten? Als Juroren traten Wissenschaftler auf und die Osnabrücker Landtagsabgeordnete Annette Meyer zu Strohen (CDU).
Nächste Station ist die Deutsche Meisterschaft, die im Juni in Heidelberg ausgefochten wird – mit Debatten.
Der Debattierclub trifft sich jeden Dienstag um 19 Uhr im Juridicum am Heger-Tor-Wall 14, Raum 22/E26. Informationen unter www.debattierclub-osnabrueck.de.
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