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Lingener Ratsherr Fuest: Wünsche mir einen ehrlichen Ausstieg
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Autor: Burkhard Müller 13. April 2011 06:06 Uhr  Mehr Artikel von diesem Autor

Akademieabend im LWH – Kernenergie nach Fukushima

Lingener Ratsherr Fuest: Wünsche mir einen ehrlichen Ausstieg

Lingen. Auch wenn Dr. Michael Reitemeyer als Leiter des LWH in Holthausen in seiner Begrüßung die Podiumsteilnehmer beschwor, dass man sich bei gutem Willen einander annähern könne, zeigte der Ablauf des Akademieabends zum Thema Kernenergie, dass dieser Bitte keine Rechnung getragen wurde.

 
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Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen mit Zwischenlager, Reaktor und Kühlturm (von links). Foto: KKE Diskutierten im LWH zum Thema Kernenergie: Michael Fuest, Jürgen Manemann, Michael Reitemeyer, Gerhard Feige und Horst Kemmeter (von links). Foto: Burkhard Müller

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Eingeladen hatte das LWH Horst Kemmeter (Leiter Kernkraftwerk Emsland),Dr. Gerhard Feige (Abteilungsleiter Atomaufsicht, Strahlenschutz im niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz), Prof. Dr. Jürgen Manemann (Forschungsinstitut für Philosophie, Hannover) und Michael Fuest, Mitglied der Fraktion B 90/Die Grünen im Rat der Stadt Lingen zu dem Thema: Nichts ist mehr, wie es war – Kernenergie nach Fukushima.

Rund 150 Zuhörer waren der Einladung des LWH gefolgt und wurden Zeugen einer Diskussion, in deren Verlauf keiner der vier Gesprächspartner inhaltlich auch nur um einen Millimeter seinen angestammten Platz verließ.

Rein sachlich und aus technischer Sicht erklärte Kemmeter den Ablauf der Katastrophe in Japan und erläuterte zudem, dass Deutschland, einst Stromexportland, nun einen Teil der benötigten Energie aus Tschechien und Frankreich beziehen müsse, weil die Bundesregierung sieben Kernkraftwerke abgeschaltet habe. Seiner Meinung nach benötige die Industrie endlich gesicherte Rahmenbedingungen, die es ermöglichten, langfristig zu planen.

Bei Feige konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, als wolle der Gast aus Hannover nichts Eiligeres als zurück in die Landeshauptstadt. Ein nur kurzes Statement, knappe Antworten und die zum Schluss geäußerte Vermutung, dass man wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren noch keinen Konsens finden werde – das war’s.

In selbstverliebter Wortakrobatik gefiel sich anscheinend der Philosoph Manemann. Er setzte insbesondere auf das Spiel mit der Angst: auf einen möglichen Flugzeugabsturz oder mit seinem Hinweis auf den Terroristen, welcher mit einer Lenkwaffenrakete einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk ausführen könnte: „Die Schläfer können überall unter uns sein und sind nicht durch einen Vollbart oder Turban zu erkennen“, so Manemann. Er betonte abschließend, dass sich die Menschen immer unglücklicher fühlten, obwohl es ihnen materiell gesehen immer besser gehe. „Über dieses Wachstum sollten wir neu nachdenken“, meinte er.

Seine Betroffenheit über Fukushima wirklich abnehmen konnte man neben Kemmeter dem Lingener Ratsherrn Fuest. Er machte deutlich, dass die Gefahren der Kernspaltung seit Langem bekannt seien und über viele Jahrzehnte verharmlost würden.

Zudem kritisierte Fuest, dass die Bundesregierung sich „ohne jede Not“ aus dem Atomausstiegsgesetz verabschiedet habe. „Das war und ist ein massiver Fehler und eine Klientelpolitik gegen die Allgemeinheit“, wetterte der Ratsherr.

Absturz nachempfunden

Mit Blick auf Japan erklärte Fuest an die Adresse der Kraftwerksbetreiber, „dass immer das, was man nicht voraussehen kann, eintritt. Ich wünsche mir endlich einen ehrlichen Ausstieg.“

Während man vonseiten des Podiums nicht erklären konnte, woher die Energie zukünftig kommen solle, wie teuer sie dann sei und wann nun endlich ein atomares Endlager für hoch radioaktiven Müll gefunden werde, konnte aus dem Publikum die Frage geklärt werden, ob der Reaktor dem Absturz eines Kampfflugzeuges standhalten könne. Zwei Zuhörer bestätigten, dass Mitte der 80er-Jahre auf der Erprobungsstelle in Meppen ein Phantom-Absturz auf den Reaktor nachempfunden worden ist: Der Reaktor habe „dem Beschuss mit einem Triebwerk“ standgehalten, hieß es.

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