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Fischsterben: Verdünnen und Belüften soll dem Kanal bei Meppen helfen
tb Meppen. Krisenstimmung herrscht am Montag vor dem Gebäude des Angelsportvereins Meppen. In Sichtweite der Schleuse Meppen türmt sich weißer Schaum auf dem Wasser des Dortmund-Ems-Kanals. „Das Fischsterben geht weiter“, klagt Christoph Elbert.
Am vergangenen Freitag hatten mehr als 30 Ehrenamtliche und viele Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk noch ein paar Kilometer oberhalb der Meppener Schleuse zentnerweise tote Fische eingesammelt. Sie werden nicht weiterverwertet, sondern vernichtet. Wie viele verendet sind, kann derzeit niemand sagen. Die Schätzungen der Angler reichen bis zu „vielen Tonnen“, behördlicherseits werden keine Zahlen genannt.
Christoph Elbert ist frustriert. Der Zweite Vorsitzende des ASV Meppen und mit ihm Bodo Zaudtke vom Landesfischereiverband Weser-Ems, der Kreisbeauftragte des Verbandes, Hans Hanses, und der Vorsitzende des ASV Meppen, Dieter Heuwers, warten an diesem Vormittag auf gesicherte Erkenntnisse. Während sie hilflos mit ansehen, wie bei jeder Schiffschleusung aus altem Löschmittel neuer Schaum geschlagen wird, sitzen beim Landkreis die Verantwortlichen verschiedener Behörden beim Krisengespräch zusammen.
Schaulustige
Inzwischen gibt es Kritik an den Behörden, weil diese auch am Montag, also fast eine Woche, nachdem die ersten Fische unterhalb Lingen kieloben schwammen, keine Tiere hatten untersuchen lassen. „Wir wissen einfach nicht, was man tun kann oder tun müsste“, beklagt Dieter Heuwers. „Wenn die Fische nur am Sauerstoffmangel eingegangen sind, dann besteht ja keine weitere Gefahr. Wenn aber auch Gift im Spiel ist, dann hätte man die Kanalufer sperren oder zumindest Warnschilder aufstellen müssen.“
Dies war aber nicht geschehen. Viele Schaulustige kamen am Wochenende an den Kanal, und das mit den Resten von Löschschaum und Benzin versetzte Wasser floss mit jeder Schleusung weiter in Richtung Ems. Mittlerweile trieben auch große tote Hechte und Zander an, beklagen die Angler am Nachmittag.
Maria Feige-Osmers vom BUND Emsland spricht inzwischen von einer „Umweltsauerei“. Und Jutta Over vom NABU hat den Eindruck, dass „die ökologischen Ausmaße der Katastrophe von den Behörden verharmlost werden.“ Immerhin seien nicht nur Löschschäume, sondern auch Tausende Liter Benzin in den Kanal geflossen. Gemeinsam bildeten sie eine „hochgiftige wasserlösliche Emulsion, die von Wassertieren auch über Haut und Kiemen aufgenommen werden.“ Gewässersohle, Steinschüttungen und Uferstauden seien vermutlich auf längere Zeit verseucht. Vorübergehende Sauerstoffarmut durch den Abbau der Löschschäume reiche als Erklärung nicht aus, sagt die Biologin.
2007 hatte es im Saarland einen ähnlichen Fall gegeben, als Löschschäume das Wasser des Flusses Blies so verunreinigten, dass das Angeln 14 Monate lang verboten war. Die Schäume enthielten unter anderem PFOS, einen Stoff, der Mitte des Jahres verboten wird, aber auch in Lingen noch legalerweise zum Einsatz kam. Er erleichtert das Löschen von brennenden Flüssigkeiten, reichert sich aber auch in der Tierwelt an und ist in hohen Dosen gesundheitsschädlich. Nach Angaben des Landkreises Emsland betrug die PFOS-Konzentration im Löschmittel weniger als 0,005 Prozent.
Angelverbot
Das Prinzip der Verdünnung, wie es von den Behörden anscheinend verfolgt werde, löse das Problem nicht, sagte Jutta Over vom NABU, eben weil sich die toxischen Stoffe anreicherten. Mit jeder Schleusung werden die Schadstoffe weiter diffus verteilt. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, ob der Kanal nicht zu schnell wieder für die Schifffahrt freigegeben worden sei. Lob zollte der NABU den Anglern, die sich unermüdlich für die Fische eingesetzt hätten.
Am Nachmittag rückte die Feuerwehr Meppen erneut aus, um das Kanalwasser wie schon am Freitag zu belüften. Beim Landkreis Emsland hieß es, der Sauerstoffgehalt unterhalb der Schleuse Meppen betrage bis zu 8 Milligramm pro Liter. Das bedeute keinerlei Gefährdung für Lebewesen. Nach Angaben von Beteiligten vor Ort lag der Sauerstoffwert direkt unterhalb der Schleuse allerdings bei zwischenzeitlich tödlichen 0,2 Milligramm.
Mit der Erhöhung der Fließgeschwindigkeit im Kanal und der Belüftung werde versucht, das Sauerstoffdefizit zu verringern, teilte eine Landkreis-Sprecherin mit. Weitere technische, mechanische oder biologisch-chemische Maßnahmen seien nicht möglich. Sobald das belastete Wasser die Hase und die Ems erreiche – voraussichtlich in mehr als drei Tagen –, sei mit einer Entspannung der Situation zu rechnen, da neben einer starken Verdünnung der Rückstände zugleich ein hoher Sauerstoffeintrag erreicht werde.
Der als Naturschutzverband anerkannte ASV Meppen sperrte am Abend alle eigenen Gewässer unterhalb der Schleuse Varloh für den Angelbetrieb – vorsorglich.
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