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Auf Höhenflug per Fernsteuerung
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Quelle: Ems-Zeitung 01. April 2011 18:58 Uhr

Mit Jets und Segelfliegern im Miniaturformat über die Werlter Wiesen

Auf Höhenflug per Fernsteuerung

Von Eva Kleinert

Werlte. Ein wilder Feuerschweif dringt aus den heißen Turbinen des F15-Kampfjets und erhitzt kurzzeitig die kalte Luft. Kerosingeruch macht sich auf dem Flugplatz breit, als der Kampfjet auf die Startbahn rollt. Was wirkt wie ein militärischer Einsatz, findet sich in Wahrheit regelmäßig auf dem vereinseigenen Flugplatz des Modellflugclubs Werlte wieder. Detailgetreue Flugzeugnachbauten im Miniaturformat erobern den Himmel über den Feldern und Baumwipfeln.

 
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Doch nicht nur Düsenjets, die bis zu 500 Stundenkilometer schnell sein können, starten und landen auf der 180 Meter langen Bahn. Plötzlich braust ein Motorsegler an der Startbahn vorbei. Wie ein wütendes Insekt schwirrt er unruhig durch die Luft und setzt zum Sturzflug an. In scheinbar letzter Sekunde greift der am Boden stehende Pilot ein und zieht die Maschine wieder nach oben. Jürgen Bruns blickt schmunzelnd gen Himmel. „Wenn Anfänger sich früher an solchen Manövern versucht haben, sind viele Maschinen zu Bruch gegangen. Heute fliegen wir im Schüler-Lehrer-Betrieb, damit der Lehrer im Notfall die Kontrolle übernehmen kann“, erklärt er, dass der Sender eines Neulings mit dem eines erfahrenen Mitgliedes verbunden wird. Zunächst unter Anleitung zu fliegen sei auch für die Motivation besser. „Es ist schwierig, die Maschine in der Luft zu halten. Das zu lernen, sollte man nie alleine versuchen – nach einigen Misserfolgen landet das Flugzeug sonst wieder in der Ecke.“ Finanziell sei der Einstieg in den Modelflugsport für jeden erschwinglich. Elektrosegler mit Fernsteuerung, Akku und Ladegerät sind laut Bruns bereits für 150 bis 200 Euro zu erwerben. „Über neue Mitglieder freuen wir uns immer“, lädt Bruns ein, dem 40 Mitglieder starken Verein beizutreten. Auch flugbegeisterte Frauen seien immer willkommen.

Dass Flugzeuge auch ganz ohne Kerosin, Methanol oder Akku den Weg in die Luft finden, weiß beim Modellflugclub in Werlte auch schon der Nachwuchs. Laut lachend rennt Lukas Bongé gemeinsam mit seinem Freund Henry Koller über die Wiese. Die Kinder werfen mit großer Begeisterung einen Segelflieger in die Luft, dessen Aufstieg vom starken Wind jedoch erschwert wird. Vereinsmitglied Hermann Michels blickt zu den kleinen Piloten und berichtet über die eigenen Anfänge. „Ich habe schon als kleiner Junge angefangen, Papierflugzeuge zu bauen. Dann habe ich die ersten Balsa-Modelle selbst gebaut – und die flogen dann auch noch wirklich!“ Ermutigt von diesen Erfolgen, steckte Michels seine Ziele höher. „Das hat mir nicht gereicht, die Modelle sollten motorisiert sein“, so Michels. Weil aber Elektromotoren früher teuer gewesen seien, habe er mit Methanolmotoren begonnen. Tief atmet der erfahrene Pilot die kühle Frühlingsluft ein und beobachtet einen Modellhubschrauber, der in atemberaubender Geschwindigkeit über den Platz heizt. „Wenn ich hier bin und in die Luft schaue, denke ich an nichts. Ich bin so fasziniert von den Modellen, dass ich richtig abschalte“, schwärmt er.

Mehr als nur das Fliegen

Vereinsmitglied Vater Volker Bongé gesellt sich hinzu. „Modellfliegen ist viel mehr als nur das Fliegen an sich. Wir nennen uns ja auch Modellbauer –ich habe mich noch nie so gut mit Klebstoffen ausgekannt“, berichtet er augenzwinkernd, dass das Bauen und Basteln ein wichtiger Bestandteil des Hobbys ist. Denn neben dem Üben von akrobatischen Manövern lernen die Mitglieder viel über Materialkunde und Physik. Bruns hebt einen Elektrosegler vom Boden auf und biegt seine elastischen Flügel. „Die sind aus einem styroporähnlichen Material und lassen sich ganz einfach selbst kleben, wenn mal etwas kaputt gegangen ist.“

Komplizierter hingegen sieht es im Inneren des turbinenbetriebenen Nachbaus eines Air-Force-Flugzeuges aus, das in einiger Entfernung am Boden ruht. Andreas Finke, Vorsitzender des 2000 gegründeten Vereins, deutet auf die Turbine und erklärt ihre Funktionsweise: „Erst einmal wird das Triebwerk mit einem Elektromotor in Schwung gebracht.“ Mit mehreren 1000 Litern pro Minute würden große Mengen Luft angesogen. In der Brennkammer werde diese gemeinsam mit Kerosin verbrannt. Die Luft dehne sich aus und treibe die Turbine an. Es entsteht Finke zufolge ein Abgasstrahl, der für den Vortrieb des Flugzeuges sorgt. „Nach dem Prinzip funktioniert auch eine Boeing“, so der Vorsitzende.

Dass neben dem Antrieb auch andere Faktoren den Flug beeinflussen, fällt beim Beobachten der in der Luft befindlichen Modelle auf. Unruhig durchschneiden ihre Flügel die Luft, ständig sind ihre Piloten am Boden bemüht, dem starken Wind zu trotzen, der einen ruhigen Flug erschwert. „Das ist wie bei den großen Flugzeugen – mildes Wetter ist für uns am besten“, erklärt Finke. Auch zu heiße Luft sei nicht gut, da diese nicht mehr ausreichend trage. Bruns liefert die physikalische Erklärung: „Wenn heiße Luft nach oben in die kälteren Luftschichten steigt, entsteht Thermik, die für den Auftrieb bei Segelflugzeugen sorgt.“ Besonders gut sei die Thermik an Sommerabenden, wenn die Luft sich abkühle und der Boden noch warm sei.

Dass diese warmen Tage aber noch einige Zeit auf sich warten lassen, daran erinnert die Piloten der kalte Wind, der unerlässlich über die mittlerweile fast dunkle Startbahn heult. „Sonnenuntergang bedeutet für uns, dass wir aufhören müssen“, sagt Bruns, als sich langsam die Sonne hinter den Bäumen verabschiedet. Doch damit können die Piloten leben. Denn bei Sonnenaufgang steigen auch ihre Modelle zu neuen Höhenflügen auf.

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