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Osnabrücker Ausstellung zeigt alte und neue Rollenbilder
Osnabrück. Müssen Erzieherinnen immer weiblich sein und Ingenieure männlich? Es geht auch anders. Das zeigen 15 Porträts Osnabrücker Frauen und Männer mit typischer und untypischer Berufswahl. Präsentiert werden sie in der Wanderausstellung „Mannsbilder? Weibsbilder? Neue Bilder!“, die zum Equal Pay Day, am vergangenen Freitag, im Bistro des Hauses Schäffer eröffnet wurde.
Während einer „Unhappy Hour“ gab es dort zu diesem Anlass 23 Prozent Preisnachlass auf alle Getränke. Aber nur für Frauen. Denn diese Zahl entspricht dem aktuellen durchschnittlichen Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen in Deutschland. Die wenigen anwesenden Männer maulten scherzhaft über ihre Benachteiligung.
Das Frauennetzwerk „Business and Professional Women“ (BPW) Germany veranstaltet seit vier Jahren den Equal Pay Day, um auf die Entgeltunterschiede hinzuweisen. Mit ihren Bündnispartnern fordern sie: gleiche Bezahlung für gleiche und gleichwertige Arbeit, Aufteilung der Familienarbeit, ausreichende und flexible Kinderbetreuungsplätze und mehr Frauen in Führungspositionen.
Der BPW Club Osnabrück und das lokale Gleichstellungsbüro gestalteten die Ausstellung mit Fotos und kurzen Texten: Typische Rollenmuster vermitteln etwa eine Hebamme, ein Elektriker und der Interimstrainer des VfL Osnabrück, Joe Enochs, der sich allerdings auch als aktiven Vater beschreibt.
Eine unkonventionelle Berufswahl traf Ali D. Er ist Schneider. Jedoch sagt er: „In der Türkei ist das ein typischer Männerberuf.“ Oder Katrin P.: Ihr erster Job als Ergotherapeutin war ihr „zu wenig handwerklich“. Jetzt ist sie Tischlermeisterin. Die 84-jährige Hildegard R. war Verkaufsbeauftragte, musste aber kriegsbedingt Männerarbeit in der Stahl- und Bauindustrie leisten. Nach der Heirat eines Pfarrers steckte sie beruflich zurück und wirkte ehrenamtlich.
„Die Ausstellung soll zum Nachdenken und Diskutieren anregen“, sagt Dagmar Lösche-Meier, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Osnabrück. „Frauenjobs werden geringer bewertet, Frauen nehmen häufiger Familien-Auszeiten und arbeiten oft in Teilzeitjobs.“
Susanne Mirza, erste Vorsitzende des BPW Clubs Osnabrück, liefert konkrete Zahlen: „In Osnabrück arbeiteten 42,7 Prozent der Frauen, aber nur 8,6 Prozent der Männer in Teilzeit“, sagt sie. „Schon bei der Berufswahl bedenken Mädchen, ob sich das mit Familie vereinbaren lässt.“ Noch immer würden Männer als Haupt- und Frauen als Zuverdiener gesehen. Es fehle an Vorbildern von Frauen in Führungspositionen und an Pädagogen, die für die Rollenwahrnehmung sensibilisieren.
Ab Montag, 28. März, wird die Wanderausstellung im Gleichstellungsbüro der Stadt Osnabrück gezeigt.
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07.04.2012
